Gasteig: Bekenntnis zur Generalsanierung

Die Stadt hält am Wettbewerb für die Generalsanierung des Gasteigs fest. Dies beschloss der Stadtrat gegen die Stimmen von SPD und FDP. Die Sozialdemokraten plädierten für die günstigere Grundsanierung.

Es war eine langwierige und teils emotional geführte Debatte in der Vollversammlung des Stadtrats. Und vor allem wurde, je länger die Diskussion dauerte, eines klar: Die geplante Sanierung des Gasteigs ist mittlerweile in ein juristisch hoch kompliziertes Fahrwasser geraten. Trotz des gestrigen Beschlusses weiß zur Stunde niemand, auf welcher architektonischen Basis der Umbau erfolgen und vor allem wann dieser starten kann. Kulturreferent Hans-Georg Küppers (SPD) resümierte: „Das Projekt durchläuft unzweifelhaft eine schwierige Phase.“

Zu den Fakten: Die Generalsanierung kostet 410 bis 450 Millionen Euro, bei der Grundsanierung wird mit einem Aufwand von rund 300 Millionen Euro gerechnet. Letztere gewährleistet im Wesentlichen die Instandhaltung der in die Jahre gekommenen technischen Anlagen. Die Generalsanierung dagegen berücksichtigt auch alle „nutzerspezifischen Anforderungen“, wie es Küppers ausdrückte. Sprich: Stadtbibliothek und Volkshochschule werden modernisiert und räumlich erweitert. Die gesamte Nutzfläche steigt um 8000 Quadratmeter.

Nun hatte die Vergabekammer der Regierung von Oberbayern verfügt, den Realisierungswettbewerb für den Umbau des Gasteigs wegen Verfahrensfehlern neu aufzurollen. Der Entwurf des Büros Henn war von der Stadt zum Sieger gekürt worden, wogegen die beiden unterlegenen Architekten erfolgreich Einspruch einlegten. Die Gasteig München GmbH muss die Kriterien, die zu der Entscheidung führten, jetzt schärfen. Der gestrige Stadtratsbeschluss gibt der Geschäftsführung dafür die Grundlage.

Gasteig-Chef Max Wagner sagte, er bedauere die Lage. Das Verfahren sei aber aus seiner Sicht nicht gescheitert. Mit viel höheren juristischen Risiken wäre nach seinem Dafürhalten eine Aufhebung des Wettbewerbs und eine Rückkehr zur Grundsanierung behaftet. Dann könnten alle Architekten hohe Schadensersatzansprüche geltend machen. Außerdem wäre mit einem Zeitverzug von rund zweieinhalb Jahren für das Projekt zu rechnen. Für die Ertüchtigung der Akustik in der Philharmonie wurde der renommierte Planer Yasuhisa Toyota gewonnen. Wagner zufolge ist unklar, ob Toyota auch im Falle einer bloßen Grundsanierung zur Verfügung stehen würde.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Alexander Reissl äußerte indes große Zweifel an dem von der Stadtratsmehrheit eingeschlagenen Kurs: „Was gibt ihnen die Sicherheit, dass das Verfahren zu einem guten Ende kommt?“ Er prophezeite ein „kulturpolitisches Desaster“. Reissl: „Warum muss man auf einem toten Gaul weiterreiten?“ Im Übrigen könne er nicht nachvollziehen, weshalb so getan werde, als ginge im Falle einer Grundsanierung „die kulturpolitische Welt unter“.

Grünen-Fraktionschef Florian Roth betonte hingegen, das größte Kulturzentrum Europas müsse fit gemacht werden für die Zukunft. Die SPD bleibe Antworten schuldig, wie sie sich das vorstelle. Der Großen Koalition warf er „eine Kette von Pleiten, Pech und Pannen“ vor. Ohne den früheren Bürgermeister und Aufsichtsratschef Josef Schmid (CSU) namentlich zu erwähnen, sagte er: „Es gab Protagonisten, denen die Landtagswahl wohl wichtiger war, als sich mit allen juristischen Feinheiten des Vergabeverfahrens zu beschäftigen.“ An die Adresse der SPD gewandt, sagte der Grüne: „Es wäre Wahnsinn, in diesem Stadium noch einmal in eine völlig neue Richtung zu gehen.“

Richard Quaas, kulturpolitische Sprecher der CSU, mahnte den gesamten Stadtrat, einen Konsens zu finden. Es seien bereits zu viele juristische Probleme heraufbeschworen worden. Er vertraue der Gasteig-Geschäftsführung. Die Entscheidung der Vergabekammer habe keiner vorhersehen können.

OB Dieter Reiter (SPD) blieb in der Debatte eine Antwort schuldig, wie er sich die Sanierung des Gasteigs vorstellt. Seine Haltung dokumentierte er bei der Abstimmung und lehnte zusammen mit seiner Fraktion die Fortsetzung des Wettbewerbsverfahrens ab. Kulturreferent Küppers, ein SPD-Mann, dürfte dies kaum gefallen haben.

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