Gastbeitrag

Ex-Tramfahrer erzählt: Es gab auch schöne Momente

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Helmut R. spricht in seinem Gastbeitrag über seinen früheren Beruf als Trambahnfahrer.  Er möchte nicht erkannt werden, daher zeigen wir ihn nicht vollständig und haben seinen Namen geändert.

Helmut R.* war sehr lange in München als Tram- und Busfahrer unterwegs. Im vierten Teil und letzten unserer Gastbeitrags-Serie erinnert er sich an die schönen Seiten dieses Berufs.

Straßenbahnfahren als solches, das ist schön! Wenn man eine Tram fährt, wird man von so vielen Menschen beneidet. Einige Fahrgäste haben mir in der Zeit als Fahrer den Tag beziehungsweise die Nacht versüßt.

Weihnachten und Silvester mit den Fahrgästen

Vor Weihnachten haben sich mal zwei ältere Damen bei mir bedankt, weil ich auch an den Feiertagen arbeite. Eine hat mir eine Kerze in Form eines Engels geschenkt. Der steht bei mir noch heute im Flur auf der Garderobe. Es ist gut zu wissen, dass es gerade an Weihnachten Menschen gibt, die auch an andere denken. 

Silvester 2010/2011 musste ich Nachtlinie fahren. Kurz vor Mitternacht sind zwei Leute eingestiegen. Als es 0 Uhr wurde, haben die richtig angefangen zu feiern. Die haben gesungen und mir ein frohes neues Jahr gewünscht – das sind die schönen Momente. 

Ich bin immer gerne zum Jahreswechsel gefahren. Anhalten durfte ich leider nicht, ich bin dann aber immer langsam gefahren und habe die Knallerei genossen. Alkohol war und ist absolut tabu.

Das ist Münchens schönste Tram-Strecke

Im Frühling, wenn das Wetter herrlich ist, dann fährt es sich am schönsten. Alles beginnt zu sprießen, die Bäume werden grün – da draußen unterwegs zu sein, das hat schon was. 

Die schönste Tram-Strecke in München ist die mit der 25er-Tram nach Grünwald raus. Da fährt man einen Großteil alleine ohne andere Autos. Da konnte ich immer entspannt fahren und hin und wieder einen Blick auf die tollen Häuser werfen. 

Nachts zu fahren, macht übrigens wesentlich mehr Spaß als tagsüber im Berufsverkehr – wenn man eine Eule ist und keine Lerche.

Trambahnfahrer verhindern Unfälle – jeden Tag

Natürlich ist man immer negativ in den Schlagzeilen, wenn ein Unfall passiert. Doch ganz oft verhindern wir Fahrer Unfälle, bevor sie passieren können. 

Einmal war an der Haltestelle gerade Fahrgastwechsel, als eine ältere Dame vor der Tram über die Straße ging. Als ich die Türe zumache und losfahren will, fällt mir auf: Moment mal, wo ist die alte Dame hin? Auf der anderen Straßenseite war sie nicht, in den Zug ist sie auch nicht eingestiegen. Ich bin dann aufgestanden und sie lag vor mir auf den Gleisen – offenbar ist sie gestolpert. 

Sie glauben nicht, wie viele Unfälle durch Straßenbahn- und Busfahrer tagtäglich verhindert werden. 

Wenn Sie mal ein, zwei Tage mitfahren dürften, und sehen würden, wie viele Regelverstöße Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer begehen...

*Dies ist ein Gastbeitrag von Helmut R. (52, Name und Alter von der Redaktion geändert); protokolliert von Vanessa Fonth


Im ersten Teil der Serie ermahnt der Trambahnfahrer Helmut R. die verwöhnten Münchner Fahrgäste

Der ehemalige Trambahnfahrer erklärt im zweiten Teil, warum er seinen Job an den Nagel gehängt hat

Im dritten Teil der Serie geht es um Unfälle. Helmut R., erzählt, warum die Angst beim Trambahnfahren immer mitfährt


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Dieser Gastbeitrag könnte Sie besonders interessieren: Verspätungen, Störungen, Sperrungen in Münchens Nahverkehr - eine unwürdige Situation für eine Großstadt, schreibt die Aktion Münchner Fahrgäste in ihrem offenen Brief.

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