Protest in München

G7-Demonstranten als bezahlte Schauspieler entlarvt

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Fünf Demonstranten waren bezahlte Schauspieler.

München - Bei der großen Anti-G7-Demonstration am Donnerstag in München hat die Welthungerhilfe verkleidete Schauspieler auftreten lassen, ohne dies kenntlich zu machen.

Die fünf Akteure, darunter dunkelhäutige Frauen, waren als Sensenmänner verkleidet und hatten eine Gesichtshälfte als Totenkopf geschminkt - ein Symbol für den Hungertod und als Protest gegen die Ausbeutung von Kleinbauern in armen Ländern gedacht. Die Aktion der Welthungerhilfe wurde vielfach fotografiert und in Medien veröffentlicht. Wie das Internetportal „taz.de“ am Samstag berichtete, handelte es sich aber nicht um Demonstranten oder Aktivisten der Organisation, sondern um bezahlte Schauspieler.

Eine Sprecherin der Welthungerhilfe gab in der Online-Ausgabe der „Tageszeitung“ zu, dass dafür insgesamt 3000 Euro gezahlt wurden. „Tatsächlich ist es wirklich so, dass die Welthungerhilfe überhaupt keine Gelder verschwendet“, fügte sie hinzu. Der Lohn sei gerechtfertigt, weil es tagelanger Vorbereitung bedurft habe. Eine andere Sprecherin erklärte den Angaben zufolge, es sei schwer, mit einem Thema wie Hunger in die Öffentlichkeit zu gelangen.

In Pressemitteilungen und im Internet hatte die Welthungerhilfe vorher über die Aktion informiert. Dabei wird nirgends behauptet, dass es sich um Demonstranten oder eigene Aktivisten handelt - allerdings wird auch nicht deutlich gemacht, dass es bezahlte Darsteller waren.

Nach Angaben von „taz.de“ haben auch andere Nichtregierungsorganisationen für Aktionen bereits Schauspieler eingesetzt. Namentlich Campact räumte das im Artikel ein.

dpa

Demo zum G7-Gipfel: Ich protestiere, weil ...

