1. tz
  2. München
  3. Stadt

Energiekrise wird spürbar: Erste Wohnanlagen sperren Warmwasser für Mieter - bald auch in München?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Leonie Hudelmaier, Martin Becker

Kommentare

Bei der Wohnungssuche im „Corona-Lockdown“ gelten besondere Regeln.
Müssen Münchner Mieter schon bald ihr Warmwasser rationieren? © picture alliance / Tobias Hase/dpa

Die Energiekrise trifft Deutschland mit aller Härte. Mancherorts wird bereits Warmwasser rationiert und auch in Bayern macht man sich Gedanken, wie man Strom und Gas drosseln kann.

München/Dresden - Jetzt ist es so weit: Die erste Wohnungsgenossenschaft führt Zeiten für das Warmwasser ein. Mieter in Bayern können aber noch einmal ausatmen – dabei handelt es sich um einen Wohnkomplex von 600 Wohnungen in Sachsen.

Wie es in einem Aushang der Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde heißt, werden wegen der hohen Gas- und Strompreise die Betriebszeiten für Heizung und Warmwasser angepasst. Demnach wird die Heizung bis September komplett ausgeschaltet. Warmes Wasser wird künftig beschränkt. Heiß duschen ist künftig nur noch von 4 Uhr bis 8 Uhr sowie von 11 Uhr bis 13 Uhr möglich. Am Abend ist heißes Wasser dann nur noch von 16 beziehungsweise 17 Uhr bis 21 Uhr verfügbar. Wenn das passiert, sollten Mieter einen kühlen Kopf bewahren und richtig reagieren. „Grundsätzlich haben Mieter ein Recht auf 24 Stunden Warmwasser am Tag“, sagt Angelika Brautmeier, Geschäftsführerin im DMB-Mieterverein Stuttgart, im Gespräch mit BW24.

Das sächsische Beispiel ist kein Einzelfall. Auch in Hamburg könnte bei einer Gas-Notfallstufe warmes Wasser rationiert werden, wie Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) bereits ankündigte.

Bayern: In Kommunen wird geprüft, wo sich Gas einsparen lässt - Eisstadien gefährdet

Das bayerische Wirtschaftsministerium bewertet die Lage anders. Selbst wenn die Notfallstufe ausgerufen werde, müsse „niemand in seiner Wohnung frieren oder nur noch kalt duschen“, sagt eine Sprecherin. „Das ist aktuell kein Thema bei uns“, hieß es auch von einem Sprecher der GWG Städtischen Wohnungsgesellschaft München. Noch geht es um Freiwilligkeit. Bernd Buckenhofer, Vorstand des Bayerischen Städtetages, regt „eigenverantwortliches Handeln“ an.

In den Kommunen wird bereits geprüft, an welchen Stellen sich Gas einsparen lässt. So werden in Bad Tölz etwa winterliche Aktivitäten eingeschränkt. Kürzlich wurde ein Eishockeycamp gestrichen, das in den Pfingstferien hätte stattfinden sollen, auch der Sommerbetrieb im Eisstadion fällt aus. Saunagänge sind dort montags und mittwochs nicht mehr möglich.

Auch in der Landeshauptstadt könnte es die Eisläufer treffen. Die Planungen für den Herbst-/Winterbetrieb im Prinzregentenstadion beginnen im Herbst. Dann, so die Stadtwerke, „wird auch die aktuelle Lage berücksichtigt“.

(Übrigens: Unser Bayern-Newsletter informiert Sie über alle wichtigen Geschichten aus dem Freistaat. Melden Sie sich hier an.)

Bayerns Antwort auf die Energiekrise: Kältere Schwimmbäder sind nur der Anfang

Die Stadt München hat in ihren Freibädern die Temperatur bereits auf 22 Grad gesenkt. Noch kühler geht es in Grafrath (Landkreis Fürstenfeldbruck). Dort kündigte Bürgermeister Markus Kennerknecht an, dass es kein 20 Grad warmes Schwimmbecken mehr geben werde. Auch Nutzer der Turnhalle trifft es künftig: „Wir werden die Halle nicht mehr bis Mitternacht beleuchten können.“

Umstritten: Heizkraftwerk Nord in Unterföhring.
Heizkraftwerk Nord in Unterföhring im Norden von München. © Marcus Schlaf

Gespart wird auf vielen Wegen. Es gibt Gemeinden, die Straßenbeleuchtungen dimmen oder Ampeln abschalten. In München ist die für Herbst geplante Umstellung des Kohleblocks im Heizkraftwerk Nord auf Erdgas verschoben worden. Außerdem reaktivieren die Stadtwerke (SWM) zwei Ölbrenner und bauen die Geothermie aus.

Gas, Strom und Öl werden immer teurer. Für viele Mieter und Eigenheim-Besitzer ist das eine Katastrophe. Das kann man tun, um die Kosten zu senken. (mbe, lhud)

Warmwasser rationieren: Stimmen Sie mit ab.

Auch interessant

Kommentare