Gärtnerplatztheater schließt: Viele Fragen offen

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Das Gärtnerplatztheater schließt bis 2015

München - Im kommenden Jahr schließt das Staatstheater am Gärtnerplatz. Die bangen Fragen: Hat die ­Ballett-Truppe eine Zukunft? Und wie steht’s um Münchens Jazz?

Im kommenden Jahr schließt das Staatstheater am Gärtnerplatz, voraussichtlich bis 2015 wird in anderen Spielstätten gewirkt (unter anderem Cuvilliés- und Prinzregententheater). Die Sanierung kostet voraussichtlich rund 70 Millionen Euro und wird das Haus auf modernen Stand bringen. Damit einher geht, begleitet von Dissonanzen, das Ende der fünfjährigen Intendanz von Ulrich Peters. Mit ihm zieht der Ballettchef Hans Henning Paar, und auch die Jazz-Reihe des Hauses wird ruhen. Die bangen Fragen: Hat die ­Ballett-Truppe eine Zukunft? Und wie steht’s um Münchens Jazz?

Nach ungewöhnlich kurzer, nur fünfjähriger Amtszeit von Intendant Ulrich Peters und Tanzchef Hans Henning Paar kommen in der nächsten Saison Klagenfurts Intendant Josef Ernst Köpplinger und sein bisheriger Haus-Choreograf Alfred Karl Schreiner als neuer Tanzchef.

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Im Theaterbereich ist zwar ein Intendantenwechsel und damit ein Wechsel von Künstlern und Personal ein ganz normaler Vorgang. Jedoch: „Nach acht oder zehn Jahren völlig in Ordnung“, sagt Noch-Tanzchef Paar. „Aber in nur fünf Jahren kann man sich nicht voll verwirklichen.“

Die zunächst schmerzhafte frühzeitige Verabschiedung hat er inzwischen weggesteckt. Paar, der demnächst Gastaufträge an der Oper von Ankara, in Saigon und Hanoi ausführen wird, ist auch durch seine künftige Tanzleitung unter Ulrich Peters abgesichert. Peters wird Intendant in Münster.

Zur neuen Gärtnerplatz-Ära merkt Paar kritisch an: „Josef Köpplinger wird mit Gästen arbeiten, das Sänger-Ensemble wird aufgelöst. Zu den Umbaukosten kommen also noch die Abfindungen. Und es muss ein ganz neues Repertoire erarbeitet werden.“ Für Paar schon wirtschaftlich gesehen „eine vom Kunstministerium wenig durchdachte Geschichte“.

Das Tanzensemble bleibe zwar mit seinen 20 Tänzern erhalten: „Es wird aber nur noch zwei Tanzabende bekommen. Wir hatten immerhin pro Saison drei Premieren und zwei Wiederaufnahmen, dabei die Verpflichtung zu nur zwei Musical-Produktionen. Ab 2012/ 13 werden die Tänzer durchgehend Musical und Operette bedienen müssen, und zwar, wie es geplant ist, ensuite (stets hintereinander, d. Red.).“

Gekappt wird also die in Jahrzehnten hart erkämpfte Unabhängigkeit der Tanzensembles von Oper und Operette. Dabei können die Tänzer mühelos international mithalten. Nachfolger Schreiner wollte ja auch, wie man von Paar hört, zwei Drittel von dessen Tanzensemble übernehmen – aber nur die Hälfte bleibt.

Mithin wäre Paars Prognose nicht unrealistisch: dass wegen der Musical-Auflage junge, glänzend ausgebildete Tänzer kaum noch hier vortanzen werden. Sinkt das Niveau des Ensembles, könnte schnell (Sparzwang!) seine Abschaffung erwogen werden. Gerüchte dahingehend kursierten schon vor Jahren.

Malve Gradinger

Zwölf Jahre lang leitete der Trompeter Johannes Faber (59) seine Reihe Jazz im Gärtnerplatz. Am 31. Januar findet das 66. und letzte Konzert statt. Ein Aus- und Rückblick:

Herr Faber, sind Sie zufrieden mit dem Münchner Publikum?

Johannes Faber: Ich bin sehr zufrieden. Die Besucherzahlen sind zwar in den vergangenen Jahren etwas zurückgegangen, aber das lag daran, dass Jazzreihen aus dem Boden geschossen sind wie Pilze im Bayerischen Wald. Da wurde mein Konzept übernommen. Mich hat das gefreut, auch wenn es für meine Zahlen negativ war.

Wird Ihre Reihe an einem anderen Ort weitergehen?

Faber: Nein, ich habe bis jetzt keinen anderen Platz gefunden. Aber ich hoffe darauf, dass ich nach der ­Generalsanierung des Gärtnerplatz’ hier weitermachen kann.

Sie sprachen an, dass Jazzreihen boomen. Sehen Sie das nur positiv?

Faber: Die Quantität nimmt wahrscheinlich schon zu.

Höre ich da heraus, dass nicht unbedingt die Qualität steigt? Dass immer mehr unter dem Begriff Jazz läuft, das Ihnen eine negative Gänsehaut beschert?

Faber: Das können Sie so sagen. Mir wird der Jazz zu schul­mäßig. Mir fehlen da Herz und Seele.

Wird man Sie in München weiterhin oft hören?

Faber: Das muss absolut nicht sein. Ich lebe ein jazzfernes ­Leben und hab mich bewusst nach Italien zurückgezogen. Der Jazz ist längst nicht mehr so urban wie früher.

Liegt das am Internet?

Faber: Ja. Wenn man nicht gerade in New York lebt, wo die Szene noch pulst und es rundgeht, kann man auch ganz einfach aus seiner eigenen Seele schöpfen.

Interv.: Matthias Bieber

Abschlusskonzert: 31. Januar 2012, 20 Uhr, mit „johannes fabers consotrium“ im Gärtnerplatztheater. Tickets zu 20 Euro (erm. 8) unter Tel. 089/21 85 19 60 oder unter www.gaertnerplatztheater.de

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