Konzern stoppt Mietzahlungen

Galeria Karstadt Kaufhof in Schieflage - Experte schätzt Folgen für München ein

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Das große Traditionshaus am Stachus: Galeria Kaufhof ist aus Münchens Innenstadt nicht wegzudenken.

Der wankende Handelsriese Galeria Karstadt Kaufhof hat zum Rettungsschirm gegriffen. Welche Folgen hätte ein Aus des Warenkonzerns für München? Ein Experte schätzt die Lage ein.

  • In der Corona-Krise* ist der Handelsriese Galeria Karstadt Kaufhof unter den Rettungsschirm geschlüpft.
  • Droht München damit das Aus mehrerer großer Warenhäuser?
  • Das Unternehmen spricht von immensen Verlusten.

München - Es war ein Paukenschlag, wenn er auch vielleicht nicht ganz überraschend kam: Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof funkte am Mittwoch SOS. Der Handelsriese, erst vor Kurzem fusioniert, sucht Schutz unter einem Rettungsschirm. Könnte dies den Tod der Traditions-Einkaufshäuser in München bedeuten, das Ende der großen und kleineren Münchner Kaufhäuser, in denen sich die Bürger in der City und in einigen Stadtteilen seit Jahrzehnten versorgen?

Hat sich die über 100 Jahre alte Idee des Kaufhauses jetzt endgültig überlebt? Das fragte die tz den Sprecher des Handelsverbandes Bayern, Bernd Ohlmann. Der ist überzeugt davon, dass das nicht der Fall ist. „Wir brauchen die großen Kaufhäuser für die Innenstädte, das ist das Herz einer jeden bayerischen Kommune. Wo ein solches Kaufhaus steht, gibt es eine hohe Kundenfrequenz.“ Davon profitiere der gesamte Einzelhandel in der Umgebung.

Galeria Karstadt Kaufhof in Nöten: Handelsverband glaubt nicht an Ende der Kaufhäuser

Vertraut auf die Stärke der Handelsriesen: Bernd Ohlmann ist Sprecher des Handelsverbandes Bayern.

Ohlmann ist sich sicher, dass das Konzept „alles unter einem Dach“ auch die Corona-Krise überleben wird. „Schon vor Jahren wurde das Ende der Kaufhäuser prophezeit, das hat sich bislang immer als Irrtum herausgestellt.“ Ohlmann ist zuversichtlich: „Wenn die Corona-Schlacht geschlagen ist und sich der Rauch wieder verzogen hat, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass Galeria Karstadt Kaufhof noch immer dabei ist.“

Für den Warenhaus-Konzern kommt das Schutzschirmverfahren allerdings zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. „Die Restrukturierung der Warenhäuser war vor dieser Krise auf einem sehr guten Weg“, betonte Finanzvorstand Miguel Müllenbach. Der österreichische Immobilien-Investor René Benko, dessen Signa-Konzern 2014 zunächst Karstadt übernahm, hatte noch Anfang März die Fortschritte im Sanierungsprozess nach dem Zusammenschluss mit Galeria Kaufhof im Jahr 2018 gelobt. Der Stellenabbau sei praktisch abgeschlossen.

Galeria Karstadt Kaufhof: Kurzarbeit beantragt und Mietzahlungen gestoppt

Jetzt müssen auch die verbliebenen Mitarbeiter, in großen Häusern um die 500, in kleineren etwa 100, wieder um ihre Jobs bangen. Um die eigenen Kosten zu senken, hatte der Warenhaus-Konzern bereits vor Wochen für weite Teile der Belegschaft Kurzarbeit* beantragt. Die Mietzahlungen für alle Warenhäuser, Sporthäuser, Reisebüros und Logistikimmobilien wurden gestoppt.

Nach eigenen Angaben verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Schutzschirm.

Erst vor wenigen Wochen übernahm Galeria Karstadt Kaufhof einen bekannten Sportartikel-Anbieter. Derweil sorgt Adidas nach dem Eklat um nicht gezahlte Mietzahlungen für den nächsten Hammer. Die EU schnürt ein 100-Milliarden-Euro-Paket für Angestellte und Selbständige.

Die Corona-Krise und die damit einhergehenden Einschränkungen belasten die Menschen in München. Doch viele sorgen mit rührenden Aktionen für Hoffnung - so auch Lukas (9) aus Schwabing, der täglich seine Nachbarschaft begeistert.

Die Ausgangsbeschränkung wurde verlängert und Restaurants, Einzelhändler und Dienstleister müssen weiter ihre Läden geschlossen halten. Nun sind viele in Zeiten der Corona-Krise kreativ geworden und bieten Abholung- oder Lieferservice an. Auf der interaktiven Landkarte finden Sie alle Anbieter in Ihrer Region.

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Sebastian Hölzle/BW

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