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Mieter in Sorge

GBW saniert: „Hier wird günstiger Wohnraum vernichtet“

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80 Wohnungen sind im Vorder- und Rückhaus an der Schönfeldstraße 14. Die Gebäude sollen saniert werden. 

Die GBW plant, eine ihrer Wohnanlagen in der Maxvorstadt zu sanieren, Etagen aufzustocken und bestehende Appartements zusammenzulegen. Die Mieter befürchten, dass sie am Ende die Leidtragenden sind.

München - Teilweise seit Jahrzehnten wohnen manche Mieter in der Schönfeldstraße 14, jetzt treibt sie die Angst um: Sie befürchten, dass sie künftig ihre Mieten nicht mehr bezahlen können und die Wohnungen verlieren. Bis vor wenigen Jahren gehörte die Wohnanlage in der Maxvorstadt, zwischen Ludwigstraße und Englischem Garten, zur Bayerischen Landesbank. Viele aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Instituts wohnen immer noch in den insgesamt 80 Wohnungen. Im Jahr 2013 wurde die Immobilientochter Gemeinnützige Bayerische Wohnungsgesellschaft (GBW) mit ihren rund 30.000 Wohnungen von der BayernLB in einem umstrittenen Bieterverfahren an ein Konsortium um das Augsburger Immobilienunternehmen Patrizia verkauft.

Anwohner fürchten die Sanierung

Wie nun bekannt wurde, plant die GBW, die Wohnanlage grundlegend zu sanieren und zu erweitern. Vor kurzem wurde bei der Stadt München der Bauantrag eingereicht. An der Fassade sollen Änderungen vorgenommen sowie eine Fluchttreppe und ein Aufzugsturm angebaut werden. Den Plänen nach will der Bauherr am Vordergebäude zusätzlich eineinhalb Etagen aufstocken, das Rückgebäude soll um ein Stockwerk erhöht werden. Außerdem werde auch eine energetische Sanierung sowie eine Betonsanierung der Tiefgarage geprüft, teilte die GBW auf Anfrage mit. 2018 könnten die Arbeiten beginnen. Mögliche zusätzliche Etagen hatte die GBW ihren Mietern in der Schönfeldstraße 14 bereits im Jahr 2015 angekündigt, „zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes in München“.

Nachverdichtung für mehr Mieteinnahmen

Einen anderen Grund für die Nachverdichtung vermutet Rudolf Schairer, der seit 1989 in der Anlage lebt: „Der GBW geht es nicht um Wohnraum für die Stadt, sondern um höhere Mieterträge.“ Die Mieter befürchten, dass ein Großteil der Umbaukosten als Modernisierung deklariert und auf sie umgelegt wird. Die GBW bestätigt auf Anfrage, dass „umlagefähige Kosten entstehen“ werden, die sich aber „selbstverständlich im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften“ bewegen würden. Viele könnten sich die Wohnungen dann nicht mehr leisten, sagen indes die Mieter, zumal die GBW bereits in den vergangenen Jahren immer wieder den Mietzins erhöht habe.

Immer wieder schwere Pannen in der Wohnanlage

Ohnehin herrscht in der Wohnanlage – Baujahr 1961 – dicke Luft. Noch immer empört sind die Bewohner über einen Vorfall im Frühjahr 2016. Damals fielen von März bis Mai sechs Wochen lang Heizung und Warmwasser aus, und das gerade in der kalten Periode über Ostern. Die GBW spricht von „komplizierten Reparaturen, die nicht umgehend behoben werden konnten“. Die Bewohner beklagen, sie seien von der GBW kaum benachrichtigt und immer wieder nur vertröstet worden. Eine Mieterin erzählt, sie habe sich deshalb zeitweise bei Verwandten einquartiert. Entschädigt wurde von der GBW nur, wer sich schriftlich beschwerte, sagt Rudolf Schairer. „Viele Leute wissen aber nicht über ihre Rechte Bescheid“, meint er. „Die haben sich nicht oder nur mündlich bei der GBW gemeldet.“

Anfang Mai 2016 stand sogar die Feuerwehr vor der Schönfeldstraße 14, weil aus dem Heizraum heißer Wasserdampf schoss. Die GBW spricht von einem defekten Ventil im Verantwortungsbereich der SWM. Schuld an dem Unfall sei ein defekter Wärmetauscher gewesen, teilen dagegen die SWM auf Nachfrage mit. Die Verantwortlichkeit liege klar beim Eigentümer, der auch die anschließenden Reparaturen bezahlt habe.

Bei den Bewohnern herrscht längst der Eindruck, die GBW möchte bei minimalem Aufwand das Maximum an Mieterträgen aus der Immobilie herausholen. Dazu, so einige Bewohner, würden auch die nun geplanten Umbau-Maßnahmen passen. Die GBW möchte mehrere Wohnungen zusammenlegen. Bislang verfügt die Anlage vor allem über Ein-Zimmer-Appartements. Zumindest in den oberen Stockwerken könnten stattdessen künftig viel größere Wohnungen entstehen.

Lesen Sie auch: „Geheimakte GBW - harsche Kritik an Söder“

Stadtteilpolitiker sind alarmiert

Auch beim Bezirksausschuss in der Maxvorstadt ist man hellhörig geworden. „Hier wird günstiger Wohnraum vernichtet“, sagt Mieterbeirätin Britta Gürtler (CSU). „Die Mieter haben einen Anspruch auf ihre einzelnen Wohnungen, in Deutschland herrscht schließlich unbeschänktes Mietrecht.“

Gürtler rät den betroffenen Mietern, sich zu einer Mietergemeinschaft zusammenzuschließen und sich juristischen Beistand zu holen. Wichtig sei, dass sich die Bewohner auch untereinander vernetzen und zusammenhalten, sich also gegebenenfalls nicht einzeln abfinden lassen.

Der Bezirksausschuss hat die Pläne nun einstimmig abgelehnt. Die Stadt könne das Vorhaben aber trotzdem genehmigen, warnt Gesche Hoffmann-Weiss (SPD). Bei vergleichbaren Fällen in der Vergangenheit habe sich jedoch gezeigt, dass eine deutliche Stellungnahme des Stadtteil-Gremiums zu Gesprächen zwischen Stadt und Bauherren führten.

Lesen Sie hier: Erfolg gegen einen der schlimmsten Entmieter der Stadt - Mieterverein verklagt Immobilien-Mogul – und siegt vor Gericht

Philipp Novotny

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