Gedenken an NS-Opfer

Gedenken an NS-Opfer: Stelen und Wandtafeln statt Stolpersteine

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Die Erinnerungsstelen sollen so aussehen wie dieses Modell mit Widerstandskämpferin Sophie Scholl.

Erinnerungstafeln an Hauswänden, Stelen auf Blickhöhe: So soll der Opfer des NS-Regimes in München gedacht werden, nachdem der Stadtrat vor mehr als zwei Jahren Stolpersteine abgelehnt hatte.

München - Am Donnerstag soll im Kulturausschuss die Realisierung der Wandtafeln und der Stelen beschlossen werden. Unklar ist allerdings noch, wo das zentrale Namensdenkmal für alle Münchner Todesopfer des NS-Terrorregimes entstehen soll. Der ursprünglich vorgesehene Standort am Hofgarten ist aus Gründen des Denkmalschutzes offenbar ungeeignet. Ins Visier rückt nun der Platz der Opfer des Nationalsozialismus.

Der Entwurf für die dezentralen Gedenkformen sieht zweidimensionale Elemente an Hauswänden sowie alternativ dreidimensionale Stelen im öffentlichen Raum vor. Die Wandelemente bestehen aus Schildflächen mit vergoldetem Edelstahlblech. Die Schilder sind mit Wohn- und Wirkungsort, Vor- und Nachname, Geburtsjahr und -ort sowie Angaben zum Schicksal der Ermordeten versehen. Porträts sollen indes nur auf Wunsch der Angehörigen als gerasterte Bildelemente Verwendung finden. Bedenken kommen hier vom Stadtarchiv: „Da es in vielen Fällen keine Angehörigen mehr gibt, die darüber entscheiden könnten, würden Bilder für einen Großteil der Betroffenen ausgeschlossen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Die aus einem schlanken Edelstahlstab bestehenden Stelen sollen etwa 1,80 Meter hoch sein. Eine aufgesetzte vergoldete Edelstahlhülse wird bündig integriert. Aufgrund ihrer Dreidimensionalität verteilen sich die Informationen, die identisch zu den Wandtafeln sind, auf zwei Seiten. Nach Bekunden des Kulturreferats sind die Wandtafeln und Stelen somit in Gestaltung und Materialien wiedererkennbar verbunden. Die Wandtafeln sollen durch eine speziell abgedeckte Verschraubung gegen Vandalismus gesichert werden, die Stelen verfügen über eine Kopfplatte mit Schloss.

Die Initiative zur Realisierung von Erinnerungstafeln und Stelen kann von Angehörigen oder Paten ausgehen. Für die Realisierung der Wandtafeln ist die Zustimmung des Hauseigentümers notwendig. Die Stadt strebt hierbei an, Eigentümer der Wandtafeln zu werden. Dasselbe gilt für die Stelen, wobei in diesen Fällen eine Sondernutzungserlaubnis beim Kreisverwaltungsreferat eingeholt werden muss.

Zwei Historiker des Stadtarchivs sind mit der Realisierung des Projekts betraut. Zu ihren Aufgaben zählt unter anderem, den Initiatoren von Wandtafeln oder Stelen bei der Suche nach Angehörigen behilflich zu sein. Außerdem geht es um die Kontaktaufnahme zu Hausbesitzern. Eines ist jedoch klar: Gegen den Willen von Angehörigen darf nichts angebracht beziehungsweise aufgestellt werden.

Für Realisierung, Unterhalt und Pflege von zunächst 100 Tafeln und 100 Stelen stellt die Stadt einen Betrag von insgesamt 150 000 Euro für die Jahre 2018 bis 2020 zur Verfügung. Dies soll sicherstellen, dass das Gedenken auf alle Fälle gewahrt ist, sollten die Initiatoren sich nicht an den Kosten beteiligen.

Die Stadtratsfraktionen tragen den Vorschlag der Verwaltung mit, zeigen sich allerdings irritiert, dass Ort und Form des zentralen Namensdenkmals immer noch nicht entschieden sind. Offenbar gibt es am vorgesehenen Standort im Hofgarten Konflikte mit dem Denkmalschutz, sollte dort eine Mauer mit den Namensinschriften der Opfer errichtet werden.

Das Kulturreferat tüftelt an einer neuen Lösung. Vieles spricht dafür, dass nun der Platz der Opfer des Nationalsozialismus zum Zuge kommt. Klar ist, dass die Mauer mit den Namen der NS-Opfer erweiterbar sein muss. Grund: Knapp 5000 ermordete Münchner unterschiedlicher Opfergruppen sind bisher bekannt. Die Historiker der Stadt gehen aber davon aus, dass das NS-Regime bis zu 10 000 Münchner Bürger umgebracht hat.

Lesen Sie dazu: Kriegsende in München – Die letzten Tage vor der Befreiung 1945.

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