Nobelschlitten gegen Vorkasse - Jetzt sitzt Tony I. in Haft

Tony I. köderte mit seinen ­Rabatten auch prominente Käufer

München - Ein Autohändler aus dem Kreis Fürstenfeldbruck hat Luxuskarossen vergleichsweise günstig angeboten - allerdings nur gegen Vorkasse. Jetzt sitzt Tony I. im Knast - und die Münchner Schickeria wartet.

Wer kann da schon widerstehen: Für 30 Prozent unter dem Listenpreis der Hersteller hat ein Autohändler aus dem Kreis Fürstenfeldbruck Luxuskarossen angeboten. Einzige Bedingung: Geliefert wurde nur bei Vorauskasse. Doch das war der potenten Kundschaft egal. Sie stand Schlange bei Tony I. (39). Wo kriegt man denn einen 150 000-Euro-Porsche schon 45 000 Euro billiger! Doch jetzt ist es aus mit der Schnäppchenjagd: Tony I. sitzt seit August in Stadelheim in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Betrugs und verbotener Darlehensgeschäfte.

Die meistgestohlenen Autos 2010

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Derweil warten Hunderte Kunden – auch aus der Münchner und Salzburger Schickeria – noch auf ihre Autos. Nach tz-Informationen soll es dabei um 760 Fahrzeuge verschiedener Typen gehen, geschätzter Schaden: mindestens 28 Millionen Euro.

Ein solcher Flügeltür-Mercedes SLS stand auch auf der Verkaufsliste des Olchinger Händlers

Das Geschäft von Tony I. lief offensichtlich jahrelang reibungslos. Ein Sportwagen-Händler aus dem Münchner Umland berichtete der tz, er sei zunächst skeptisch gewesen, als er von den Rabatten hörte. Deshalb habe er Geschäfte anfangs lediglich vermittelt. Schließlich sei er aber auch selbst eingesteigen: „Ich hab’ in den vergangenen fünf Jahren bestimmt 800 Autos bei Tony gekauft. Alles lief problemlos – bis im August die Bombe platzte und ich hörte, dass er verhaftet wurde. Jetzt steh’ ich da und hab’ vier Millionen Euro im Feuer. Wenn die futsch sind, kann ich zumachen.“

Außer ihm, so der Händler, seien noch rund 40 andere Kauf­leute betroffen – in ganz Deutschland, aber auch in Österreich. Zwei davon hätten bereits Insolvenz anmelden müssen.

Viele der betroffenen Kollegen glauben, dass sie Opfer eines Schneeball-Systems geworden sind. Der Sportwagen-Händler hält diese Theorie für falsch: „Dann hätte er das doch nicht fünf Jahre gemacht, sondern er hätte im ersten halben Jahr fünf Millionen eingesammelt und wäre abgehauen …“

Fakt ist: Für die Händler waren nicht nur die günstigen Autos interessant, die Tony I. anbot, sondern auch seine Darlehensgeschäft. „Er bot monatlich 7,5 Prozent, und die hat er auch stets pünktlich ausbezahlt.“

Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsstrafsachen bei der Staatsanwaltschaft München II., wollte sich auf tz-Anfrage nicht zu Details des Falles äußern. Man stehe aber kurz vor dem Abschluss der Ermittlungen, teilte er mit.

Nach tz-Informationen soll ein Großteil der 28 Millionen auf Konten in der Schweiz gelandet sein. Der Sportwagen-Händler hofft deshalb, seine Gläubiger zumindest noch teilweise befriedigen zu können.

Woher Tony I. seine Wagen bezogen hatte, wie genau er das Geschäft mit den Riesen-Rabatten abwickeln konnte, ist noch unklar. Diese Fragen wird wohl das Gericht klären müssen.

Tony I. (39), der sein Millionengeschäft von einem Olchinger Bauernhof aus betrieb, erfüllte jeden Kundenwunsch. Der Autoeinkauf funktionierte bei ihm wie bei einem Vertragshändler: spezielle Farben, technische Extras – der Rumänien-Deutsche konnte alles liefern, wenn’s sein musste, sogar Hubschrauber und Kleinflugzeuge! Hier ein paar Beispiele aus seiner Rabatt­liste, die der tz vorliegt:

Rabatte bis zu 30 Prozent

Mercedes G-Modelle (auch mit AMG-Ausstattung). Listenpreis 90 000 bis 150 000 €, gewährter Rabatt 30 %.

Porsche Cayenne, Liste 100 000 €, 24 % Rabatt.

Porsche 911 Sportclassic (davon wurden nur 204 Stück gefertigt) Liste 215 000 €, 30 % Rabatt.

Mercedes SLS (Flügeltür), Liste 185 000 €, 15 % Rabatt.

Ferrari 458, Liste 230 000 €, 20 % Rabatt.

Audi Q5, Liste 50 000 bis 60 000 €, 30 % Rabatt.

BMW X6 und X5, Liste 80 000 bis 100 000 €, 30 % Rabatt.

Gehandelt wurden auch kleinere Fahrzeuge wie VW Polo, VW Fox oder der Audi A1. Angesichts der Rabatte konzentrierte sich das Geschäfte von Tony I. aber schließlich immer mehr auf Luxuskarossen.

Wolfgang de Ponte

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