Die Angst lässt uns nicht schlafen

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Christoph Neumann flüchtete mit seiner Frau nach Osaka

Osaka - Die Flucht vor den Folgen des Erdbebens!"„Die Katastrophe lässt mich nicht los", sagt Christoph Neumann (43) zur tz. Der Münchner Autor hatte am Freitag berichtet, wie er das Beben in Tokio erlebt hat – jetzt ist er nach Osaka geflohen.

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„Wir wurden in der Nacht zu Samstag dreimal durch die Handy-Erdbebenwarnung des japanischen Wetterdienstes geweckt, konnten kaum schlafen“, erzählt Neumann, der seit 15 Jahren in Japan lebt. „In der Früh haben mich meine Eltern bekniet, aus Tokio zu flüchten.“ Mental hatten sich Neumann und seine chinesische Ehefrau ohnehin darauf eingestellt. „Wir haben die wichtigsten Sachen gepackt, haben innerhalb einer Stunde unser Haus verlassen und sind zum Bahnhof geeilt.“ Dort sind sie in den ersten Schnellzug Shinkansen in Richtung Osaka – etwa 500 Kilometer von Tokio entfernt – gestiegen.
„Als ich meinen Freunden davon erzählt habe, haben sie mich als Weichei verspottet.“ Einige Stunden später sind die meisten dann nachgekommen. Trotzdem: „Die Flucht beschränkt sich meinem Eindruck nach auf die Ausländer.“ Sogar ein günstiges Hotel konnte Neumann noch übers Internet buchen.

In Osaka sind Neumann und seine Frau erst mal in einen Park gegangen. „Die Vögel haben gezwitschert. Da fiel auf einmal der ganze Stress des Vortages von mir ab. Ein absolutes Hochgefühl!“ Am liebsten wollte er gar nicht mehr über die Katastrophe reden. „Aber jetzt sitze ich natürlich schon wieder vor dem Fernseher.“

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Während in Osaka eine angespannte Normalität herrscht, bekommt Neumann aus Tokio ganz andere Nachrichten. „Mein bester Freund stammt aus New York und harrt noch in Tokio aus. Er vergleicht die Situation mit dem 11. September.“ Er beschreibt völlige Hilflosigkeit trotz eigener Unversehrtheit. „Meinem Freund haben sie schon das Gas abgeschaltet, er kann also noch nicht einmal kochen.“

Die Informationen, die Neumann aus dem Fernsehen erhält, sind widersprüchlich. „Laut Regierung beträgt die Strahlung nur den dreifachen Wert einer Röntgen-Untersuchung im Krankenhaus.“ In einem Fernsehsender empfiehlt dagegen ein Experte den Menschen in der Nähe des Reaktors, die Hände unbedingt zu waschen und ihre Kleider nicht mitzunehmen. „Zwischen dreimal Röntgen im Krankenhaus und sich völlig desinfizieren ist natürlich eine große Diskrepanz. Das sorgt für großes Unbehagen.“ Neumanns große Sorge: Der Unfall könnte doch schlimmer sein und die Regierung könnte Informationen zurückhalten, um einer Panik vorzubeugen. „Man sieht diese gewaltige Katastrophe, wird aber nicht richtig informiert und bekommt auch keinerlei Entscheidungshilfe, was man persönlich machen soll.“

Eines steht für ihn fest: „Innerhalb der nächsten Woche werden wir nicht nach Tokio zurückkehren!“ Neumann befürchtet, für die destabilisierten Gebäude könnte ein neues Beben zu viel sein. Neumann überlegt gar, zu den Schwiegereltern nach China zu fliehen. Doch wie soll es dann weitergehen? „Ich habe meinen Computer nicht mitgenommen und kann nicht arbeiten. Wenn wir nach China fahren, lassen wir unsere Existenz hier zurück.“

tz

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