Bildschirme bleiben aus

Immer mehr Kneipen kündigen Sky-Bundesliga-Abo

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Die Leinwand im Haidhauser Augustiner bleibt ab jetzt leer: Wirtin Melanie Schatz ist sauer auf Sky.

München - Spätestens seit der WM 2006 haben immer mehr Münchner Kneipen auch Bundesligaspiele übertragen. Mittlerweile aber kündigen Wirte reihenweise ihr Sky-Abo wegen ständig steigender Gebühren.

Das ­Substanz galt lange als eine der Fußball­-Adressen der Stadt. Bundesliga läuft hier jetzt nicht mehr.

Der Club Substanz hat nach eigenen Angaben nach einer Preissteigerung von 128 Prozent im Dezember kapituliert. Es ist von einer monatlichen Gebühr von über 1000 Euro die Rede. Jüngstes Opfer der Preispolitik: der Haidhauser Augustiner, der auch Ende November hingeschmissen hat. „Vor zwei Jahren haben wir für unsere 100 qm noch 250 Euro pro Monat gezahlt, letztes Jahr waren’s 600 Euro – und jetzt wären es 1000 Euro gewesen!“, sagt Wirtin Melanie Schatz. „Das ist irrsinnig!“

Die Wirtin ist sauer: „Hier haben Gäste andere Fans getroffen. Es geht ums gemeinsame Erleben. Sky daheim ist doch kein Ersatz.“ Denn das, so vermuten viele Wirte, sei die Taktik des Senders: „Offenbar will Sky seine Aktivitäten auf Privathaushalte beschränken“, sagt Substanz-Sprecher Amadeus Danesitz.

Wo sollen die Public-Viewing-Gäste hin? Allein in Haidhausen/Au und der Isarvorstadt haben innerhalb eines Jahres mindestens sechs Gaststätten ihr Sky-Abo gekündigt. Schuld ist die neue Preisstruktur 2013, die nach und nach alle Sky-Gaststätten trifft. „Sie bezieht neben der Raumgröße auch die Sportaffinität, die Kaufkraft und die Bevölkerungsdichte am Standort mit ein“, erklärt Alexandra Fexer vom Bezahlsender. So käme es vor, dass im ländlichen Raum Gebühren gesunken seien. Insgesamt seien die Preise aber allein seit September um 30 Prozent gestiegen. Vor allem auf Kosten der Münchner Wirte, deren Standort teurer nicht sein könnte.

Die Gaststätte Rumpler kündigte vor eineinhalb Jahren das Sky-Abo. Die Fußballkneipe Unhaltbar in der Baaderstraße hätte zuletzt laut Geschäftsführer Stefan Krammer 450 Euro für 40 Quadratmeter zahlen sollen. Vor einem Jahr gab Krammer auf. Für die 30 qm große Carlitos Minibar in der Au habe es zwei Erhöhungen in zwei Jahren gegeben, sagt Wirt Caius Prien. „Am Ende von 300 auf 340 Euro – da musste ich aufhören.“

Im Bergwolf ist seit September Schluss.

Die Currywurst-Kneipe Bergwolf in der Klenzestraße meldete schließlich im September: „Wir haben uns dazu entschlossen, nicht zuletzt auch unter solidarischen Aspekten, unser Sky-Abo ebenfalls zu kündigen. Die Preispolitik seitens des Senders ist nicht weiter tragbar und entbehrt jeder Verhältnismäßigkeit.“

Im Haderner Augustiner gibt‘s seit kurzem auch kein Sky mehr.

Aber nicht nur in diesen Vierteln greift das Public-Viewing-Sterben um sich: Der Haderner Augustiner etwa wollte die Gebühr von 775 Euro nicht tragen. „Wir übertragen nur neun Monate Fußball und zahlen zwölf Monate“, sagt Wirt Michael Glöckle. Wie es aussieht, werden andere Kneipen folgen. Alexander Forst, Chef vom Schoberwirt in der Au, sagt: „Wir zahlen jetzt 1000 Euro – noch eine Erhöhung machen wir nicht mit.“ Dieses Thema macht ihn wütend. „Als kleiner Gastronom hast du bei Sky nur die Wahl: Friss oder stirb! Das liegt aber auch an der DFL, die immer geldgieriger wird – und so dazu beiträgt, dass ein Stück Fußballkultur stirbt.“

Nina Bautz

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