McKinsey nimmt Bücher auseinander

Geheime Untersuchung bei den Kliniken

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Das Klinikum Schwabing

München - Unruhe bei den Angestellten, Wirbel im Aufsichtsrat: Derzeit nimmt die New Yorker Unternehmensberatung McKinsey die Bücher des Städtischen Klinikums auseinander.

Ziel: Das Unternehmen soll effektiver werden. Doch was die Sanierer genau machen, ist streng geheim.

Nach tz-Informationen beläuft sich der Auftrag auf insgesamt 5,5 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Beratungsvertrag, über dessen Ausschreibung im Aufsichtsrat zuletzt so lang gestritten wurde, bis man dem Vorsitzenden Hep Monatz­eder das Misstrauen aussprach, belief sich auf rund 180 000 Euro.

„Wir dachten 2011 noch, es geht nur darum, dass die neue Geschäftsführerin Dr. Eliza­beth Harrison für die Zeit, in der sie alleine ist, Unterstützung braucht“, so Stadträtin Manuela Olhausen (CSU), die für die Stadt im Aufsichtsrat sitzt. Doch als im März 2012 die Geschäftsführung wieder komplett war, bekam McKinsey den nächsten Vertrag.

Ob es eine Ausschreibung gab? „Der Auswahlprozess entsprach den rechtlichen Vorgaben“, ließ Harrison am Donnerstag ausrichten. Dabei ist die Rede von einer „Beratungsleistung zur Unterstützung der Städtischen Klinikum München GmbH bei der Durchführung des Sanierungsprojektes“.

Doch was McKinsey tut, weiß noch nicht mal der Aufsichtsrat, den Harrison demnächst informieren will. „Was wir McKinsey zahlen, ist gigantisch. Da wollen wir wissen, was die tun“, so Olhausen. Die Summe war dem Aufsichtsrat bis vor kurzem unbekannt.

Ein wenig Licht ins Dunkel brachte der Rechnungsprüfungsausschuss im November. „Mit Hilfe der Unternehmensberatung McKinsey gelang es der Geschäftsführung mit Stand August 2012, den Unternehmensplan 2012 in etwa einzuhalten“, hieß es da.

Gewerkschaftsvertreter hatten McKinsey in der Vergangenheit vorgeworfen, zu sehr nach eigenen Standards zu arbeiten. So soll die Firma der Berliner Klinikgesellschaft Vivantes 2006 zur Einsparung die Abschaffung des Pförtners, die Ausdünnung der Rettungsstelle und die Reduzierung der Reinigung vorgeschlagen haben …

Johannes Welte

 

„Das sind Brutal-Sanierer“

McKinsey durchforstet gerade die städtischen Kliniken nach Einsparpotenzial. Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von verdi München, Heinrich Birner, und dem für den Konzern zuständigen Gewerkschaftssekretär Christian Reischl.

Herr Birner, wie sehen die Arbeitnehmer die Beratung des Klinikums durch McKinsey?

Heinrich Birner: Die haben keinen guten Ruf, sie sind als Brutalsanierer bekannt, die Arbeitsplätze abbauen.

Sind Sie zufrieden mit den Rezepten zur Klinik-Sanierung, Herr Reischl?

Christian Reischl: Ich halte die geplante Ausgliederung der Wäscherei und der Gebäudereinigung an Private für falsch. Dort geht es um 270 Beschäftigte.

Was soll mit diesen Leuten passieren?

Reischl: Die sollen von der Stadt übernommen werden, etwa in der Friedhofsverwaltung oder in der Hauswirtschaft von Kitas.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial?

Reischl: Das Klinikum spricht von vier Millionen Euro jährlich, wir gehen von zwei Millionen Euro aus.

Würde das auch anders gehen?

Birner: Ich habe gehört, dass man das Augsburger Klinikum wieder in die schwarzen Zahlen gebracht hat, ohne den Textilservice und die Gebäudereinigung auszugliedern.

Wie geht es eigentlich im Aufsichtsrat weiter, nachdem OB Ude mit der Entmachtung der Arbeitnehmer gedroht hat?

Birner: Es laufen positive Gespräche, ich denke, wir sind auf einem guten Weg.

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