Stadtrat entscheidet im Oktober

Vorbild Elbphilharmonie? So soll Münchens neues Kulturzentrum am Gasteig aussehen

Ein Lichthimmel soll die runderneuerte Philharmonie überwölben. Die Ränge werden steiler, damit der Abstand von der hintersten Reihe zur Bühne kleiner wird. 2200 statt 2400 Plätze sind künftig vorgesehen
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Ein Lichthimmel soll die runderneuerte Philharmonie überwölben. Die Ränge werden steiler, damit der Abstand von der hintersten Reihe zur Bühne kleiner wird. 2200 statt 2400 Plätze sind künftig vorgesehen.

Für den Umbau des Gasteig in München wurden nun detaillierte Sanierungspläne vorgestellt. Die Ähnlichkeit mit der 2017 eröffneten Hamburger Elbphilharmonie ist verblüffend.

  • München bekommt offenbar einen neuen Prachtpalast.
  • Die Sanierung des Kulturzentrums am Gasteig ist in Planung.
  • Das Konzept ruft Erinnerungen an ein prominentes Vorbild hervor: Hamburgs Elbphilharmonie.
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München - Das ist ein Wunder!“ Da­runter macht es Max Wagner nicht. Doch der Gasteig-Chef argumentiert mehrgleisig: Vor fünf Jahren wurde die Sanierung des Kulturzentrums beschlossen, der Kostenrahmen von 410 bis 450 Millionen Euro ist eingehalten worden, der Zeitrahmen erst recht, und mittlerweile hat der Architekt Gunter Henn seine Planung in Abstimmung mit allen Gasteig-Institutionen konkretisiert und verfeinert. Gestern bekam der Aufsichtsrat des Gasteigs die neuen Pläne vorgelegt.

Münchens Kulturzentrum am Gasteig: Erinnerungen an die Hamburger Elphi

Ein erster Blick vor allem in die Philharmonie dürfte bei Betrachtern eine Assoziation auslösen: Bekommt München eine Elphi? Jedenfalls ist die Ähnlichkeit mit der 2017 eröffneten Hamburger Elbphilharmonie verblüffend! Läuft in den nächsten Monaten nun alles nach Plan, kann der Münchner Stadtrat am 21. Oktober den Beschluss über das Sanierungskonzept fassen.

Max Wagner legt Wert da­rauf, dass München keinen komplett neuen Gasteig bekommt: „80 bis 85 Prozent des Bestands behalten wir“, sagt er. Die von außen augenfälligste Neuerung ist die „Kulturbrücke“, wie sie der Gasteig-Chef nennt: ein gläsernes Element, das die Klinker-Fassade aufbricht und alle Teile des Gebäudes verknüpft. Die Verbindung von Philharmonie, Volks- und Musikhochschule sowie Bibliothek, die Vernetzung der „Gasteig-Bewohner“ und die Gemeinsamkeiten, all das soll architektonisch betont werden.

Viel Glas soll für den neuen Gasteig verbaut werden. Insgesamt aber gilt: Rund 80 Prozent des Bestands soll erhalten werden.

Insgesamt soll sich der Komplex in mehrfacher Hinsicht öffnen. Durch Glasflächen, durch Atrien, die Licht hereinlassen. Durch eine Freitreppe hin zur Rosenheimer Straße. Aber auch durch Begegnungsflächen innerhalb des Gebäudes. 3500 Quadratmeter zusätzlicher Raum sollen dafür geschaffen werden. Besonders die Stadtbibliothek ist davon betroffen. Die soll als „dritter Ort“ begriffen werden – also nicht mehr als reine Ausleih- und Arbeitsstätte, sondern auch als Raum zum Verweilen für ein Publikum, das nicht unbedingt ein Buch mit nach Hause nehmen will.

Zurück zur Philharmonie: Der neue Saal ist symme­trisch, von der Kubatur her kleiner als der alte und bietet 2200 statt 2400 Zuhörern Platz – wobei diese Kapazität durch die Chor-Tribüne hinter dem Orchester aufgestockt werden kann. Der Akustiker Yasuhisa Toyota, der auch für die Elphi in Hamburg verantwortlich zeichnete, hat mit Architekt Henn steilere Ränge entworfen. Die Zuhörer sollen an das Podium herangeholt werden und nicht mehr bis zu 45 Meter entfernt vom Geschehen sitzen. Neu ist auch eine „Lichtdecke“. Diese besteht aus LED-Elementen, die an Stangen hängen und einen geschwungenen Licht-Himmel erzeugen.

Finanzierung des Gasteig-Umbaus: Neue Möglichkeit hat sich aufgetan

Dass sich wieder kritische Stimmen zur Sanierung regen, ist in den vergangenen Wochen deutlich geworden. Manche stellen die Renovierung angesichts finanzieller Nöte der Stadt grundsätzlich infrage oder wollen mit dem Freistaat, der ein eigenes Konzerthaus plant, kooperieren. Mittlerweile, das ist aus Kreisen des Gasteig-Aufsichtsrats zu hören, tut sich eine andere Möglichkeit der Finanzierung auf. Die Stadt könnte mit einem externen Investor zusammenarbeiten. 

Der zahlt für die Renovierung, im Gegenzug mietet oder least die Stadt den gesamten Komplex. Das Modell ist nicht neu, so wurde einst beim Bau des Gasteigs verfahren. Das Kulturreferat betont die grundsätzliche Dringlichkeit der Sanierung. Und Max Wagner ist ebenso optimistisch, was die Realisierung der Gasteig-Planung angeht. „Unsere Entscheidung ist keine für die Corona-Zeit, sondern für die nächsten 50 bis 70 Jahre.“

Ob dem Konzertsaal im Gasteig dann solche Pannen wie in Hamburg erspart bleiben?

Ebenfalls am Gasteig fand eine widerliche Attacke auf Münchner Kinder statt. Die Verdächtige wurde mittlerweile gefasst.

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