Modellversuch

Für Suchtkranke: SPD will Trinkraum am Hauptbahnhof

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Problemzone Hauptbahnhof: Dort kommt es immer wieder zu Trinkgelagen, ein Alkoholverbot gilt bislang nur zu nächtlicher Stunde zwischen 22 und 6 Uhr.

Rund um den Münchner Hauptbahnhof soll sich Wohlfühlfaktor erhöhen - dafür sorgen soll neben mehr Grünflächen und dem nächtlichen Alkoholverbot nun auch ein Trinkraum für Suchtkranke. 

München - Alkoholiker sollen auf Wunsch der SPD-Fraktion nahe dem Hauptbahnhof einen Raum zum Trinken zur Verfügung gestellt bekommen. Mit dem Modellversuch soll Suchtkranken der Konsum in einer kontrollierten Umgebung ermöglicht werden. Der Vorschlag ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets für den Hauptbahnhof.

Dort gibt es immer wieder Anlass zur Klage: Drogen, Prostitution, Alkoholkonsum, Gewalttaten. Der Stadtrat hatte erst vor Kurzem ein Alkoholverbot zwischen 22 und 6 Uhr und zudem einen kommunalen Außendienst beschlossen. Die Sheriffs sollen künftig auch rund um den Bahnhof patrouillieren. Die SPD-Fraktion hat gestern ein Paket mit insgesamt elf Anträgen auf den Weg gebracht, um die Situation weiter zu verbessern. Der Clou: Die Genossen wollen einen Modellversuch initiieren.

Dieser sieht einen Raum für alkoholkranke Menschen vor, die so in einer kontrollierten Umgebung trinken können – und dies nicht mehr in der Öffentlichkeit tun müssen. Gleichsam soll den Menschen in diesen Räumen Hilfe angeboten werden, wie sie sich von der Sucht befreien könnten. Hintergrund des Antrags ist freilich auch das Alkoholverbot. Das gilt für das Gebäude des Hauptbahnhofs, aber auch für die Vorplätze. Die Menschen hören aber nicht mit dem Trinken auf, sie verteilen sich eben auf andere Plätze.

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Stadtrat Müller: „Platzverweise lösen ja die Probleme nicht“

Stadtrat Christian Müller: „Platzverweise lösen ja die Probleme nicht.“ Daher nun die Idee mit einem Raum für Trinker. „Wir wissen selbst noch nicht, wie das funktionieren kann.“ Die Verwaltung soll nun ein Konzept ausarbeiten, nach der Testphase will man sehen, wie sich der Trinkerraum ausgewirkt hat. Im Übrigen auch auf die Menschen, die nicht trinken. Denn es komme vor, dass alkoholkonsumierende Gruppen auf Passanten beängstigend wirken, sagte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl. Weiter fordert seine Fraktion einen Arbeitskreis, der sich mit der Gesamtsituation im Bahnhofsviertel befasst. Unter anderem sollen Stadtratsmitglieder, Vertreter aus den verschiedenen Referaten, von der Polizei, der Bahn, des MVV, die im Viertel tätigen sozialen Träger sowie der Hotel- und Gaststättenverband vertreten sein. „Man sieht an den Mitgliedern des Ausschusses, wie umfassend man die Thematik Hauptbahnhof betrachten muss“, sagte SPD-Fraktionsvize Christian Vorländer.

Zudem fordert die SPD die Verwaltung auf, gemeinsam mit den Wohlfahrts- und Frauenverbänden ein Konzept für den Umgang mit problematischen sozialen Entwicklungen vorzulegen. Dabei geht es vor allem um den Umgang mit Drogenabhängigen und Wohnungslosen, die sich am Hauptbahnhof aufhalten. Für mehr Sicherheit könnte auf Wunsch der Genossen künftig ein Infokiosk der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) sorgen. Der soll nicht nur den Bürgern als Anlaufstelle zur Verfügung stehen, sondern auch für den neuen kommunalen Außendienst. „Das bietet sowohl nachhaltige als auch kurzfristige Hilfe“, sagte SPD-Fraktionsvize Verena Dietl.

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Änderungen am Hauptbahnhof: SPD will möglichst schnell Verkehrskonzept vorlegen

Sie möchte zudem insgesamt den Wohlfühlfaktor rund um den Hauptbahnhof erhöhen. Dietl schlägt ein innovatives Beleuchtungskonzept vor, ein Konzept für mehr Sauberkeit und mehr Grünflächen. Damit gerade für den letztgenannten Punkt überhaupt genug Platz zur Verfügung steht, will die SPD möglichst rasch ein Verkehrskonzept. Denn mit dem Umbau des Bahnhofs werde sich auch die Verkehrsführung ändern, somit entstünden neue Räume. „Da können wir nicht abwarten“, sagt Müller.

Ferner wollen die Genossen mehr kulturelle Angebote am Hauptbahnhof. „Es gibt eine Reihe von Anwohnern, die sich etwa beim Stadtgründungsfest oder bei der Langen Nacht der Musik beteiligen wollen“, sagt Klaus Peter Rupp. Zu guter Letzt fordert die Fraktion weniger Spielhallen im Bahnhofsviertel. Da allerdings muss das Land mithelfen. Vorländer: „Der Freistaat soll den Kommunen endlich wirkungsvolle Instrumente an die Hand geben.“ 

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