So gefährlich leben Münchens Radlfahrer

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München - Nach der Diskussion um die "Radl-Rambos" und die über 5000 Strafzettel für Radlfahrer ist jetzt klar: In München lebt man auf dem Fahrrad gefährlich.

Von wegen Rambos: Münchens Radlfahrer leben viel gefährlicher als in den meisten Großstädten – und zwar größtenteils unverschuldet. Während andernorts die Unfallzahlen sinken, steigen sie in der Stadt im langjähringen Vergleich an. Und während anderswo kein einziger Radler sein Leben auf der Straße lassen muss, starben in der Stadt in denvergangenen sechs Jahren 25 Fahrradfahrer.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Verkehrsclub Deutschland (VCD): Die Landeshauptstadt hält zusammen mit acht anderen Städten die rote Laterne. „München muss an der Fahrrad-Infrastruktur arbeiten“, sagt Anja Hänschel, Verkehrssicherheits-Expertin des VCD. So fanden die Tester eher schlechte Radwege als Radl-Rambos – Rowdys gebe es überall. „München bildet keine Ausnahme“, sagt die Expertin.

Nur rund jeder zweite Unfall werde von Radlern selber verursacht. Außerdem hätten auch viele der selbst verschuldeten Unglücke nichts mit Rowdytum zu tun. Die häufigste Ursache sei falsche Straßenbenutzung – wenn etwa Geisterradler mit Autos oder Zweirad-Genossen zusammenknallen. „Das hat oft damit zu tun, dass der richtige Radweg durch parkende Autos zugestellt ist, Fußgänger dort laufen oder die Verkehrsführung an einer Kreuzung zu kompliziert ist“, sagt Anja Hänel vom VCD.

So heiß ist der Radsport

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Untersucht hat der Club die Zeit seit 2005, wobei in München die Zahl der Verunglückten im vergangenen Jahr zurückging. Unterm Strich bleibt dennoch ein Unfall-Plus von einem Prozent, während bundesweit die Zahlen um drei Prozent zurückgingen. Am deutlichen Anstieg des Radverkehrs kann es nicht liegen: Andernorts sinken die Unfallzahlen, wenn mehr Menschen aufs Zweirad umsteigen – weil sie dann sichtbarer sind, stellen die Autoren fest.

In 14 Städten starb 2010 sogar kein einziger Radfahrer. Der VCD fordert etwa: Radwege auf die Fahrbahn, klar markierte Trassen und Kontrollen von Falschparkern am besten durch Fahrradstreifen.

Blamage für die Radlhauptstadt

Die tz berichtete schon Ende Mai darüber, nun ist es offiziell: Nach 2010 ist die Stadt München heuer erneut an der Organisation eines Jedermann-Rennens im Rahmen der München Cycling Days gescheitert. „Das attraktive Streckenkonzept, mit dem viele tausend Teilnehmer begeistert werden sollten, bedeutete einen in der Summe zu hohen Aufwand für die Region München“, heißt es in der Mitteilung der Veranstalter, darunter das städtische Sportamt.

Wie schon im Vorjahr hat die Regierung von Oberbayern die Genehmigung verweigert. Als Gründe nannte sie der tz unter anderem, dass sich zahlreiche Umlandgemeinden wie Vaterstetten und Grasbrunn gegen eine Radlrundfahrt auf ihren Straßen ausgesprochen hätten, weil dies zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt hätte. Im kommenden Jahr wollen die Cycling Days einen dritten Anlauf wagen…

DAC

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