Zehntausende Münchner bangen

GBW-Verkauf: Jetzt zittern die Mieter

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Auch die 11 000 GBW-Wohnungen in München (hier am Karl-Marx-Ring) stehen zum Verkauf

München - Für die 30.000 GBW-Mieter in München und weitere 50.000 im Freistaat wird es kein ruhiges Weihnachtsfest: Die BayernLB verkauft mit der GBW ihr Dach überm Kopf!

Vergangene Nacht endete um 24 Uhr die Frist für ein erstes Angebot. Wer bekommt den Zuschlag? Die Städte München und Nürnberg, Wohnungsgesellschaften – oder doch Heuschrecken? Zwei Dutzend Interessenten rennen der Bank die Türen ein!

Die Fragen reichen weiter: Was passiert nach dem Verkauf im kommenden Jahr? „Die Mieter befürchten, dass sie sich die Wohnungen nicht mehr leisten können“, sagt die Vorsitzende des Münchner Mietervereins, Beatrix Zurek (SPD). Die 11 000 Wohnungen in Stadt und Umland sowie die 21 000 im übrigen Bayern werden bisher zu sozialen Preisen vermietet – 5,95 Euro pro Quadratmeter kalt bayernweit, in München etwas mehr. Das heißt: Da ist noch Luft nach oben. Mieterpräsidentin Zurek fürchtet, dass ein Käufer erst mal 20 Prozent aufschlagen wird. Die neue 15-Prozent-Bremse käme zu spät (tz berichtete). Weiter könnte es mit Modernisierungen und noch höheren Mieten gehen – und am Schluss steht die Umwandlung in Eigentumswohnungen.

Für die Menschen geht es um ihr Zuhause – für den Freistaat um ein Milliardengeschäft! Denn die GBW gehört der Bayerischen Landesbank. Die war dermaßen in Schieflage geraten, dass der Freistaat sie mit zehn Milliarden Euro retten musste. Als Ausgleich muss die Landesbank nun die GBW verkaufen, um zumindest einen Teil des Geldes wieder zurückzahlen zu können. Darum sieht die Opposition die Mieter als Spielball der Spekulanten. Die Staatsregierung verweist auf eine Sozialcharta des Unternehmens. Aus Sicht der Mietervertreter greift die jedoch zu kurz.

Darum bieten auch München und Nürnberg mit. Allein Stadtkämmerer Ernst Wolowicz (SPD) hat in den Haushalt des nächsten Jahres schon mal fast eine halbe Milliarde Euro eingestellt! Dafür müsste die Stadt ihre Reserven für die Pension ihrer Beamten verhökern.

Das ist erst der Anfang: Im Januar wählt die BayernLB die besten Angebote aus, die Bieter dürfen in die Bilanzen schauen, um ein nachgebessertes Angebot abgeben zu können. Bis April soll der Verkauf abgewickelt sein. Der Wert der Wohnungen liegt laut GBW bei 2,4 Milliarden Euro. Verrechnet mit den Krediten des Unternehmens bleiben immer noch 984 Millionen Euro.

DAC

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