Gegen Fachkräfte-Mangel

Philippinos für die Altenpflege

München - Der Bedarf an Pflegekräften ist enorm. Auf der Suche nach Personal geht die Innere Mission nun neue Wege: Sie rekrutiert Mitarbeiter und Auszubildende in Asien. Andere Sozialunternehmen schließen nicht aus, dem Beispiel zu folgen.

Knapp 2,5 Millionen Menschen bundesweit sind derzeit pflegebedürftig. Bis 2030 wird ihre Zahl dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge auf 3,22 Millionen steigen. Damit wächst auch der Bedarf an Pflegefachkräften – und die sind Mangelware. Bei der Münchner Agentur für Arbeit sind derzeit 106 offene Altenpflege-Stellen gemeldet. Die Innere Mission München setzt jetzt auf Personal aus Asien: Bis Anfang März nehmen 20 philippinische Pflegekräfte die Arbeit in den Einrichtungen des Sozialunternehmens auf. Zudem werden seit September zwölf Vietnamesen in der evangelischen Pflegeakademie ausgebildet.

Die Philippinos fand die Innere Mission in der Schweiz. Dort dürfen sie nur 18 Monate arbeiten, weshalb sie nun eine Anschlussbeschäftigung als Pfleger suchen, wie Günther Bauer erklärt. „Nicht zuletzt, weil sie eineinhalb Jahre als Pfleger in der Schweiz gearbeitet haben, sprechen sie bereits Deutsch“, erklärt der Vorstand der Inneren Mission. Auch kulturelle Probleme fürchtet Bauer nicht: „Die Philippinen sind ein christlich geprägtes Land.“ Bauer will nicht ausschließen, künftig direkt auf den Philippinen Personal anzuwerben: „Dort finden bis zu 200 000 Pflegekräfte jährlich keine Arbeit. Wir schnappen also niemandem das Personal weg.“ Anders ist die Situation in Polen, wo Pfleger ebenfalls rar sind. Viele Sozialunternehmen, etwa die Caritas, haben sich deshalb verpflichtet, dort keine Pfleger zu rekrutieren.

Während die Philippinos aus der Schweiz in München voll einsatzfähig sind, befinden sich die Vietnamesen in der Ausbildung. Die Innere Mission hat sie im Rahmen eines Projekts der deutschen und vietnamesischen Regierungen sowie der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach München geholt. Das Projekt sieht vor, etwa 100 vietnamesische Pfleger, die über gute deutsche Sprachkenntnisse verfügen, hierzulande weiterzubilden. Bislang ist die Innere Mission zufrieden mit den Azubis aus Vietnam: „In Vietnam erfahren alte Menschen mehr Wertschätzung als hierzulande“, sagt Bauer. Senioren würden dort als Erfahrene betrachtet, die eine Lebensleistung hinter sich haben.

Auch andere Sozialunternehmen setzen auf Fachkräfte aus dem Ausland. Bislang rekrutieren sie diese aber vor allem in Europa – mithilfe von Agenturen und der GIZ. „Unsere ausländischen Fachkräfte stammen hauptsächlich aus Ex-Jugoslawien und dem südöstlichen Mittelmeerraum“, sagt AWO-Geschäftsführer Christoph Frey. Ob die AWO die Suche auf Asien ausweiten will? „Bislang hat sich das noch nicht ergeben, aber vorstellbar ist das durchaus“, sagt Frey.

Ähnlich sieht das Caritas-Sprecherin Adelheid Utters-Adam. „Im Moment gehen wir diesen Weg nicht. Nicht zuletzt, weil wir keine Kontakte nach Asien haben. Aber für die Zukunft kann ich es nicht ausschließen.“ Im Februar fangen fünf Bosnier bei der Caritas an: „Sie beginnen als Hilfskräfte und werden berufsbegleitend weiterqualifiziert, um die staatliche Anerkennung als Fachkraft zu bekommen“, erklärt Utters-Adam.

Bei der Münchenstift stammen laut Geschäftsführer Siegfried Benker mehr als die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Ausland. Aus 72 Nationen, vor allem aus Südosteuropa: „Ohne Fachkräfte aus dem Ausland ist die Pflege nicht mehr machbar“, sagt Benker.

Dabei setzen die Unternehmen nicht nur auf ausländisches Personal: Sie verbessern die Ausbildungsqualität und präsentieren sich als attraktive Arbeitgeber: „Die Innere Mission zahlt Fachkräften ein Einstiegsgehalt von 2600, 97 Euro und ein 13. Monatsgehalt in Höhe von 80 Prozent.“, wirbt Bauer. „Darin sind die Zuschläge für Nacht- und Feiertagsdienste noch nicht enthalten!“ Er sieht jedoch auch die Politik in der Pflicht – und fordert eine Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge um einen Prozentpunkt.

Bettina Stuhlweissenburg

Rubriklistenbild: © dpa

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