Der ganz normale Personal-Wahnsinn

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Justizwachtmeister im Einsatz.

München - Mittlerweile ist es schon Alltag im Strafjustizzentrum an der Nymphenbuger Straße: Prozesse können nur mit Riesen-Verspätung stattfinden, weil es an Wachtmeistern fehlt. Am Dienstag der GAU:

Es traf gleich fünf Strafkammern! Und hoch bezahlte Anwälte, Sachverständige, Richter sowie Staatsanwälte verplemperten ihre Zeit… Schon seit Jahren knapst die Justiz beim Personal. Dabei haben die Wachtmeister immer mehr Aufgaben zu bewältigen. Sie müssen vor allem für Sicherheit sorgen, darauf achten, dass niemand mit einer Waffe das Gebäude betritt. Für den Vorführdienst (Beamte, die Gefangene in den Saal bringen) fehlt es an Leuten.

So begann der Prozess gegen Sex-Verbrecher Jurij N. (32), der in Poing eine 69-jährige Rentnerin vergewaltigt hatte, erst mit vierstündiger Verspätung. „Ich möchte nicht wissen, was alleine die Sachverständigen an Geld kosten“, ärgert sich der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann. „Wir Richter kosten ja angeblich nichts.“

Richterin Susanne Hemmerich ging persönlich zu ihrem Angeklagten in den Keller: „Ein Justizbeamter erbarmte sich und opferte seine Pause. Er hatte aber nur 20 Minuten Zeit, dann musste er zu einer Urteilsverkündung. Ich musste die Zeugen wieder wegschicken.“ Hemmerich: „Unverantwortlich, das lässt sich mit dem Beschleunigungs-Gebot in Haftsachen nicht vereinbaren.“

Amtsgerichts-Präsident Gerhard Zierl brennt das Problem schon lange auf den Nägeln: „Ich habe die Leute nur einmal, ich kann sie nicht klonen.“ Immerhin will das Ministerium jetzt mehr Wachtmeister einstellen, aber das dauert. Zierl: „Wir werden weiter Durststrecken haben.“

E. Unfried

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