Konzertkritik

Gabalier in München: Unvergessliche Gaudi

Andreas Gabablier hat am Samstagabend in München am Königsplatz ein Konzert gegeben.

München - Als Andreas Gabalier am Samstagabend um kurz nach halb elf allein am Klavier sein letztes Liebeslied an die steierischen und bayerischen Madln ins Mikro haucht, lugt hinter den Münchner Antikensammlungen sogar der Mond hervor. Was für ein Wetterglück.

Das mit 22.000 Zuschauern bisher größte Konzert des selbst ernannten Volks-Rock’n’Rollers beginnt schon am Samstagnachmittag mit unerwarteter Sonne. Bereits dann verbreiten die Fans in Dirndl und Lederhose Oktoberfeststimmung, machen den Königsplatz und das Areal drumherum zur zweiten Wiesn. Kurz nach acht positioniert Gabalier seine strammen Wadln auf der Bühne, begrüßt „Minga“ und stimmt „Bayern, des samma mia“ an.

Das junge Partyvolk, gemischt mit älteren Musikantenstadl-Fans, ist sofort dabei. Doch es flippt zunächst nicht aus. Vielleicht, weil der 29-jährige Österreicher aus Graz noch alberner daherkommt als sonst und zum WM-Finale anbiedernd die deutsche Flagge (farblich verkehrt herum!) als Kotelettenverlängerung unter der rot-weiß-karierten Sonnenbrille und zusätzlich auf der Brust trägt. Vielleicht, weil er anfangs mehr Party als Musik machen und sich fast nur feiern lassen will.

Doch spätestens mit Einbruch der Dunkelheit entwickelt sich das Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis vor beeindruckender Kulisse. Mit viel Gaudi, klar. Jeder Menge Heimatliebe: „Einige Medien wollen mir in dieserGender-verseuchten Zeit verbieten, Dirndl zu sagen. Aber Ihr seid eben mal Dirndl und mir Buam, bei allem Respekt“, stellt Gabalier unter Jubel klar. Vor allem mit viel Gefühl punktet er. Gerade in den stillen Momenten kommt seine unverwechselbare Whiskeystimme im Lichtermeer besonders zum Tragen. Emotionaler Höhepunkt: „Amoi seg’ ma uns wieder“, ein Lied für seinen Vater und seine jüngere Schwester, die sich beide vor Jahren das Leben nahmen. Er bittet um Stille nach dem Song. Die meisten kapieren das auch.

Danach gibt Gabalier nochmals Gas, lässt die Männer ihre Frauen zu seinem Durchbruch-Hit auf Schultern tragen, bürgert die Münchner in die Steiermark ein und liegt schließlich ausgepowert, aber glücklich auf dem Bühnensteg. „Einer geht noch“, singen die Fans – und bekommen mehr als eine Zugabe, bis nach knapp drei Stunden beim letzten Liebeslied sogar der Mond vorbeischaut.

Von Marco Mach

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