Gähnende Leere vor Residenz

Wo sind die Löwen?

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Das zweite Paar sucht man vergebens – und das wird sich auch ungefähr ein halbes Jahr nicht ändern.

München - Hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen: Derzeit können immer nur zwei Münchner zur gleichen Zeit die Bronze-Löwen vor der Residenz streicheln – was ja Glück bringen soll. Warum?

Zwei der Löwen vor der Residenz stehen noch zum Schnauzestreicheln und Glückbringen bereit.

Weil – hoffentlich haut es Sie nicht vom Sockel – zwei der Löwen ihre selbigen verlassen haben. Die anderen beiden erwischt es auch noch. Allerdings erst in rund sechs Monaten. Die schlechte Nachricht: Diese Löwen werden nie mehr vor der Residenz stehen. Die gute Nachricht: Sie erhalten sehr schmucken, identischen Ersatz. Und zwar als ganz neue Abgüsse. In rund einem Jahr strahlen also vier glänzende Tiere vor dem einstigen Herrschersitz um die Wette.

Jetzt heißt es erst mal: Ran an den Schmutz! Weil die Witterung den grünbronzenen Löwen zusetzt, hat die Bayerische Schlösserverwaltung das erste Paar zum Reinigen geschickt. Danach gibt’s Abgüsse, die dann wieder vor der Residenz thronen. Pro Paar ist rund ein halbes Jahr Arbeit veranschlagt.

Und was passiert mit den gereinigten Originalen? Die sollen in der Residenz in neuen Schauräumen zusammen mit anderen (Bronze-­)Skulpturen aufgestellt werden. Angedacht sind die jetzt leer stehenden Räume des Ägyptischen Staatsmuseums, das seine neue Heimat ja in der Gabelsbergerstraße bezieht.

Übrigens: Ursprünglich waren die Löwen Teil eines geplanten Grabmahls für Renata von Lothringen, der Gattin von Herzog Wilhelm V. – zusammen etwa mit einer Gottesmutter und dem knieenden Herzogspaar, das ein Kruzifix anbetet. Doch Wilhelm hatte kein Geld, dankte 1597 ab – und die bereits fertigen Werke wurden quer durch München verstreut: das Herrscherpaar in die Frauenkirche, die Gottesmutter auf die Mariensäule – und die vier Löwen vor die Residenz. Wo sie seit 1616 in ihrem kostbaren Bronzekleid sitzen. Wer die Originale bevorzugt: Ab voraussichtlich 2015 stehen sie in den neuen Museumsräumen.

Matthias Bieber

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