Fußgängerzone: Verliert München sein Gesicht?

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München hat die meisten einheimischen Läden aller Großstädte – noch

München - Gleich drei uralte Münchner Geschäfte stehen in diesen Tagen vor dem Aus. Die Nachfolger stehen schon bereit. Verändert die Fußgängerzone ihr Gesicht?

Die Modehäuser Hettlage und Maendler sperren zu, der Nymphenburger Porzellan-Laden ist in Gefahr: Gleich drei uralte Münchner Geschäfte stehen in diesen Tagen vor dem Aus – und mit den H&Ms, Zaras und Benettons dieser Welt stehen die Nachfolger schon bereit. Filialen statt Fachgeschäfte, Massenware statt Tradition. Sieht die Innenstadt bald aus wie jede andere – München als Allerweltsstadt? Verändert die Fußgängerzone ihr Gesicht?

Die Antwort lautet: Ja, das ist alles eine Frage des Geldes. In der Geschäftswelt dreht sich alles um Besitz, Miete und Profit. „München steht bei der Expansion weltweiter Unternehmen ganz oben auf der Liste“, sagt Sabine Schulz, Vermietungs-Chefin des Maklers Lührmann. Aber: Die Stadt verfügt immer noch über die meisten einheimischen Läden aller Großstädte der Republik.

Von der Entwicklung doppelt betroffen ist keine geringere Institution als der Wittelsbacher Ausgleichsfonds – Haus des bayerischen Adelsgeschlechts, Familie der Kaiser und Könige. Die Wittelsbacher sind Opfer und Antreiber.

Insgesamt stemmt sich die Stadt kräftig gegen den Trend. Nach einer Studie des Makler­unternehmens Lührmann ist etwa jedes zweite Geschäft in der Innenstadt noch in der Hand einheimischer Händler. Auch die Stadt vermietet ihre eigenen Immobilien vornehmlich an Münchner.

Aber auch in München geht der Trend zur „Filialisierung“. Seit 2006 stieg der Anteil der Konzerne um 7,5 Prozent. „Filialisten gehen gern in attraktive Städte“, sagt Vermietungs-Chefin Schulz – eigentlich ein gutes Zeichen. In München profitieren die Multis von Kaufkraft, Wohlfühlfaktor und den bis zu 14 000 Passanten pro Stunde in der Fußgängerzone. Darum zahlen sie Mondpreise von bis zu 350 Euro pro qm! „Filialisten wirken sich oft auch positiv aus“, sagt Schulz – etwa auf die Gebäude. „Auch das trägt zu unserem schönen Stadtbild bei.“

Hirmer

Seit Jahrzehnten prägt der Bau die Fußgängerzone, und seit Sommer 2007 stärkt Hirmer seinen Standort im Herzen der Stadt besonders. Erst wurde das Stammhaus in der Kaufingerstraße umgebaut. Und wenn der benachbarte Neubau der Münchner Bank steht, zieht die Verwaltung des nach eigenen Angaben größten Herrenausstatters in zwei Etagen am Frauenplatz. Weitere Verkaufsflächen entstehen in den Etagen über der Bankfiliale in der Augustinerstraße. Der Grundstein für den Neubau wird in zwei Wochen gelegt.

Sport Scheck

Sport Scheck hält sich nicht nur – sondern baut kräftig aus: 2013 zieht das Unternehmen aus dem Stammsitz in der Sendlinger Straße, in dem Gründer Otto Scheck 1946 aus Militärklamotten neue Wintersport-Kollektionen nähte. Dann geht es mitten in die Fußgängerzone in den Neubau des Karstadt am Dom, den die Baye­rische Hausbau hochzieht. Auf 10 000 Quadratmeter verdoppelt sich die Verkaufsfläche auf den vier Etagen. „Dieses Stammhaus wird Geschichte schreiben“, jubelte Geschäftsführer Stefan Herzog.

Hettlage

Das Traditionsgeschäft Hettlage macht in München dicht. Das Modehaus stammt zwar nicht ursprünglich aus München, residierte aber über 80 Jahre lang in der Stadt. Jetzt wollte Hettlage den Mietvertrag mit dem Freistaat nicht weiterführen, weil eine Verlängerung um zwölf Monate keine wirtschaftliche Perspektive versprochen hätte (tz berichtete). Das Finanzministerium will die Alte Akademie, einst das geistige Zentrum Bayerns, offenbar verkaufen. Auch der Freistaat mischt also bei der Entwicklung mit.

Modehaus Maendler

„Die Sache ist durch“, sagt Peter Jordan, Sprecher des Wittelsbacher Ausgleichsfonds. Der Institution ­gehört das Gebäude in der Theatinerstraße, in dem das Modehaus ­Maendler seit 1949 sitzt. Weder sei das Unternehmen auf den Ausgleichsfonds zugekommen – noch umgekehrt. Der Mietvertrag läuft einfach aus. Jetzt sei es zu spät. ­Maendler muss im April kommenden Jahres raus, die spanische Modekette Mango freut sich schon auf die neue Superfiliale – und zahlt dafür eine sehr viel höhere Miete.

David Costanzo

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