Gefangen im U-Bahn-Tunnel

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Wie dieser ältere Zugtyp auf unserem Archivbild, so ist nun ein neues Modell mitten im Tunnel stehen geblieben. Günther Sch. und viele weitere Fahrgäste ärgerten sich über die mangelnde Information

München - Günther Sch. saß mit anderen Passagieren fast eine Stunde im U-Bahn-Tunnel fest. Nun ärgert er sich: Es gab kaum Durchsagen, dafür aber dumme Sprüche.

Günther Sch.

Für Günther Sch. (57) lief es am Mittwoch richtig unterirdisch. Er sitzt beim Arzt in der Innenstadt und muss so lange warten, dass er unverrichteter Dinge aufsteht, um es noch heim nach Milbertshofen zu einem anderen Termin zu schaffen. Er sei am Marienplatz gegen 17.20 Uhr in die U3 gestiegen, berichtet er – dann bleibt der Zug im Tunnel zum Odeonsplatz stehen. Nichts geht mehr. Das Licht wird schwächer.

Fast eine Stunde hält der Zug Günther Sch. und Dutzende Passagiere im Tunnel gefangen. Fast eine Stunde bei Dämmerlicht. Die U-Bahnfahrerin gibt die Störung nur kurz bekannt, dann verstummen die Lautsprecher für fast eine Stunde. Und hinter dem kaputten Zug stauen sich die Züge – U-Bahn-Chaos! Die MVG bestätigt den Vorfall. Der Zug war bereits zwei Tage vorher, am Montagabend, auf der U5 stehengeblieben.

Günther Sch. hat Druck – nicht nur weil ihm der nächste Termin im Nacken sitzt, er muss auch ganz dringend für kleine U-Bahnpassagiere. Erst gehen die Lichter im Zug aus, dann schaltet die MVG die Beleuchtung im Tunnel an, wenigstens das. Ein Verkehrsmeister eilt herbei und hetzt mit der U-Bahnfahrerin durch den Zug der neusten Bauart. Günther Sch. fragt, ob es eine Möglichkeit gebe rauszukommen. Es pressiert. „Dann machen sie halt in den Aschenbecher oder auf den Boden“, habe einer vom Personal zu ihm gesagt. Auch sie stehen unter Druck. Die Funksprüche und das Knacksen sind in der ganzen Bahn zu hören.

Die Passagiere seien erstaunlich gelassen geblieben, berichtet Günther Sch. „Da waren ein paar Kinderwagen. Die Kinder haben geweint. Aber die Fahrgäste waren zum Glück ganz unaufgeregt“, sagt der gelernte Raumausstatter. Er darf immer noch nicht.

Irgendwann ruckt es. Die nachfolgende U-Bahn schiebt den Zug in den Bahnhof Odeonsplatz. Um 18.13 Uhr hätten die Passagiere dort aussteigen können, erklärt MVG-Sprecherin Bettina Hess.

Der gleiche Zug sei bereits am Montag um 17.10 Uhr auf der U5 am Bahnhof Westendstraße liegengeblieben. Dort konnten die Fahrgäste noch hinten im Zug aussteigen. Bereits am Montag hätten die Techniker den Zug überprüft, seit Mittwoch steht er wieder im Depot. Bislang ist die Ursache laut MVG unklar.

Günther Sch. ärgert sich nicht über die Panne: „Das kann passieren.“ Viel mehr regt ihn der Umgang auf – keine Durchsagen, sondern dumme Sprüche. Seinen Arzttermin hat er jedenfalls verpasst. ­Dafür rannte er am Odeonsplatz die Rolltreppe hinauf, so schnell er noch konnte …

David Costanzo

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