Galgenfrist für Vario-Züge

Jetzt wird's eng für die neue Tram

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Es könnte so schön sein: Die Variobahn in ­Aktion. Leider ein ­seltenes Bild. ­Foto: Schlaf

München - Das Chaos um die neuen Münchner Vario-Trambahnen der Firma Stadler spitzt sich zu. MVG-Boss Herbert König ist stocksauer. Der Hersteller wehrt sich.

Zum 31.August läuft die befristete Zulassung für die Vario-Wagen der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) aus, eine Lösung für die technischen Schwierigkeiten ist aber offenbar in weiter Ferne. Das Problem sind immer noch Gummi­teile in der Federung der Räder. Diese bekamen Risse – und das hat jetzt Folgen.

Wegen der Schäden setzt die MVG einige der neuen Trambahnen nicht ein – es fehlen also Züge. MVG-Chef Herbert König: „Was wir mit den neuen Variobahnen von Stadler erleben, ist bisher ein Trauerspiel.“ In letzter Zeit kamen mehrfach Busse und Uralt-Trams zum Einsatz, um den Vario-Engpass zu entschärfen. Und bei der geplanten Fahrplanverdichtung im Herbst kann’s noch schwieriger werden. Im November sollen die Gleisbauarbeiten im Wesentlichen beendet sein. Dann könnten wieder viele Trambahnen fahren. Falls die MVG viele Trambahnen hätte…

Was aber tatsächlich Sache sein wird, ist derzeit noch nicht einzuschätzen. Wesentliche Frage: Wird die Variotram in München auch nach dem 31. August fahren dürfen? Heinrich Schuster von der zuständigen Regierung von Oberbayern sagt, eine Verlängerung der vorläufigen Zulassung sei „denkbar“ und werde „auf Grundlage von Untersuchungsergebnissen zu prüfen sein“. Diese Ergebnisse sollen Ende August vorliegen.

Was es bereits jetzt gibt, ist ein Gutachten, das Stadler vorlegte. Demnach könnte das Problem in der Mischung und Verarbeitung der Gummi-Elemete liegen. Stadler schlägt nun vor, zwei Variotrams zu Testfahrten mit neuen Gummiteilen zu bestücken.

Die MVG hat aber genug vom Ausprobieren. Ihre Forderung: Stadler muss die Schäden allein beheben! Die MVG selber kümmert sich derweil darum, die Uralt-Trams vom Typ P instand zu halten, um die Vario-Lücke zu füllen. MVG-Boss König: „Stadler bleibt gefordert, so schnell wie möglich für Abhilfe zu sorgen, damit die Züge endgültig zulassungsfähig und zuverlässig einsetzbar werden.“

Michael Daum, Geschäftsführer von Stadler Deutschland, wehrt sich gegen die Vorwürfe: „In anderen Städten fahren die Bahnen reibungslos trotz des Problems. Es steht für uns fest, dass das Problem in der Produktion und nicht bei uns liegt. Wir verstehen aber, dass die Situation für die Beteiligten unbefriedigend ist und werden die Teile in Zukunft austauschen. Wir werden uns Ende Juli mit den Parteien zusammensetzen. Der Schaden ist aber auf keinen Fall sicherheitsrelevant.“

Unabhängig davon ruft Fahrgastsprecher Andreas Nagel nach Konsequenzen: „Wir fordern, dass die Stadtwerke die Technik der MVG übernehmen. Die MVG sollte nur noch Fahrkarten verkaufen.“

Viel Ärger, viele Probleme. Und bald wird’s noch dicker kommen für die Münchner Pendler – dann ist die Variotram nämlich nicht die einzige Baustelle…

Baustelle 1: 3 neue Rolltreppen: Königsplatz komplett gesperrt

Reihum erneuert die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) heuer die Rolltreppen in neun U-Bahnhöfen: Während der Sommerferien ist nun der U2-Bahnhof am Königsplatz dran. Dort werden gleich drei Rolltreppen ausgetauscht.

Das bringt für Fahrgäste allerdings erhebliche Einschränkungen mit sich. Denn während der Zeit des Umbaus von 1. August bis einschließlich Freitag, 7. September, muss der Bahnhof aus Platz- und Sicherheitsgründen komplett gesperrt werden. Laut MVG wird zum Beispiel der komplette Bahnsteig als Lager- und Arbeitsfläche benötigt.

Das heißt auch: Die Züge der U2 passieren während der Umbauzeit den Bahnhof ohne Halt – und zwar in beiden Fahrtrichtungen. Fahrgäste, die zum Königsplatz wollen, empfiehlt die MVG, auf den StadtBus-Linie 100 umzusteigen. Die Busse verkehren tagsüber (7 bis 20 Uhr) zwischen Hauptbahnhof-Nord (Arnulfstraße), Königsplatz und Odeonsplatz im – teilweise verstärkten – Zehn-Minuten-Takt. Nächstgelegene Haltestellen weiterer Linien sind der Stiglmaierplatz und die Karlstraße.

Den Austausch von insgesamt 26 Rolltreppen lässt sich die MVG heuer 27,5 Millionen Euro kosten.

Baustelle 2: Neue Gleise auf der Tegernseer Landstraße

Wer die Tramlinien 15 und 25 zwischen Giesing und Grünwald nutzt, dem steht ab 1. August eine 16 Wochen lange Geduldsprobe bevor. Denn die Stadtwerke erneuern auf der Tegernseer Landstraße im rund 500 Meter langen Abschnitt zwischen St.-Bonifatius-Straße und Silberhornstraße die Trambahngleise.

Für die Tram werden zwar Busse eingesetzt, trotzdem wird es wohl zu erheblichen Beinträchtigungen kommen.

Dass die Baumaßnahmen (voraussichtlich) bis 23. November dauern, liegt vor allem daran, dass die Stadtwerke mit der Gleiserneuerung auch gleich Schäden im U-Bahnhof Silberhornstraße beseitigen. Dort wurde festgestellt, dass Wasser eindringt. Um das Problem zu lösen, muss nun eine – direkt unter den Trambahngleisen verlaufende – 18 Meter lange Deckenfuge saniert werden. Geschätzte Kosten: rund 2,2 Millionen Euro.

Florian Fussek

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