Fußgänger und Radler zusammen: Kann nicht gehen!

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Kann das gutgehen? Die Stadt will die gemischte Fußgänger-Radl-Zone im Zentrum vergrößern – das sorgt für Streit

München - Autos raus, Radler rein! Das ist der Plan der Stadt für das Zentrum. Doch es gibt Streit um die Idee - nicht nur bei den Taxifahrern. Sorge gibt es auch um Radfahrer und Fußgänger.

Die Taxifahrer rasen, weil sie 14 Standplätze verlieren sollen. Die größte Sorge gilt aber den Fußgängern: Die sollen sich mit Radlern dieselbe Zone teilen – beide kommen aber schon heute kaum miteinander aus! Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat.

„Da gibt es große Risiken“, warnt etwa CSU-Fraktionsvize Hans Podiuk, „immer wieder beschweren sich Fußgänger, die von Radlern angefahren werden oder gerade noch ausweichen können.“

Auch die Polizei sieht das so. „Täglich kommt es zu vielen kleinen Konflikten zwischen Fußgängern und Fahrradfahrern. Beinahe-Zusammenstöße und gegenseitige Beschimpfungen sind an der Tagesordnung“, heißt es in dem Bericht an den Stadtrat. Das Kreisverwaltungsreferat stellt fest, dass die Schrittgeschwindigkeit derzeit nicht eingehalten werde. Nach der letzten Zählung von 2007 treffen am Tag 25 000 Fußgänger auf 8000 Radler, dazu kommen 400 Taxis und 170 Stadtbusse am Marienplatz.

Trotzdem will die Stadt nach dem neuen Plan die Mischung von Fußgängern und Radlern sogar ausdehnen: Künftig soll es zwischen Odeonsplatz und Rindermarkt eine einzige Fußgängerzone geben, die auch Radler benutzen dürfen, wenn sie Schritttempo fahren. Diener- und Schrammerstraße werden auto- und damit auch taxifrei. Zur Entspannung soll ein neuer Radl-Highway beitragen: Schnellstrampler sollen den Umweg über den Hofgarten durch die Sparkassenstraße zum Rindermarkt nehmen.

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Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC freut sich über den Plan, denn das Miteinander gelinge schon jetzt. „Das funktioniert nicht schlecht“, sagt Vize-Chef Martin Glas. Zwar gäbe es immer wieder Konflikte und Unfälle, die seien aber selten, gemessen am riesigen Andrang von Fußgängern und Radlern.

Den Optimismus teilen nicht einmal die Grünen, die längst an einem Gegenentwurf feilen. Verkehrsexperte Paul Bickelbacher fordert eine stärkere Trennung von Radlern und Fußgängern. Das Miteinander könne auf einer langen Strecke wie zwischen Odeonsplatz und Rindermarkt nicht funktionieren. „Irgendwann nimmt die Akzeptanz ab“, sagt Bickelbacher, der auch im Bundesvorstand des Fußgänger-Vereins FUSS sitzt.

Sein Vorschlag: In die breite Residenzstraße sollte auf die schaufensterlose Seite an der Residenz ein mindestens vier Meter breiter Radweg, der durch einen Mini- kommenBordstein klar von der Fußgängerzone abgegrenzt wird. Am Nadelöhr zur Dienerstraße sollten die Schnellradler über den Hofgraben zur Sparkassenstraße zum Radl-Highway abgeleitet werden. Diese Strecke dürften viel mehr Schnellstrampler nutzen als im städtischen Entwurf: Der Umweg ist viel kleiner als durch den Hofgarten!

Zwar sollen Radler auch weiter in die Dienerstraße fahren dürfen, ihnen will Bickelbacher aber klar vor Augen führen, dass sie sich eigentlich in einer Fußgängerzone befinden. Die Bordsteine müssten weg, dafür sollten immer mal wieder Abfalleimer oder Straßenlampen in den Weg gestellt werden. Nur ein neues Schild genüge nicht, um die Radler zu bremsen. Allerdings will die Stadt die Straßen für den zunächst einjährigen Versuch nicht umbauen.

David Costanzo

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