9/11-Gedenkfeier: Ganz München im Zeichen des Friedens

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Am kommenden Wochenende in München: Bundespräsident Christian Wulff.

München - Am kommenden Sonntag jährt sich das Unbegreifliche zum zehnten Mal: Um 8.46 Uhr, New Yorker Ortszeit, rasten am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Centers.

Wenig später kollabierten die beiden Gebäude. In Erinnerung an den Terrorangriff und die Tausenden Opfer findet in München die größte europäische Gedenkfeier statt. Beginn ist um 14.46 Uhr auf dem Marstallplatz – zur selben Uhrzeit fanden die Anschläge auf die Türme vor zehn Jahren statt (Zeitverschiebung eingerechnet).

Mit einer aufwändigen Klanginstallation wird die griechische Künstlerin Konstantia Gourzi das Zusammenleben vor und nach den Terroranschlägen aufgreifen. Zur Gedenkfeier solll auch eine Live-Schaltung zur Veranstaltung am „Ground Zero“ in New York gehören.

Das Erzbistum München und Freising veranstaltet die Feier zusammen mit der Gemeinschaft Sant’Egidio – das ist ein anerkannter Verein von Gläubigen in Rom, der sich seit 1968 für Kinder und Arme engagiert und das Gespräch zwischen den Religionen fördert. Gemeinsam wollen sie am zehnten Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 ein „neues Jahrzehnt des Dialogs“ beginnen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagt vor der Veranstaltung: „Dass Menschen zu einem friedlichen Miteinander fähig sind, ist die Hoffnung und Überzeugung der Religionen.“

Neben hochrangigen Vertretern der großen Weltreligionen nimmt auch der deutsche Bundespräsident Christian Wulff teil.

Nach der Gedenkfeier beginnt um 16.30 Uhr im Herkulessaal der Münchner Residenz das zweitägige Internationale Friedenstreffen. „Das Friedenstreffen ist ein Forum, auf dem ein internationales Netzwerk für ein friedliches Miteinander geknüpft wird“, so Marx. Unter dem Leitwort „Zusammen leben –unsere Bestimmung“ werden Tausende Besucher aus aller Welt erwartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reisen als Redner von zwei der 40 Podiumsveranstaltungen nach München.

Generalsekretär Cesare Zucconi von Sant’Egidio: „Die Zahl und Bedeutung der Teilnehmer bringen den Wunsch nach Dialog zum Ausdruck. Sie macht Hoffnung, dass wir einen ersten Schritt in ein solches neues Jahrzehnt des Dialogs getan haben.“

Wie ein Blitzschlag

Traudl Rieger

Ich weiß nicht mehr, was ich getan habe oder wie ich von der Tragödie erfahren habe. Als das Ausmaß bekannt wurde, traf es mich wie ein Blitzschlag. Ich habe schon viele schrecklichen Erlebnisse mitbekommen, wie etwa Hiroshima. Aber dass Menschen ihr eigenes Leben und das so vieler Menschen in ihrem Wahn opfern, erschüttert mich zutiefst. Solche Bilder vergisst niemand so schnell.

Traudl Rieger (88), Rentnerin aus München

Mitgefühl mit Kollegen

Max Berthold

Als ich davon erfuhr, ging man noch ­davon aus, dass ein Kleinflugzeug in den Tower gestürzt ist. Ich nahm’s also erst nicht so ernst. Als dann die Hintergründe des Terroraktes bekannt wurden, dachte ich sofort an die Rettungskräfte in den USA, die versuchen, Menschen zu retten und in diesem Chaos den Durchblick ­behalten müssen.

Max Berthold (55), ehrenamtlich beim THW, Vermessungsingenieur aus München

Unwirklich wie im Film

Markus Buchner (li.) und Sebastian Zöllner

Eigentlich wollte ich mich aufs Sofa legen und einen Film anschauen. Doch dann sah ich die schrecklichen Bilder von den brennenden Türmen. Es war alles so unwirklich – fast wie im Film. Als Kind verstand ich damals auch noch nicht, was da passiert ist. In der Familie haben wir stundenlang die Berichterstattung verfolgt.

Markus Buchner (18), Azubi zum Rettungsassistenten aus München mit seinem Kollegen Sebastian Zöller (20), Krankenpflegeschüler,

Ich sah es am Abend

Peter Happach

Ich war den ganzen Tag bei der Arbeit und hatte von alledem nichts mitbekommen. Später ging ich ins Fitnessstudio. Da standen alle betreten in Gruppen zusammen und redeten darüber – für die Geräte interessierte sich niemand. Ich dachte zuerst, das solle ein schlechter Scherz sein. Daheim im Fernsehen sah ich dann, was alles passiert war.

Peter Happach (59), Versicherungskaufmann aus München

Christina Lewinsky

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