Gas-Gefahr! Wieder zwei Verletzte

München - Nach dem tödlichen Kohlenmonoxid-Drama in Freising hat es erneut einen Unfall mit dem gefährlichen Atemgift gegeben. Die Feuerwehr erklärt die tödliche Attacke.

Zuerst fühlten sie sich nur ein bisschen unwohl, doch da war es schon fast zu spät. Nach dem tödlichen Kohlenmonoxid-Drama in Freising gab es am Sonntag erneut einen Unfall mit dem gefährlichen Atemgift.

Zwei Tote in Freisinger Wohnung: Bilder vom Unglücksort

Vergiftung! Zwei Tote in Freisinger Wohnung

Diesmal entgingen ein 49-Jähriger und seine elfjährige Tochter nur um Haaresbreite einer weiteren Tragödie. Schuld daran: Ein handelsüblicher gasbetriebener Durchlauferhitzer. Weil Vater und Tochter warmes Wasser brauchten, schalteten sie das Gerät ein. Was die beiden nicht beachteten: Der Durchlauferhitzer setzt im Betrieb eine beträchtliche Menge Kohlenmonoxid frei und entlüftet direkt in den Raum. Ohne ausreichende Luftzirkulation, etwa durch offene Fenster, kann es so schnell zu einer gefährlichen Konzentration des Atemgifts kommen. Doch die beiden hatten Glück: Weil sie die Symptome rechtzeitig bemerkten, konnten sie mit einer leichten Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung ins Krankenhaus gebracht werden.

Doch was macht das Gas mit dem unscheinbaren Namen so gefährlich? Dieter Welle von der Münchner Feuerwehr weiß, wie tückisch das Gift ist: „Vom Menschen ist Kohlenmonoxid überhaupt nicht wahrzunehmen. Wir können es weder riechen noch sehen oder schmecken. Und wer die ersten Symptome am eigenen Leib bemerkt, für den ist es oft schon zu spät.“ Zwar ist die individuelle Toleranz bis zur tödlichen Dosis von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Meist werden aber schon innerhalb weniger Minuten, lebensgefährliche Mengen aufgenommen.

Verantwortlich dafür ist eine ganz spezielle Fähigkeit des Kohlenmonoxids: Es kann sich 300- bis 400-mal besser an rote Blutkörperchen binden als Sauerstoff. So blockiert das Gift die Transportwege für das lebenswichtige Gas. „Typische Schädigungen betreffen deshalb vor allem das Gehirn und das Herz, die nicht mehr ausreichend versorgt werden können“, erklärt Experte Welle.

Symptome einer leichten Vergiftung werden oft nicht richtig zugeordnet. „Opfer klagen zu Beginn meist über grippeähnliche Beschwerden: etwa Kopfschmerzen oder Schwindel. Bei fortschreitender Vergiftung kommen dann Verwirrung, Bewusstlosigkeit und schwere Hirnschäden hinzu.“ Jährlich sterben weltweit so über 1 500 Menschen, weitere 10 000 erkranken schwer. „Da muss nicht einmal Eigenverschulden im Spiel sein. Häufige Gründe für eine Kohlenmonoxidvergiftung sind etwa unentdeckte Durchbrüche im Kamin oder andere defekte Heizquellen.“

Glück im Unglück hatten der Vater und seine Tochter: Sie sind wohlauf und konnten das Krankenhaus bereits nach wenigen Stunden verlassen. Ein bitterer Beigeschmack bleibt: Der 49-Jährige hätte es eigentlich besser wissen müssen. Er ist von Beruf Elektro- und Gasinstallateur und hat deshalb häufig mit ähnlichen Geräten zu tun.

CHL

Rubriklistenbild: © dpa

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