Gastbeitrag von Münchnerin Livia Kerp

Wahlrecht ab 16, WhatsApp, Plastikmüll: Schülerin fragt Söder alles, was sie bewegt

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Livia Kerp bloggt über Themen, die sie bewegen. Sie hat schon mehrere Politiker interviewt.

Die Münchner Bloggerin Livia Kerp ist 16 Jahre alt und hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder interviewt. Mit ihm sprach sie über die WhatsApp-Gruppe des Landtags, über ein Wahlrecht ab 16 und  Einweg-Kaffeebecher. 

Ich durfte das erste Blogger-Interview mit unserem Ministerpräsidenten Herrn Markus Söder führen und hey, das ist für mich natürlich eine große Ehre als erste Bloggerin, Herrn Söder im Maximilianeum zu besuchen. Für mich als Jugendliche war es ein großes Anliegen, mit unserem neuen bayerischen Ministerpräsidenten über Themen zu reden, die für uns Jugendliche und Schüler besonders wichtig sind. Aber ich wollte auch mehr von Herrn Söder als Star-Wars-Fan erfahren und ein bisschen hinter die Kulissen schauen.

Als kleines Dankeschön und natürlich nicht als „Einschleimversuch“ habe ich Herrn Söder eine „Darth Vader Star Wars Tasse“ mitgebracht und wie man sieht, hatte er auch seine Freude daran.

Aber meine erste Frage hatte nichts mit Star Wars zu tun, sondern es ging um seinen neuen Job als Ministerpräsident.

Wie sieht eigentlich Ihr Alltag jetzt als Ministerpräsident aus? Wie kann ich mir das vorstellen? 

Ministerpräsident Markus Söder: Eigentlich bin ich rund um die Uhr im Einsatz. Denn man hat auch die Verantwortung für alles. Mein Tag beginnt in der Regel vor 6 Uhr, ich gehe gegen 7.15 Uhr aus dem Haus und komme abends zwischen 23 und 23.30 Uhr wieder nach Hause. Ich habe natürlich den ganzen Tag eine Menge Termine. Regieren bedeutet, dass man viele Außen- und Telefontermine hat oder auch Gesetzesvorlagen vorbereitet, man trifft viele Entscheidungen und ab und zu macht man auch tolle Interviews.

Zum Thema Social Media

Social Media ist bei uns Jugendlichen ja ein sehr großes und wichtiges Thema. Deshalb finde ich es auch super, dass Sie auch ganz selbstverständlich Facebook, Twitter oder Instagram nutzen. Unsere Klasse hat natürlich auch eine WhatsApp-Gruppe, was sehr praktisch ist. Gibt es bei Ihnen auch so was wie eine „Minister-WhatsApp-Gruppe“? 

Ministerpräsident Markus Söder: Es gibt tatsächlich eine „Abgeordneten WhatsApp-Gruppe“, in der auch viele Minister und ein Großteil unserer Fraktionsabgeordneten dabei sind. Die ist ziemlich aktiv. Unsere „Abgeordneten WhatsApp-Gruppe“ hat auch eine große politische Wirkung, denn da werden Interviews reingestellt oder Meinungen diskutiert. 

Zum Thema Wahlrecht ab 16 Jahren

Viele Politiker bei der CDU/CSU verbinden das Wahlrecht mit der Volljährigkeit und somit der vollen Straffähigkeit. Aber es gibt ja trotzdem das Wahlrecht ab 16 Jahren und das nicht nur in Österreich, sondern auch in Bundesländern wie Schleswig-Holstein oder Brandenburg. Ich finde das ungerecht allen anderen Jugendlichen gegenüber, die nicht die Möglichkeit haben, mit 16 Jahren wählen zu dürfen. Jetzt würde mich interessieren, was Ihre Meinung dazu ist, und ob Sie sich vorstellen könnten, im Landtag darüber mal zu diskutieren? 

Ministerpräsident Markus Söder: Wir haben schon oft darüber im Landtag diskutiert mit sehr unterschiedlichen Ansätzen. Es war eine 51 zu 49 Prozent Entscheidung gegen das Wahlrecht ab 16 Jahren. Wir fördern lieber Aktivitäten von Jugendlichen im Bereich der Politik. Im Endeffekt sieht man in den Bundesländern, in denen das Wahlrecht ab 16 Jahren eingeführt wurde, dass es hier auch zu keiner Erhöhung der Wahlbeteiligung führte. Was ich immer raten würde, wäre, dass Jugendliche in eine Partei eintreten oder in einer anderen Initiative mitarbeiten, so kann durch aktive politische Arbeit besser an Politik herangeführt werden.

Dazu hat mir der 2.Bürgermeister von München, Josef Schmid CSU, in einem Interview mal gesagt, dass man dazu langsam den nächsten Schritt machen muss, also das Wahlrecht ab 16 Jahren einzuführen. Wie Sie schon sagten, gibt es innerhalb der CSU verschiedene Meinungen zu dem Thema. 

Ministerpräsident Markus Söder: Das ist Demokratie. Auch innerhalb einer Partei gibt es verschiedene Meinungen. Bei uns in der CSU gibt es lebhafte Diskussionen, bis man zu einer Position kommt, und dann abstimmt, und da wir in Bayern die größte Partei sind, gibt es natürlich auch mehr Meinungen als bei anderen.

