Schwerer Unfall in München: Mindestens ein Mensch lebensgefährlich verletzt

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Körperverletzung im Amt

Gefesselte Frau geschlagen: Prügel-Polizist abgewatscht

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Frank W. (r.) auf der Anklagebank: Das Landgericht verurteilte ihn wegen Körperverletzung im Amt zu zehn Monaten Haft auf Bewährung. Links Teresa Z. nach der Nacht auf der Polizeiwache.

München - Skandal auf dem Polizeirevier: Eine Frau liegt gefesselt auf einer Pritsche und wehrt sich. Ein Polizist bricht ihr das Nasenbein. Nach der vor gut einem Jahr ausgesprochenen Bewährungsstrafe kommt nun noch eine Degradierung dazu.

Er hatte Teresa Z. mit einem Faustschlag die rechte Gesichtshälfte zertrümmert – aus einer Notwehr-Situation heraus, wie er auch nach mehr als zwei Jahren betont. Jetzt ist Frank W. (35), der Prügel-Polizist aus der Au, von der Disziplinarkammer des Verwaltungsgerichts selbst abgewatscht worden!

W. darf zwar weiter im Dienst bleiben, wird aber vom Polizeihauptmeister um zwei Stufen zum Polizeimeister degradiert. Laut Richterin Cornelia Sauter-Schwarzmeier wäre auch die Entfernung aus dem Dienst als „Höchstmaßnahme“ gerechtfertigt. Weil ihm seine Vorgesetzten aber ein positives Persönlichkeitsbild bescheinigen, darf Frank W. weiterhin Polizist bleiben. „Es wäre besser gewesen, Sie wären gegangen“, sagte die Vorsitzende, während sie Frank W. vernahm.

Der zweifache Familienvater hatte Teresa Z. am 13. Januar 2013 in einer Arrestzelle mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Die Situation war eskaliert, weil ihn die junge Frau bespuckt und beleidigt hatte. Sie war nach einem Streit mit ihrem Freund festgenommen und im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung mit den Polizisten auf einer Pritsche gefesselt worden.

Frank W. wurde dafür vom Amtsgericht zu 10 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, das Landgericht bestätigte das Urteil. „Der Faustschlag war mit Sicherheit nicht das geeignetste Mittel“, gab er auch am Montag vor dem Verwaltungsgericht zu. Der Vorfall sei innerhalb weniger Sekunden passiert. Er sei davon ausgegangen, dass Teresa Z. ihm einen Kopfstoß verpassen wollte. „Ich habe so reagiert. Warum, kann ich nicht sagen“, betonte er. Die Richterin hakte nach: „Warum musste man die Frau denn überhaupt fesseln?“ In der Zelle seien zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung fünf weitere Polizisten gewesen. „Da hätte es doch sicherlich andere Lösungen gegeben, um die Situation zu beruhigen.“ Schließlich folgte die Richterin dem Antrag der Klägerseite und degradierte W. um zwei Stufen.

Teresa Z. verfolgte den gestrigen Prozess nur aus der Ferne. Ihr Anwalt Franz J. Erlmeier sagte der tz: „Wir sind keine Racheengel. Für uns war der Fall nach der Zahlung des Schmerzensgeldes erledigt.“

Die Chronologie des Prügel-Skandals

 Am 20. Januar 2013 gegen 16 Uhr beginnt der Polizeieinsatz, in dessen Verlauf Polizist Frank W. der 22-jährigen Teresa Z. das Gesicht zertrümmert. Ein Faustschlag mit Folgen – die Chronologie:

5. Februar 2013: Unter dem Titel „War das wirklich Notwehr?“ berichtet die tz exklusiv von dem Vorfall in der Arrestzelle

22. Mai 2013: Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Frank W. wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Er wird sofort vom Dienst suspendiert.

6. August 2013: Urteil im Prügel-Prozess: Frank W. erhält zehn Monate auf Bewährung.

25. Februar 2014: Für Frank W. beginnt vor dem Landgericht der Berufungsprozess.

10. März 2014: Auch das Landgericht entscheidet auf zehn Monate Haft auf Bewährung

16. Juli 2014: Der Prügel-Polizist wird wieder im Innendienst eingesetzt.

19. August 2014: Teresa Z. erhält vom Polizeipräsidium München ein Schmerzensgeld von mehr als 10 000 Euro.

9. März 2015: Frank W. wird degradiert.

Johannes Heininger

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