Fußball-EM-2021

EM-Start vor der Tür: Wirt in Münchner Best-Lage trifft harte Entscheidung - „Bin kein Polizist“

So ein Public Viewing wie bei der letzten Fußballmeisterschaft wird es dieses Jahr im Park Café nicht geben.
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So ein Public Viewing wie bei der letzten Fußballmeisterschaft wird es dieses Jahr im Park Café nicht geben.

Die Fußball-EM-2021 steht vor der Tür. Doch wie steht es um Public-Viewing-Standorte in München? Ein Wirt hat jetzt eine strikte Entscheidung getroffen - trotz Best-Lage mitten in der Stadt.

München - Das gab es noch nie: Eine Fußball-Europameisterschaft mitten in der Pandemie. Für viele eine Herausforderung, denn etwa das beliebte Public Viewing im großen Stil ist nicht erlaubt. Biergärten und Gaststätten dürfen bei Einhaltung der geltenden Vorschriften die Spiele jedoch übertragen. Für Christian Lehner vom Park Café in München gehört das schon lange zur Tradition. Seit er das Haus übernommen hat, hat er jede WM und EM live übertragen. Doch dieses Jahr wird es das nicht geben. Im Gespräch mit tz.de erklärt er, wieso: „Entweder wir machen‘s gscheit, oder wir lassen‘s“.

Fußball-EM-2021: Münchner Wirt würde Tradition gern fortsetzen - Planungssicherheit fehlt

Schon nachdem Lehner das Haus 2006 übernommen hatte, stellten er und sein Team zehn Tage vor der WM alles auf die Beine, um ein Public Viewing mit großer Leinwand im Biergarten möglich zu machen. „Wenn wir was können, dann sind es große Events“, so Lehner. Es habe sogar über dem Urinal auf der Herrentoilette einen Bildschirm gegeben, damit „die Jungs auch dort nichts verpassen“.

Lehner erinnert sich immer noch gerne an das Fußballfinale 2014, bei dem Deutschland seinen vierten WM-Titel erlangte. „Da hab ich mir den Zeh gebrochen, weil mir ein Bierfass im Schankwagen draufgefallen ist. Es war so viel zu tun“, erzählt er. „Wenn ich das Spiel in der Wiederholung seh, lach ich mich kaputt und mich zwickts im Zeh“.

Seitdem gab es zu jedem Fußball-Nationalmannschafts-Turnier eine Live-Übertragung im Park Café. „An sich sind wir dieser Tradition natürlich verpflichtet und würden es auch gerne wieder machen“, so Lehner. Es sei dieses Jahr aber einfach nicht darstellbar. Ihm fehle die Planungssicherheit.

Münchner Wirt über Corona-Regeln beim Public Viewing: „Ich bin ja kein Polizist, ich bin Wirt“

Das Letzte, was er wolle, sei einfach nur ein 60-Zoll-Fernseher in den Biergarten zu stellen und „mit ner Plastikfolie einzuwickeln“. Da seien seine Gäste besseres gewohnt. „Entweder wir machen‘s gscheit, oder wir lassen‘s.“ In dieser kurzen Zeit sei das „gscheite“ einfach nicht realisierbar. Erst seit Montag darf die Gastronomie wieder zehn Leute an einem Tisch empfangen und länger als 22 Uhr geöffnet bleiben. Allerdings beginnt die Fußball-EM-2021 schon am 11. Juni.

Solche Szenen wird es im Park Café beim Public Viewing dieses Jahr nicht geben.

Dazu kommt das ganze Corona-Regelwerk, wobei zu viele Fragen ungeklärt seien, so Lehner. Fußball sei von Emotionen geprägt. „Das ist ja nicht in Worte zu fassen, wie die Leute da ausflippen“, sagt Lehner. Man feiert wild, pfeift den Schiedsrichter aus und fällt sich bei einem Tor um den Hals. Ohne Emotionen funktioniere Fußball nicht. „Ich kann ja nicht dazwischen gehen und die Gäste voneinander trennen, ich bin ja kein Polizist, ich bin Wirt“, ärgert sich Lehner.

Man könne die Leute nicht einfach darauf hinweisen sich wieder zu setzen und nicht so „herumzuschreien“, damit sich die Aerosole nicht so verbreiten. „Das ist völlig absurd“. Das hätte mit seinem Verständnis von Gastronomie dann überhaupt nichts mehr zu tun. Deshalb hat er sich entschieden, dieses Jahr auf eine Übertragung der Spiele zu verzichten. „Da braucht man niemand einen Vorwurf machen, so ist die Situation eben.“ (tkip)

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