Falsche Diagnose

Gebärmutter entfernt: Frau will Entschädigung

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München - Sie ließ sich die Gebärmutter entfernen, dann kam raus, dass die Diagnose falsch war. Eine Kinderärztin kämpft nun vor dem Oberlandesgericht in München um Entschädigung.

Nach einer falschen Diagnose und einer daher unnötigen Gebärmutterentfernung kämpft eine Kinderärztin vor dem Oberlandesgericht München um eine Entschädigung. Birgit B. forderte am Donnerstag von den Pathologen einer Münchner Laborpraxis wegen eines falschen Gewebebefundes ein Schmerzensgeld von 100 000 Euro. Sie hatte sich 2009 wegen eines diagnostizierten bösartigen Tumors zu einer Entfernung der Gebärmutter entschlossen. Tatsächlich hatte sie aber nur eine gutartige Muskelgeschwulst. In erster Instanz wurde die Klage der 49-Jährigen abgewiesen. Eine „grobe Fehleinschätzung“ konnte das Münchner Landgericht nicht erkennen.

Bei einer Nachuntersuchung drei Wochen nach dem Eingriff hielten die Münchner Pathologen ihren Befund aufrecht. Referenzzentren in Jena und Graz kamen jedoch zum Ergebnis, die Wucherung sei kein Tumor gewesen und die Totaloperation deshalb nicht nötig. Die Klägerin sprach von einem „fundamentalen Irrtum“, ohne den sie dem schwerwiegenden Eingriff nicht zugestimmt hätte. „Man will seine Organe doch behalten“, sagte die Frau, die als Kinderärztin arbeitet. 

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Laut einem Sachverständigen konnte das Gewebe aufgrund bestimmter Merkmale mit einer Wahrscheinlichkeit von 15 bis 25 Prozent eine gutartige Geschwulst sein. Ob den Münchner Kollegen diese statistische Möglichkeit schon 2009 bekannt sein musste, blieb unklar. Internationale Fachpublikationen fänden oft erst mit großer Verzögerung Aufnahme in die Lehrbücher.

Die Voraussetzung für eine Entschädigung – einen groben Fehler – konnte der Experte nicht feststellen. Nach diesem Gutachten riet die Vorsitzende Richterin zur Rücknahme der Berufung. „Das Ganze ist emotional sehr belastend“, sagt Birgit B. Sie leidet immer noch unter Schmerzen. Am 8. August will das Gericht entscheiden.

Bea

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