Gaddafi schuldet diesem Münchner 22.000 Euro

+
Siegfried Rexroth mit einem Bild von Muammar Gaddafi, das er für den Sohn neu rahmen sollte

München/Tripolis - Der Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi schuldet einem Münchner Schreiner noch 22.000 Euro. Offenbar steht er bei weiteren Münchnern in der Kreide.

Die ganze Welt schaut auf die Ereignisse in Libyen, wo Diktator Muammar Gaddafi einen blutigen Bürgerkrieg gegen sein Volk anführt – und der jetzt mit Luftangriffen der NATO gestürzt werden soll. In München gibt es einen Möbelhändler und Schreiner, der die Ereignisse besonders aufmerksam verfolgt. Der Sohn des Diktators, Saif Al-Arab, hatte bei Siegfried Rexroth für 35 000 Euro exklusive Möbel bestellt, um die Wohnung seiner persönlichen Assistentin einzurichten. Über 22 000 Euro sind noch offen.

Saif Al-Arab, der 6. Sohn des milliardenschweren Gaddafi-Clans

„Ein Freund hatte mir den Auftrag vermittelt“, erinnert sich Rexroth an das Jahr 2007, als Gaddafi-Junior noch in München wohnte und auf die Dienste seiner Assistentin Suzanna Al M. setzte. „Es waren weiße Lackmöbel, ein weißes Stoff-Sofa, Leuchten, Teppiche und Dekorationen, viele Einzelanfertigungen wie eine Einbaugarderobe“, so Rexroth, der sich mit seinem Geschäft in Grünwald auf exklusive Inneneinrichtungen spezialisiert hat. Rexroth richtete die Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in der Adam-Riese-Straße ein, die gleich um die Ecke von der Villa des Gadaffi-Sohnes in Waldtrudering lag. Er stellte für mehrere hundert Euro Teppiche und Pinnwände nicht in Rechnung. „Da ist so üblich bei orientalischen Geschäftskunden, das nennt man Gastgeschenke“, so Rexroth. „Da die libysche Botschaft in Berlin die Kostenübernahme schriftlich mitteilte und auch Anzahlungen tätigte, dachte ich ansonsten nichts Böses.“

Bis Saif Al-Arab Gaddafi Ende 2007 seine Sekretärin feuerte, und niemand mehr den Rest der Rechnungen begleichen wollte. „Man sagte mir, ich könne die Möbel wieder abholen, sie werden nicht mehr gebraucht. Es seien ja Anzahlungen getätigt worden.“ Als Rexroth die Möbel abholen wollte, traute er seinen Augen nicht. „Der weiße Lack-Schreibtisch hatte Brandlöcher, aus den Polstern der Sofagarnitur habe ich Marihuana-Kippen gezogen. Die Möbel waren zum Großteil nicht mehr brauchbar. Die Einbauteile konnte ich sowieso nicht mehr mitnehmen.“

Rexroth rechnete, nach Abzug der Anzahlungen blieben noch 22 034,26 Euro an offenen Posten übrig. Doch die libysche Botschaft in Berlin wollte nicht mehr zahlen, selbst als Rexroth einen Vollstreckungstitel erwirkte, den er über die Deutsche Botschaft in Tripolis zustellen versuchte. „Das war nicht möglich, es fand sich niemand bei der Regierung, der den Empfang quittieren wollte.“ Den Gaddafi-Junior selbst konnte Rexroth nicht auf Zahlung verklagen. „Er genoss ja diplomatische Immunität.“ Und nun ist Saif al-Arab nach Paris geflohen, er bekommt in Deutschland keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Für Rexroth nicht gerade Anlass zur Hoffnung, dass er das Geld bekommt. Der ausstehende Betrag ist für ihn bitter: „Ich habe ein kleines Unternehmen, da fehlen 22 000 Euro schon sehr.“

Doch Rexroth will die Hoffnung nicht aufgeben, dass er die Schulden doch noch bezahlt bekommt. „Insgesamt soll es in München Verbindlichkeiten über 900 000 Euro geben, die der Gaddafi-Sohn hinterlassen hat.“ Es wäre schön, so der Einrichter, wenn sich die Gläubiger zusammen tun und den Druck erhöhen könnten. Rexroth: „Angesichts des märchenhaften Vermögens der Familie sind ja die 900 000 Euro ein Klacks.“

Siegfried Rexroth will sich mit anderen Geschädigten zusammentun. Unter www.domus-mobile.de können sie Kontakt zu ihm aufnehmen.

Johannes Welte

Blutige Proteste in Libyen

Blutige Proteste in Libyen

auch interessant

Kommentare