Zum Thema Einweg-Coffee-to-go Becher und Plastikmüll

In München werden ja pro Tag ca. 190.000 Einweg-Coffee-to-go Becher aus Pappe oder Plastik weggeworfen. In ganz Deutschland heißt das dann sogar 40.000 Tonnen Abfall im Jahr. Das ist richtig viel Plastikmüll, aber ich finde, dass man ihn vermeiden kann, wenn man einfach die ganzen Einweg-Becher verbietet. Ich trinke ja auch gerne einen Coffee-to-go und benutze dazu immer öfter meinen eigenen Kaffee-Thermosbecher. (Oder das Mehrweg Pfandsystem von Recup). Warum verbieten wir also nicht diese Einweg-Becher und benutzen einfach unseren eigenen Mehrwegbecher oder was wäre Ihre Idee, den vielen Plastikmüll einzuschränken? 

Ministerpräsident Markus Söder: Ich finde es natürlich auch besser, wenn jeder seinen eigenen Becher-to-go mitnimmt, denn es zeigt auch sein eigenes Lebensgefühl. Ich persönlich nehme da am liebsten meine Star-Wars-Tasse, da ich ein großer Star-Wars-Fan bin und Tassen sammle. Grundsätzlich sind wir aber der Meinung, dass „verbieten“ immer wenig bringt, weil es sehr aufwendig ist und hohe Bürokratiekosten nach sich zieht. Deshalb finde ich das Werben für den eigenen Becher-to-go, wie Sie das in Ihrem Blog machen, auch viel charmanter.

Ist der ganze Plastikmüll dann kein Problem? 

Ministerpräsident Markus Söder: Doch, der Plastikmüll ist ein Problem. Wenn man sich anschaut, dass wir heute zum Teil in den Ozeanen richtige Plastikinseln haben, die so groß sind wie ganze Länder, dann müssen wir dafür sorgen, dass Plastik da verschwindet. Also insgesamt dafür sorgen, dass zum Beispiel weniger Verpackungen aus Kunststoff produziert werden. Das ist für mich eine absolut lohnende Aufgabe der nachhaltigen Umweltpolitik. 

Zum Thema Jugendpolitik und Schule

Für mich ist es wichtig, Ihnen zu zeigen, welche Themen mir als Jugendliche wichtig sind. Welche jugendpolitischen Themen sind aber für Sie als Ministerpräsident grundsätzlich am wichtigsten und wie versuchen Sie diese umzusetzen? 

Ministerpräsident Markus Söder: Die Schulpolitik ist für mich besonders wichtig. Hier versuchen wir es flexibler zu gestalten, damit jeder Schüler die Möglichkeit hat, in jeder Phase wieder einzusteigen. Die Digitalisierung an den Schulen ist der nächste Punkt. Hier werden wir in Zukunft sehr viel Geld ausgeben, um die Internetfähigkeit an den Schulen zu verbessern und die Schulen mit Tablets auszustatten.

Für mich als Schülerin wäre es wünschenswert, wenn es mehr Lehrer an den Schulen gäbe, um die einzelnen Schüler besser zu fördern, gerade bei den schwierigen Themen. 

Ministerpräsident Markus Söder: Genau das haben wir vor. Unser Ziel ist, mehr Lehrer und mehr Flexibilität und mehr Möglichkeiten vor Ort, damit die Schulen selber entscheiden können, wie sie diesen Lehrereinsatz gestalten können, um Schülern eine bessere Förderung zu geben, die sie brauchen oder wollen. 

Zum Thema Toni Hofreiter oder Mark Hamill

Zum Abschluss würde ich gerne wissen, welche Diskussion Sie am interessantesten finden. Entweder mit Toni Hofreiter über die Klimaerwärmung oder mit Mark Hamill über seine Rolle als Luke Skywalker in Star Wars zu diskutieren?

Ministerpräsident Markus Söder: Unbedingt mit Mark Hamill. Denn ich würde gerne wissen, wohin Luke im letzten Teil von Star Wars verschwunden ist und wie seine Gefühlslage dazu ist. Nachdem ich nämlich damals in der fünften Klasse eine Zwei in einer Englisch-Schulaufgabe hatte, erlaubte mir meine Mutter, in den Star-Wars-Film zu gehen, und seither bin ich auch ein großer Star-Wars-Fan.

Auf ein Wort – Ministerpräsident Herr Söder über unser Interview:

Für mich war es logischerweise ein besonderes Erlebnis, unseren Ministerpräsidenten persönlich kennen zu lernen. Witzig fand ich auch die Tatsache der „Abgeordneten WhatsApp-Gruppe“, aber auch seine Ziele bezüglich der Schulpolitik finde ich richtig gut. 

Auch wenn ich mir beim Thema „Wahlrecht ab 16 Jahren“ was anderes wünsche, bleibt mir jetzt noch eines zu sagen: Möge die Macht mit uns sein!

Dieser Gastbeitrag erschien zuerst auf Livia Kerps Blog liviajosephine.de.

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