Anhänger zynden Pyros

Angst vor Fans! Betreiber schließen Marktstandl

Des Guten zu viel: Fans zündeten auf dem Viktualienmarkt Leuchtraketen, 400 Polizisten waren im Einsatz.

München - Vor dem Regionalliga-Derby zwischen den kleinen Löwen und den kleinen Bayern ist es am Viktualienmarkt zu Krawallen gekommen. Standlbetreiber schlossen vorsichtshalber ihre Buden.

Feindschaft kennt keine Liga: Auch wenn im Grünwalder Stadion nur die Amateure des TSV 1860 und des FC Bayern aufeinander getroffen sind, stand das kleine Derby unter größter Rivalität. 12 500 Fans in der ausverkauften Kultstätte auf Giesings Höhen bildeten einen schönen äußeren Rahmen für ein Regionalliga-Spiel. Doch was sich im Vorfeld am Viktualienmarkt und rund ums Stadion abspielte, hatte mit Fußball nicht viel zu tun. Böller, Bengalos und Festnahmen. Der Report rund um den Münchner Hass-Gipfel:

Um kurz nach 17.30 Uhr kippt die Stimmung am Viktualienmarkt. Der Platz wird immer voller, Bierflaschen fliegen – und plötzlich geht sogar der Rauch auf! Bayern-Fans haben ein bengalisches Feuer angezündet. Inmitten der urigen Holzhütten! Markt-Sprecherin Elke Fett und ihre Kollegen haben Angst und alarmieren die Polizei, einige machen sogar ganz dicht (siehe Text unten). Im ganzen Stadtgebiet sind wegen des kleinen Derbys etwa 400 Beamte im Einsatz. Die Fan-Lager beider Teams standen wegen der Ausschreitungen im vergangenen Jahr bereits seit Wochen unter besonderer Beobachtung. „Die Stimmung war sehr aufgeheizt. Aber wir haben es geschafft, ein Aufeinandertreffen der Gruppierungen zu verhindern“, berichtet Polizeisprecher Werner Kraus kurz vor dem Anpfiff. Die Einsatztaktik war bis ins Detail geplant. Vor und nach dem Spiel wurden die grölenden Fans mit Polizeiketten getrennt – Bayern-Fans mussten in die eine Richtung marschieren, Löwen-Anhänger in die andere. Wie elektrisiert vom Hass-Duell schienen auch die Spieler zu sein. „Derby-Time – Mehr geht in München nicht!“, twitterte Bayern-Stürmer und Weltmeister-Bruder Tobias Schweinsteiger vor dem Abpfiff an die Fans. „Wir werden auf dem Rasen alles geben – und ihr werdet uns 90 Minuten nach vorne peitschen! Auf geht’s FCB!“

Aus Angst! Die Händler sperren Standl zu

Der Schreck steckt Jutta Pichl noch immer in den Gliedern. Ihr Schwammerl-Standl steht direkt neben dem Maibaum, wo sich der Fanpulk versammelte. „Hier waren so viele Menschen, dass ich gar nicht mehr aus meinem Standl rauskam“, sagt die Marktfrau. „Ich hatte Angst, dass sie mit ihren Raketen meinen Schirm abfackeln – aber man konnte nichts tun.“ Manche Standlbetreiber fürchteten sich so sehr vor der aufgeheizten Menge, dass sie ihre Buden schlossen! Elke Fett etwa, Sprecherin der Marktleute, sperrte ihr Duftschmankerl-Standl zu: „So etwas habe ich in meiner ganzen Marktzeit noch nie erlebt. Eine Rakete hat sogar mein Dach getroffen. Ich hatte richtig Angst.“

Die Bayern-Fans zündeten sogar zwischen den Standln bengalische.

Christine Freisinger und Elisabeth Seiler vom Stand Ludwig Freisinger: „Wir haben unsere Schirme zugemacht, als es losging. Mit unserem Geschäft war es natürlich erst mal vorbei.“ Die Überreste liegen noch unter dem Maibaum, ebenso unzählige kaputte Bierflaschen. Die Betreiber selbst haben zusammengekehrt. „Mir fehlen die Worte“, sagt Marianne Maier vom Obst- und Gemüsestandl Maier. „Das hat nichts mehr mit Fußball zu tun.“ Und es war nicht das erste Mal, dass sich Fans am Markt versammelt haben. Der Zorn vieler Marktleute richtet sich gegen die Stadt und die Großmarkthalle. Jutta Pichl: „Dieses Treffen war bestimmt angesagt – darüber hätte man uns informieren müssen.“

Die Blauen und ihre Wurzeln

Es ist ihre Heimat und erinnert an die glorreiche Zeit auf Giesings Höhen. Schon um 18 Uhr versammelten sich tausende Blaue am Candidplatz zu ihrem Pilgerzug zum Grünwalder Stadion. „Nach der tristen Kulisse in der sterilen Arena lechzen die Löwen-Fans nach einem ,Back to the roots‘-Erlebnis mit dreckigem, stimmungsvollem Fußball“, heißt es in einem Schreiben der „Freunde des Sechz’ger Stadions“. Auch hier brannten Bengalos – natürlich in der Farbe blau!

Alle aktuellen Infos zum Spiel erfahren Sie in unserem Live-Ticker.

C. Meyer, S. Arbinger, S. Dorner

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