Gefährlicher Sadist auf freiem Fuß

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Versteckt sich vor der Kamera: Mario S. vor Gericht.

München - Durch nachträgliche Sicherungsverwahrung will die Staatsanwaltschaft einen Sexualtäter, der seine Strafe abgesessen hat, wieder ins Gefängnis bringen. Die Chancen stehen schlecht, obwohl Gutachter den Mann für gefährlich halten.

Zehn Jahre hat der sadistische Vergewaltiger Mario S. im Gefängnis gesessen, weil er seine Freundin grausam gequält hatte. Zwischen September und Oktober 2000 hatte er die damals 23-jährige Krankenschwester verprügelt, sie in seiner Wohnung am Harras zu brutalen Sex-Praktiken mit Gegenständen gezwungen und ihr mit dem Tod gedroht. Mehrere Tage hatte er sie in einem Hotel in Österreich festgehalten und dort misshandelt und vergewaltigt. Inzwischen befindet sich der heute 38-Jährige wieder auf freiem Fuß. Er hat seine Haftstrafe verbüßt.

Doch psychiatrische Gutachter bescheinigen, von Mario S. gehe nach wie vor Gefahr aus. Er leide an einer sexualsadistischen und querulatorischen Störung, die sich in der Zwischenzeit zu einer schizophrenen Psychose ausgewachsen haben könnte. Deshalb hat die Münchner Staatsanwaltschaft die nachträgliche Sicherungsverwahrung für Mario S. beantragt. Seit Dienstag beschäftigt sich das Landgericht München mit dem Fall, den die 8. Strafkammer innerhalb von drei Verhandlungstagen bis zum 21. Juli abschließen will.

Mario S. hatte seine Freundin wochenlang misshandelt. Aus Angst trennte sich die Frau nicht von ihm. Gefügig hielt er sie mit Drohungen wie diesen: „Irgendwann, wenn du denkst, alles ist in Ordnung, drehst du den Zündschlüssel um und dein Auto fliegt in die Luft“ oder „Du hast das zu tun, was ich dir befehle. Ich werde dich züchtigen, foltern. Wenn es sein muss bis zum Tod, wenn du es nicht begreifst.“ Erst nach dem Wochenende in Österreich, an dem sich grausame Szenen abspielten, fasste die Freundin den Mut, zur Polizei zu gehen.

Am 8. Mai 2002 verurteilte das Landgericht Mario S. Einer Therapie im Gefängnis widersetzte sich der Vergewaltiger vehement. Dennoch stehen die Aussichten der Staatanwaltschaft, die nachträgliche Sicherungsverwahrung durchzusetzen, schlecht. Das hat der Vorsitzende Richter in diesem Fall am Dienstag bereits kund getan und geraten, den Antrag zurückzuziehen. Nach bisheriger Einschätzung der zuständigen Kammer, erklärte Richter Gilbert Wolf, seien die Voraussetzungen für die nachträgliche Maßregel nicht erfüllt. Seit der Verurteilung von Mario S. hätten sich keine neuen Tatsachen ergeben, daher bestehe wohl keine Möglichkeit, die nachträgliche Sicherungsverwahrung anzuordnen. Eine Doppelbestrafung sei unzulässig.

Das hatte auch das Oberlandesgericht (OLG) München erklärt, das Mario S. am 16. Juni dieses Jahres auf freien Fuß setzte. Zwar sei der Mann in der Haft durch seine extrem querulatorische Art aufgefallen und habe auch zahlreiche Disziplinarverfahren gehabt. Dies sei aber eher als eine „unangemessene Störung“ zu betrachten. Selbst die Drohung des Mannes, ob er erst wieder eine Geisel nehmen müsse, um zu seinem Recht zu kommen, bewerteten die OLG-Richter als nicht ausreichend. Es sei fraglich, ob so etwas überhaupt ernst genommen werden könne.

Die Staatsanwaltschaft jedoch nimmt derlei Äußerungen ernst. Zudem sieht die Anklagebehörde die Psychose von Mario S. als Novum, das bei der Verurteilung noch nicht vorgelegen habe. Fraglich, ob das ausreicht. Denn das Bundesverfassungsgericht hat im Mai entschieden, dass die nachträgliche Sicherungsverwahrung nur dann erlaubt, wenn eine hochgradige Gefahr für schwerste Gewalt- und Sexualstraftaten zu erkennen ist und eine psychische Störung vorliegt.

bl

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