Gabriele Schimmer-Göresz aus Osterberg (Bundesvorsitzende der ÖDP): "Ich möchte mit tausenden verantwortlich denkender Menschen ein Zeichen setzen. Wir können die Politik der G7 nicht gut heißen. Der Aufwand für den Gipfel ist völlig überzogen und für die größten Probleme der Weltgemeinschaft wird er keine Lösung bieten. Die Politik der G7-Staaten ebnet den Weg von einer neoliberalen zu einer neofeudalen Wirtschaftspolitik. Aufrüstung und Krieg, Ausgrenzung, Ausbeutung, Armut und Hunger, Umweltzerstörung und Abschottung gegenüber Flüchtenden gehen damit einher. Widerstand wird hier zur Pflicht. Fairhandel statt Freihandel!" © privat
Martin Glöckner aus München: "Ich demonstriere gemeinsam mit anderen Akteuren von Green City vor allem gegen die Politik von Angela Merkel, weil sie als selbsternannte "Klimakanzlerin" nichts Substantielles zum Klimaschutz beigetragen hat. Trotz großer Ziele sind die deutschen CO2-Ausstöße in den letzten Jahren gestiegen. Das muss sich ändern!" © privat
Anke Schmidt, Studentin, Passau: "In Indien wurde den Bauern vom Saatguthersteller Monsanto versprochen, dass sie viel billiger produzieren können. Alles gelogen! Ich möchte regionale Produkte, kein Monsanto." © Michael Westermann
Vivian Maria Knigge (63), Pastorin a.D. aus Flintsbach: "Wir werden entmündigt durch ein Freihandelsabkommen, das keiner möchte. Die Aktenberge zu TTIP werden von den EU-Abgeordneten doch gar nicht gelesen. Wenn TTIP wirksam wird, verklagen Konzerne Staaten auf Milliarden." © Michael Westermann
Heinz Staudacher (73), Ingenieur, Trudering: "Eine Riege von vorwiegend Männern, die sich einschließt und bestimmt, wo der Rest der Welt langzugehen hat. Das kann nicht in Ordnung sein. Das erinnert an die Kolonialzeit. Politiker müssen lernen, dass man bei Konflikten nicht immer die militärische Karte ziehen darf." © Westermann
Natascha Belger, Sozialpädagogin, Giesing: "Ich denke global, aber handle regional. Deshalb ist es mir wichtig zu wissen, was ich esse und woher es kommt. Niemand will genmanipuliertes Essen. Wenn TTIP kommt, fallen viele Kennzeichnungspflichten bei Lebensmitteln weg." © Michael Westermann
Johanna Martin (69), Rentnerin aus West-Schwabing: "Ich bin nicht für Putin, aber ich bin für Russland. Es gibt keinen Frieden mit Russland ohne Putin. Dieser sinnlose Gipfel ist ein Luxus, den wir zahlen müssen. Wir haben andere Probleme, die man mit diesem Geld lösen könnte." © Westermann
Monika Kepurra (63), Rentnerin, München: "Ich bin nicht gegen G7, sondern appelliere an die Politiker: Verhandelt öffentlich über TTIP. Lasst euch Zeit. Es entsteht der Eindruck, dass ein Gesetzeswerk erschaffen wird, das den Investorenschutz ausbaut und den Verbraucherschutz schwächt." © Michael Westermann
Christoph Söll (20), Elektriker aus Peiting: "Das Freihandelsabkommen trifft jeden, wenn das Wasser privatisiert wird. Wasser ist überlebenswichtig. Es ist eine schreckliche Vorstellung, dass wenige Konzerne alles Wasser besitzen. Das hat verheerende Folgen für Menschen in Entwicklungsländern." © Michael Westermann
Brook Mamo (60), Offizier, Ramersdorf: "Der äthiopische Ministerpräsident ist als Gast auf dem G7-Gipfel. Ein Diktator, der Journalisten inhaftiert, keine Opposition zulässt und Hunderte Menschen in politischer Gefangenschaft hat. Einen Diktator darf man nicht unterstützen, wie es die G7 tun. Wären die Menschen in Äthiopien frei, würden sie ihre Heimat nicht verlassen." © Michael Westermann
Katharina Schulze (MdL) aus München: "Die Klimakrise spitzt sich immer weiter zu. Ich möchte, dass auch noch nachfolgende Generationen gut auf dieser schönen Welt leben können. Dafür braucht es endlich konkrete Klimaschutzmaßnahmen und nicht immer nur unverbindliche Absichtserklärungen von Frau Merkel. Wir müssen beispielsweise raus aus der Kohle und hin zu 100 Prozent Erneuerbaren Energien. Dafür gehe ich am Donnerstag auf die Straße!" © Privat
Rainer Forster aus Kirchberg: "Mit Mülltrennung und meinem Einkaufsverhalten kann ich allein die Welt nicht retten. Wir brauchen mutige Entscheidungen zur weltweiten Armutsbekämpfung, für Umweltschutz und fairen Handel auf Augenhöhe. Noch bestimmt die Wirtschafts- und Finanzlobby den politischen Kurs maßgeblich - gemeinsam können wir das ändern!" © Privat
Walter Koppe aus Erding: "Gegen den G7 demonstriere ich, da die Politik der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, dass es nicht um die Interessen der Menschen geht, sondern im Gegenteil der Konzerne. Diese Politik hat die Menschen EU-weit gegeneinander ausgespielt. Auch TTIP & Co ist im Interesse der großen Konzerne und der Profiteure; der Profit der einen wird auch hier zulasten aller anderer gehen." © Privat
Renate Schiefer aus Puchheim: "Am Pfingstmontag war ich wandern und habe die unverschämte Machtdemonstration und Naturzerstörung in der Gegend um Elmau gesehen. Was besprechen die mächtigen 7, warum brauchen sie 20.000 Polizisten und Armeen von THW, um sich abzuschotten? Warum laden sie Russland aus? Warum verteufeln sie friedliche Demonstranten? Da stimmt was nicht. Die Partei Die Linke sagt es am klarsten: Wir wollen sauberes Essen, keinen Krieg, keine Armut und keine Naturzerstörung." © Privat
Christian Oberthür aus Wasserburg: "Der G7-Gipfel ist für mich ein exklusiver Club, der fern der Öffentlichkeit und völlig intransparent über wichtige Themen wie Klima, Armut und Freihandelsabkommen wie TTIP diskutiert. Ich finde aber, dass über diese Themen offen für alle und in einem größeren Rahmen gesprochen werden. Speziell TTIP sollte aber endlich beerdigt werden. Ich bin froh, dass mit der LINKEN eine verlässliche Kraft in den Parlamenten gibt, die sich immer wieder dagegen ausspricht und die Proteste unterstützt." © Privat
Marcel Gluschak aus Berlin: "Ich bin ein Panda und finde es schlimm, dass unsere Erde immer stärker vom Klimawandel bedroht wird. Könnt ihr Menschen bitte mal voran machen mit dem Klimaschutz? Vor allem die G7-Staatschefs in Elmau könnten jetzt ein Zeichen setzen. Keine Kohle für Kohle und eine globale Energiewende - das ist die Zukunft für uns alle!" © Privat

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