Gegen Hausordnung verstoßen

Sie kündigt einer rauchenden Mieterin fristlos

+
Else W. und ihr Lebensgefährte Dieter sehen die Kündigung als einzigen Ausweg.

München - Else W. (72). kommt das neue Raucher-Urteil vom 31. Juli entgegen. Sie haben einer Mieterin jetzt wegen des Qualmens und der Belästigung der Mieter fristlos gekündigt!

Ob's regnet oder stürmt – im Flur des Mietshauses in Harlaching stehen die Fenster ständig offen. Denn den Mietern stinkt’s gewaltig. „Wir müssen lüften, weil der Zigarettenrauch einer Mieterin ständig runterzieht“, sagt die Vermieterin Else W. (72). Ihnen kommt das neue Raucher-Urteil vom 31. Juli entgegen. Sie haben der Mieterin jetzt wegen des Qualmens und der Belästigung der Mieter fristlos gekündigt!

„Das gesamte Haus ist ein Nichtraucher-Haus, weshalb unsere Mandantin besonderen Wert darauf legte, dass auch Sie nicht rauchen“, heißt es in dem Kündigungsschreiben an die Mieterin, das die Anwaltskanzlei von Lutz Libbertz im Auftrag von W. verfasst hat. Weiter heißt es: „Trotzdem rauchen Sie und ihre Bekannten weiter. Der Rauch zieht in das Treppenhaus, weil Sie nicht lüften und die Fenster ganztags und nachts verschlossen halten. Sie gefährden damit nicht nur die Gesundheit der weiteren Mieter unserer Mandantin, sondern auch den allgemeinen Hausfrieden und verstoßen gegen die Hausordnung. (...) Die Mieter sind durch den Zigarettengestank in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.“

Rauchverbote in den Bundesländern

Rauchverbote in den Bundesländern

Dass es so weit kommen musste, dass ein Anwalt die Sache regelt, bedauert die Vermieterin. „Wir verstehen uns eigentlich sehr gut mit unseren Mietern, die anderen sind auch sehr vernünftig.“ Vor dem Einzug im Mai dieses Jahres habe die Mieterin versichert, nicht zu rauchen und auch ihre Gäste nicht rauchen zu lassen. „Es geht ja nicht nur um die Gesundheit von mir und meinem Lebensgefährten. Es beschweren sich auch die anderen Mieter, die teilweise schon seit neun Jahren hier wohnen. Gott sei Dank leben unserem Haus derzeit keine Kinder – das wäre ja noch schlimmer, wenn die auch mitrauchen müssten.“

Kaum war der Mietvertrag unterschrieben, habe die Mieterin ihr wahres Gesicht gezeigt. Die Rentnerin erzählt, dass sie es mit gutem Zureden versucht habe. „Aber die Mieterin hat uns nur ausgelacht.“ Also bekam die Mieterin eine Abmahnung. „Aber auch danach war sie völlig uneinsichtig.“

Jetzt ist Else W. gespannt, ob die Mieterin auszieht. „Falls nicht, müssen wir wohl vor Gericht ziehen.“ Wer gewinnt den Raucher-Kampf? W.’s Anwalt Lutz Libbertz hält das Urteil aus Düsseldorf auf jeden Fall für wegweisend: „Die krasse Anti-Werbung auf den Zigarettenwerbungen wird nicht mehr nötig sein. Die nichtrauchenden Vermieter werden ihre rauchenden Mieter rauswerfen.“

"Sprechen Sie mit dem Nachbarn"

Die große Raucher-Debatte beschäftigt auch die Münchner Mieter. „Die vielen Anfragen, die uns erreichen, kamen bislang nicht von besorgten rauchenden Mietern, sondern ausschließlich von Nichtrauchern, die jetzt gegen ihre rauchenden Nachbarn vorgehen wollen“, berichtet Dorothea Modler vom Mieterverein.

Ob qualmender oder nicht-qualmender Mieter – die Expertin dämpft die Erwartungen beider Seiten. „Das Urteil ist nicht so dramatisch. Nach wie vor darf der Mieter in der Wohnung und auf dem Balkon rauchen – eine Formalklausel im Mietvertrag ist nicht zulässig.“ Im Fall des Düsseldorfer Mieters habe unter anderem ein Verfahrensfehler seiner Anwältin zur Entscheidung gegen den Raucher geführt. „Andere, ähnliche Fälle können aber anders ausgehen, zum Beispiel weil sie an fehlenden Beweisen des Vermieters scheitern.“

Denn wenn der Vermieter erfolgreich gegen den rauchenden Mieter vorgehen will, muss er beweisen, dass es durch den Raucher zu einer starken Rauchentwicklung vor dem Fenster oder der Tür anderer Mieter oder im Treppenhaus kommt. „Wenn er das nicht kann, ist der rauchende Mieter zumindest vorerst noch sicher. In ein paar Jahren ändert sich da vielleicht auch höchstrichterlich etwas.“

Den nichtrauchenden Mietern, die sich von qualmenden Nachbarn belästigt fühlen, kann Modler nur raten: „Sprechen Sie mit Ihrem Nachbarn. Schlagen Sie ihm Rauchzeiten vor. Wenn das nichts hilft, wenden Sie sich an den Vermieter. Nur der kann juristisch gegen den Raucher vorgehen.“

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Technische Störung bei S2 behoben
S-Bahn: Technische Störung bei S2 behoben
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare