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Gastbeitrag eines Münchners

Wir lokalen Buchhändler lassen uns von Amazon nicht kaputt machen

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Der Münchner Buchhändler Thomas Felber sagt: „Wir kennen und lieben unsere Kunden, Amazon nur Ihre Daten.“ 

Thomas Felber ist Buchhändler in München und hat eine Mission: sich die Kunden nicht von Amazon wegschnappen zu lassen. Wie das gelingt und warum er sich einen Spaß daraus macht, Amazon-Pakete für Nachbarn anzunehmen, schreibt er im Gastbeitrag.  

„Wir kennen und lieben unsere Kunden, Amazon nur Ihre Daten“: Dieser Satz leitet ein handgeschriebenes DinA4-Blatt ein, das in allen unserer drei Stützpunkte im Schaufenster klebt. Darin geht es hauptsächlich um Aufklärung über Preisbindung in Deutschland und folgernd um die Sinnlosigkeit, bei Amazon neue Bücher zu kaufen. Und der Schlusssatz lautet, man solle bitte darüber nachdenken, wo man einkauft, denn sonst stirbt der Einzelhandel in den Stadtteilen. Und das würde ein langweiliges Stadtbild ergeben. 

Dieser Zettel kursierte in allen großen Tageszeitungen Deutschlands und hatte ein großes positives, aber auch kritisches Echo. Man habe wohl den Anschluss verpasst, man sei wohl zu alt und rückständig usw. Wir haben als „David“ gegen Amazon zu kämpfen begonnen, halten diesen Kampf aufrecht und werden, soweit es uns gelingt, nie aufgeben und vielleicht auch eines Tages siegen. Einfach nur Regale befüllen, morgens die Tür zu öffnen und zu warten, bis jemand sein Geld im Laden lässt, dies genügt heute nicht mehr.

(Verbreiten Sie den Zettel, der am Schaufenster hängt, auf Facebook!)

Noch vor zwei Jahren haben wir die Annahme von Amazon-Paketen verweigert, inzwischen macht es mir eine Freude, die Kunden kennen zu lernen, die ihre Sendungen bei uns im Laden abholen müssen. Für mich ein Pluspunkt, kriege ich doch den neuen Nachbarn hier im Laden zu fassen, halte keine großen Vorträge - mache jedoch aufmerksam, dass wir, falls er mal was bestellen möchte, schneller sind als Jeff Bezos und außerdem könnten wir lächeln und machen das auch gerne. Unschlagbar muss der Einzelhandel sein, unschlagbar in ehrlicher Freundlichkeit, mit offenen Augen und Ohren für alle Themen des Alltags, bedingungslos serviceorientiert, informiert und neugierig, kinderkompatibel und als Hundeflüsterer würde man alles toppen.

Wir als Buchhändler haben einen großen, kulturellen Auftrag. Wir verkaufen gedrucktes Papier mit wahren und unwahren Inhalten, wir empfehlen Geschichten und Romane, die wir gerne gelesen haben, ab und zu begeht man philosophische Ausflüge mit den Kunden.

Ungefähr 20 Lesungen finden im Jahr in unseren Räumen statt, das bindet unsere Kunden und bei jeder Lesung besteht für uns Veranstalter die Chance, neu entdeckt zu werden. Wir veranstalten ein Literaturfest, ein Sommerfest mit Jazz oder Gipsy. Faschingsdienstag gibt es Weißwürste und unsere legendäre Weihnachtslesung mit fünf bis sechs Autoren, die eigens für diesen Abend verfasste Geschichten schreiben und lesen, rundet auch unser soziales Engagement mit Nala e.V. ab. 

Aber das Wichtigste ist der Trumpf, dem Kunden begegnen zu können, ihn einzuladen zu verweilen, sich zu setzen, zu kommunizieren, gemeinsam zu lachen, zuzuhören und eine angenehme Atmosphäre zu bieten, die der Kunde sonst wo im Netz nicht findet. Der Einkauf muss zum Abenteuer werden. Kunden sind sehr sensibel und spüren sofort, ob im Laden eine gute oder schlechte Stimmung herrscht. Der Kunde muss sich aufgehoben, beachtet und umsorgt fühlen, zumindest muss man ihm die Möglichkeit dazu geben. Und man darf nicht den Fehler begehen, dem Kunden das digitale Einkaufen auszureden. Jeder Buchhändler hat heute seinen eigenen Shop im Netz und wie die Erfahrung zeigt, es wird gerne eingekauft im Shop, jedoch wollen unsere Kunden die Bücher im Laden abholen. Eine feine Kombination, digital und trotzdem persönlich einkaufen zu gehen.

Frank Zappa auf dem Klo sitzend ziert einen Hinweis über der Kasse: „Kundentoilette nach rechts – Amazon-Kunden gehen bitte bei Amazon aufs Klo.“

(Teilen Sie den Aushang auf Facebook, wenn Sie ihn auch lustig finden!)

Diesen Gastbeitrag schrieb Thomas Felber von Buch & Café Lentner.

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Eine ärgerliche Sache, die sich in Berlin ereignet hat, kommt beim Buchändler um die Ecke sicher nicht vor: Ständig Pakete bekommen, ohne etwas bestellt zu haben. Genau das ist nämlich wirklich passiert.

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