Geheimes Gutachten: Alle Pläne für die S8

München - Die S-Bahn S8 muss viergleisig ausgebaut werden, damit ein Flughafen-Express freie Fahrt hat. Wie soll das klappen? Der tz liegt ein geheimes Gutachten vor.

Der Osten der Stadt wird sich verändern: München wächst über Daglfing, Englschalking und Johanneskirchen hinaus, die Stadt plant ein neues Wohngebiet für 10 000 Menschen und 4000 Jobs. Und die S-Bahn S8 muss viergleisig ausgebaut werden, damit ein Flughafen-Express freie Fahrt hat – erst recht, wenn eine dritte Startbahn noch mehr Passagiere anzieht.

Aber: Die Trasse zerschneidet den Münchner Osten schon heute. Wie soll das erst mit vier Gleisen werden? Inklusive Vier-Meter-Lärmschutzwand könnte eine Art Berliner Mauer quer durch München entstehen! Das ist die billigste der geprüften Varianten im geheimen Gutachten von Verkehrsministerium und Stadt, das der tz vorliegt. Für die teuerste macht sich die Stadt stark – ein drei Kilometer langer Tunnel. Die Gutachter schlagen einen Kompromiss vor. Alle Pläne im Überblick:

Die Gutachter rechnen mit bis zu acht Jahren Bauzeit und 670 Millionen Euro Kosten: Der Tunnel zwischen Daglfing und Johanneskirchen sei „aus städtebaulicher und landschaftsplanerischer Sicht die beste Lösung“. Bei dieser Variante 5b würden 500 Millionen Euro an der Stadt hängen bleiben, weil der Freistaat nur die 175 Millionen Euro für den oberirdischen Ausbau zuschießen will.

Fast genauso teuer kommen die Varianten 5c, 5d und 5e, mit einer verkürzten Röhre zwischen Daglfing und Englschalking, zwei ganz kurzen Tunnels oder einer Kombination mit einem Trog. Dabei wird die Strecke im Prinzip nur tiefergelegt – auch ohne Deckel über den Gleisen soll der Lärm abnehmen. Aber: Diese Varianten schlagen insgesamt mit 540 bis 625 Millionen Euro bei gleicher Bauzeit zu Buche. „Die Lösungen führen zu nur relativ geringen Einsparungen, einer ungünstigen Streckenführung und technisch aufwändigen Baumaßnahmen“, so die Gutachter.

Bleibt die laut Gutachter „nackte Variante“ – also einfach vier Gleise im oberirdischen Ausbau, vier Meter hohe Lärmschutzmauer, fertig. Diese Variante 5a kostet bei einer Bauzeit von vier Jahren nur 175 Millionen Euro. Nur die will der Freistaat übernehmen. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) sagte: „Wer Luxus will, der muss bezahlen.“ Selbst die Gutachter befürchten bei dieser Variante einen „Zerschneidungseffekt“ – selbst wenn die bislang nur vier Straßen-Querungen für 35 Millionen Euro ertüchtigt werden.

Darum schlagen die Experten eine erweiterte Variante 5a plus vor – Ziel sei eine „Integration in die Landschaft, die Anlage großzügiger Grünverbindungen sowie eine städtebauliche Einbindung“ der Trasse. Für diesen grünen Lärmschutzwall haben die Gutachter mehrere Bausteine entwickelt, die je Platz nach und nach zum Einsatz kommen. An manchen Stellen rückt die S-Bahn so nah an die Häuser, dass man nur die Lärmschutzmauer hübsch bepflanzen kann. An anderen Stellen können Wälle aufgeschüttet werden, „die möglichst flache Hangneigungen erhalten und dadurch fließend in die Umgebung übergehen“, erklären die Gutachter. Ost und West sollen durch Brücken für Fußgänger und Radler zusammenrücken – und durch Grünbrücken, die fast aussehen, wie von Natur gemacht. Autos und Motorräder verschwinden in Unterführungen. Insgesamt werde der Lärm trotz Ausbau sogar „spürbar“ reduziert. Diese Variante würde die Stadt rund 100 Millionen kosten.

Die spannende Frage lautet nun: Welchen Ausbau können und wollen sich Bürger, Politik und Stadt leisten?

David Costanzo

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