Diese Kammer ist der Knaller

Ein Regenschirm als Schusswaffe: Die Geheimnisse des Zollfahndungsamts München

+
Petra Loos zeigt‘s: An dem Griff des Regenschirms findet sich ein Knopf – der Auslöser. Der Stock dient als Lauf für die Kugel.

Ein Experte hat für uns das geheime Lager im Zollfahndungsamt München geöffnet. Zum Vorschein treten da ziemlich spektakuläre Dinge. 

München - Der Zoll hat seine Statistik für 2016 vorgelegt. Sie zeigt: Deutschland rüstet auf. Im vergangenen Jahr haben Beamte 293 scharfe Waffen beschlagnahmt – drei Mal so viele wie noch vor sechs Jahren. Jede sichergestellte Pistole, jeder selbst gebaute Schussapparat landet in seinen Händen: Norbert Schindler (56) ist Deutschlands einziger Waffengutachter im Auftrag der Grenzschützer. In 20 Dienstjahren hat er alles gesehen, was sich Waffenschmuggler und Bastler einfallen lassen.

Was nach Business-Class aussah, entpuppte sich als hochgefährlich. Diese Mini-Uzi (9 mm) fanden Beamte an einem Flughafen. Sie war in einer Laptoptasche versteckt.

Lager im Zollfahndungsamt: Schindler, ein kantiger Oberbayer mit Schraubstock-Händedruck, schaut durch den Lauf eines russischen Weltkriegs-Gewehrs und erklärt seine Leidenschaft: „Waffen begleiten den Menschen, seit es ihn gibt.“ Schon jahrtausendealte Höhlenmalereien dokumentieren Jagd- und Kriegsszenen mit Messern, Speeren und primitiven Schusswaffen. Nicht jeder Waffenbesitzer führe gleich Böses im Schilde, sagt Schindler. „Einige sind auch Sammler, die sich ihr Gewehr über die Couch hängen und es jeden Tag putzen wollen.“ Aber ohne Spezialschein ist das verboten – sofern die Waffe funktioniert.

Ein 16-jähriger Heizungsbau-Lehrling hat aus Rohren und etwas Holz eine voll funktionsfähige Schusswaffe gebaut – eine gefährliche Bastelei.

Hier ist die Expertise von Norbert Schindler und seiner Kollegin Petra Loos (50) gefragt. In einer Werkstatt testen sie die Sicherheit und sehen nach, ob sich etwa in den Läufen von Flinten noch Munition versteckt. Auch wichtig: Wurden die Waffen manipuliert? Schindler erinnert sich: „Es gab schon Fälle, da wurden Schreckschusspistolen zu tödlichen Waffen umgebaut.“

Während sich die Polizei um Angelegenheiten im Landesinneren kümmert, fahndet der Zoll hauptsächlich an den Grenzen nach Waffenschmugglern. Autos, Lastwagen, Kleintransporter – überall sind die Ermittler schon fündig geworden. Norbert Schindler geht an ein Regal: „Da habe ich doch…“ Ächzend zieht er ein überdimensionales Maschinengewehr hervor. Mit beiden Händen das kiloschwere Monstrum umklammernd, erzählt er: „Stellen Sie sich vor: Das Ding hatte jemand auf seiner Rückbank offen liegen. Er wollte es bei Bad Reichenhall über die Grenze schaffen.“

(Werden Sie jetzt Fan unserer neuen Facebookseite „Mein Flughafen München“.)

Der Waffen-Profi meint, dass Menschen, die legal eine Waffe besitzen, kein Risiko darstellen. Denn das Waffenbesitzrecht sei in Deutschland streng ausgelegt. „Niemand bekommt einen Waffenschein, wenn ein verantwortungsvoller Umgang angezweifelt wird. Der Waffenbesitzer ist in dieser Hinsicht gläsern“, sagt Schindler.

Hier wird immer scharf geschossen

Ortswechsel: An einem Schießstand in der Nähe von Rosenheim hat Norbert Schindler ein Dutzend russischer Weltkriegsgewehre sorgfältig aufgereiht. Eines nach dem anderen wird er laden, entsichern und damit auf eine breite Wand aus haushoch aufgeschüttetem Sand schießen. Denn jede Untersuchung in der Werkstatt zieht auch einen Praxistest nach sich. Erst dann kann Schindler eindeutig sagen, ob eine Waffe funktionsfähig ist und ob sie umgebaut wurde. Auch für Schulungen kommen Schindler und seine Kollegin an den Schießstand. Der Grundsatz: „Jeder Zöllner muss jede Waffe zu jeder Zeit entladen können.“

Norbert Schindler mit Gewehr.

Der Großteil der Waffen geht nach Begutachtung, Test und datenrechtlicher Erfassung wieder zurück an die jeweilige Zollstelle. Bei Gerichtsprozessen dienen sie als Beweismittel. Kriegswaffen oder vollautomatische Maschinengewehre sind aber generell verboten. Diese werden entweder vernichtet oder als Ersatzteillager und zu Schulungszwecken verwendet.

Gutes Näschen: Ehrung für Athos und Nando, die  Rauschgiftspürhunde des Zolls

Prämierte Hunde und ihre Führer (v. l.): Rainer Waldmann zusammen mit Athos, Flughafen-Zollchef Manfred Hofmann sowie Fabian Dantscher mit Nando. 

Für das Auffinden von Rauschgift in mehreren Fällen am Münchner Flughafen wurden Athos und Nando mit einer Ehrenplakette des Deutschen-Schäferhund-Verbandes für ihren erfolgreichen Einsatz ausgezeichnet. Als Anerkennung erhielten die Hundeführer Rainer Waldmann und Fabian Dantscher eine Urkunde, denn nur im Team können die Rauschgiftspürhunde so erfolgreich arbeiten.

Lesen Sie hier: Zoll findet kompletten präparierten Wolf in Koffer.

Auch interessant

Kommentare