Gärtnerplatztheater: 71 Millionen für Umbau

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Das Gärtnerplatztheater: knapp 71 Millionen Euro soll der Umbau kosten

München - Die teure Sanierung des Gärtnerplatztheaters ist am Mittwoch Thema im Haushaltsausschuss. Für die umfassende Renovierung von Münchens zweitem Opernhaus wurden 70,7 Millionen Euro veranschlagt.

Wer diese Sitzungsvorlage liest, traut sich danach fast kaum mehr über die Schwelle. Rund neunzig Prozent aller Grundleitungen sind undicht, die Elektroinstallationen sind veraltet, die Lüftungsanlage arbeitet nicht mehr nach heute üblichen hygienischen Bestimmungen, Brandschutzauflagen werden mehr schlecht als recht erfüllt. Und wer auf die Toilette will, erlebt manch, nun ja, übles Geruchswunder. Der Glamour der gerade neu inszenierten Fledermaus täuscht also: Das Münchner Gärtnerplatztheater ist ein totaler Sanierungsfall.

Über der Personaldebatte um Intendant Ulrich Peters und die Verpflichtung von Nachfolger Josef Ernst Köpplinger ist diese Problematik etwas verschütt gegangen. Doch Tatsache ist: Das Haus muss – drei Jahrzehnte nach der letzten Großsanierung – schließen. Auf jeden Fall für zwei Jahre, in weiteren zwölf Monaten ist ein eingeschränkter Betrieb möglich. Gespielt werden soll in dieser Phase unter anderem im Fröttmaninger Zelt, das derzeit das Deutsche Theater beherbergt, dazu auch im Prinzregenten- und im Cuvilliés-Theater.

Für die umfassende Renovierung von Münchens zweitem Opernhaus wurden 70,7 Millionen Euro veranschlagt. Das Bayerische Kabinett hat das Vorhaben schon abgenickt, am heutigen Mittwoch befasst sich der Haushaltsausschuss mit dem Fall. In diese knapp 71 Millionen Euro wurden dabei nicht nur die Renovierungsarbeiten hineingerechnet, sondern auch der Bau einer dringend notwendigen Probebühne im Theatergebäude sowie die Nutzung der Ausweichspielstätten. Darüber hinaus sollen Eingangshalle und Foyer neu gestaltet werden, an Klenze- und Reichenbachstraße werden zudem die verbarrikadierten Fenster wieder geöffnet: Architekturkosmetik für ein Schmuckstück.

„Es ist einfach Land unter am Gärtnerplatz“, sagt Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). Sollte eine Sanierung nicht baldmöglichst erfolgten, befürchtet er „erhebliche Turbulenzen“, schlimmstenfalls eine Zwangsschließung. Die Klagen über ein weiteres großes Kulturprojekt in der Landeshauptstadt, die manche Kommune in der Region äußert, will Heubisch nicht gelten lassen. Schließlich habe man zum Beispiel für 40 Millionen Euro das Schauspielhaus Nürnberg umgebaut. Im Übrigen wende der Freistaat pro Jahr 52 Millionen Euro für freiwillige kulturelle Leistungen auf. „Man sollte hier also nicht zwischen der regionalen Förderung und der Förderung Münchner Institutionen künstlich unterscheiden – zumal wir im Falle Gärtnerplatz ja auch noch Eigentümer der Immobilie sind“, sagt der Minister. Passiert das Sanierungsvorhaben die staatlichen Gremien nach Plan, könnte in der Spielzeit 2011/12 mit den Arbeiten begonnen werden. Und dass eine Auslagerung des Betriebs nicht den Theater-GAU bedeuten muss, haben Häuser andernorts gezeigt. Gefragt ist hier auch der künftige Intendant Köpplinger, von dem Maßgeschneidertes an ungewöhnlichen Orten erwartet wird: für das Gärtnerplatztheater, das immer um Anerkennung in der Rolle des zweiten Hauses ringt, wird der Umbau womöglich sogar eine große Chance.

Markus Thiel

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