Chaos um Kulturtempel geht weiter

Stadtrat-Beschluss: Überraschende Wende nach Gasteig-Schock

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So wird das Interimsquartier des Gasteigs aussehen. Links die Philharmonie. Die denkmalgeschützte Halle rechts ist das Schaufenster des Gasteigs. Von hier aus kann man über zwei Treppen direkt in den Musentempel nebenan gehen.

Das Interimsquartier für den Gasteig wird deutlich teurer. Allerdings soll das Geld nicht bezahlt werden - zumindest vorerst. Trotzdem gibt‘s um den Kulturtempel weiter Ärger. 

  • Der Gasteig kommt nicht zur Ruhe
  • Es gibt neuerlichen Ärger um den Kulturtempel
  • Es wird aber nicht mehr Geld ausgegeben - vorerst

Update vom 19. Dezember: Der Stadtrat wird für den Interimsstandort des Gasteig an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling nicht mehr Geld ausgeben. 

Zumindest zunächst nicht. Das hat das Gremium am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft soll bis Januar Einsparpotenziale ermitteln. 

Wie berichtet, geht die Verwaltung nun von Kosten von 108 Millionen Euro für das Interimsquartier aus – obschon noch nicht mal alle Ausschreibungen getätigt wurden. Ursprünglich war von 90,4 Millionen Euro die Rede.

Schock für den Stadtrat: Gasteig-Interimsquartier wird deutlich teurer

Ursprungsmeldung vom 17. Dezember: Der Gasteig kommt nicht zur Ruhe: Kaum sind die juristischen Wirren beendet, gibt es neuerlich Ärger um den Kulturtempel. Nach Informationen unserer Zeitung wird das Interimsquartier an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling – Stand jetzt – 18 Millionen Euro mehr kosen: 108 statt der zunächst genannten 90,4 Millionen Euro. Und das, obwohl nicht mal alle Ausschreibungen getätigt wurden.

Das Thema war in der vergangenen Woche im Aufsichtsrat auf der Tagesordnung, per Tischvorlage, also relativ kurzfristig. „Das ist schlechter Stil“, sagt ein Teilnehmer. Ein anderer ergänzt: „Ich hatte ohnehin nicht den Eindruck, dass der Punkt sonderlich souverän angegangen wurde.“ 

Denn offenbar wollte die Verwaltung den Stadtrat mit der Kostenmehrung zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht befassen – sondern erst, wenn alle Ausschreibungen getätigt wurden. „Das war nach dem Prinzip: Friss oder stirb!“, heißt es aus Stadtratskreisen. Der Aufsichtsrat bestand aber darauf, deshalb wird das Thema heute in nicht-öffentlicher Sitzung besprochen.

Gasteig: Wettbewerb ging unfreiwillig in die Länge

Wie berichtet, war zuvor der Wettbewerb für die Generalsanierung des Gasteigs unfreiwillig in die Verlängerung gegangen. Die unterlegenen Architekten hatten gegen die Vergabe des Siegerentwurfs geklagt – wegen formeller Fehler. Mit Erfolg: Die Vergabekammer der Regierung von Oberbayern kippte daraufhin das Ergebnis des Realisierungswettbewerbs. Die Gasteig-Geschäftsführung musste das Verfahren von Neuem aufrollen, was den Gang der Dinge für das Gesamtprojekt natürlich verzögerte.

Letztlich wurde am 9. Juli dieses Jahres der Vertrag mit dem siegreichen Münchner Architekturbüro Henn unterzeichnet. Auf der Basis dieses Entwurfs wird der Kultur- und Bildungstempel nun neu gestaltet. Beim Umbau vorgesehen ist eine mächtige Glasfassade, die sich zur Stadt hin öffnet. In diese Kulisse wird eine Bühne – eine Art Amphitheater – integriert. Den neuen Gasteig werden überdies ein Dachrestaurant und ein Dachgarten zieren.

Auch bei der Ludwigsbrücke gab es eine Panne. Dort kippte jetzt der Bauausschuss die Sanierung.

Ärger um Gasteig: Er hätte generalüberholt werden müssen

Funktional profitieren vor allem die Stadtbibliothek und die Volkshochschule, deren Räume modernisiert und auch vergrößert werden. Insgesamt steigt die Nutzfläche für die Besucher von 86 000 auf 94 000 Quadratmeter. Technisch hätte der Gasteig ohnehin generalüberholt werden müssen, sodass zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. Begonnen werden soll mit der fünf Jahre währenden Generalsanierung Ende 2021. Das Budget für den Umbau beträgt 410 bis 450 Millionen Euro. Die Kosten für das Interimsquartier sind da nicht mit eingerechnet.

Das Ausweichquartier an der Hans-Preißinger-Straße gegenüber dem Heizkraftwerk Süd gehört den Stadtwerken. Dort soll der Gasteig von 2021 bis 2026 beheimatet sein, die Umbauarbeiten laufen seit März. Die Münchner Philharmonie erhält ein Interims-Domizil mit 1900 Plätzen, für die Musiker wird ein Konzertsaal in Holzmodulbauweise errichtet.

Hier soll der Gasteig von 2021 bis 2026 beheimatet sein

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wird den Saal ebenfalls übergangsweise nutzen – bis der eigene Konzertsaal im Werksviertel fertiggestellt ist. Die Bibliothek wird in die ehemalige Trafohalle ziehen, Volkshochschule und Musikhochschule werden in Neubauten untergebracht. 

Während der Interimsphase verringert sich die Gasteig-Nutzfläche von 86 000 auf 24 000 Quadratmeter. Nach dem Wiederauszug soll das Gelände eine kulturelle Folgenutzung erfahren.

tz/mm

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