Geisterradler gestoppt: Mann muss blechen

München - Peter K. (Name geändert) hat sich einem Geisterradler entgegengestellt – doch jetzt soll er wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eine Strafe bezahlen!

Geschockt betrachtet der Mann die Stelle, an der er vor knapp einem Jahr rücksichtslos von einem Pedal-Rambo vom Radl gestoßen und verletzt wurde. „Hier ist es passiert!“ Peter K. steht auf dem Bürgersteig der Denninger Straße am Forum Bogenhausen und zeigt der tz sein demoliertes Fahrrad. Der Lenker ist durchgebrochen, eine Bremse abgerissen. Er selbst hat noch immer Schmerzen und muss regelmäßig zur Reha. Heute ist Gerichtstermin, angeklagt ist nicht der Geisterfahrer Christian R., sondern Peter K. 

Rückblick auf den 31. August 2011: Um 8.20 Uhr fährt Peter K. mit seinem Radl auf der Denninger Straße zur Arbeit.  Bereits von weitem sieht er Christian R. in hohem Tempo auf sich zukommen. Den kennt er schon. Einmal hat er ihm sogar zugerufen, er soll langsamer fahren. Die Reaktion: ein ausgestreckter Mittelfinger. An diesem Morgen ist der Bürgersteig ziemlich voll, Peter K. streckt dem Geisterradler die linke Hand entgegen, um ihm anzudeuten: „Bleib stehen, fahr langsamer!“

Münchens kuriose Radlfallen

Münchens kuriose Radlfallen

Umsonst: Christian R. versucht mit der geballten Faust die Hand von Peter K. zu treffen, verliert dabei das Gleichgewicht und rast in hohem Tempo in ihn hinein. Während Christian R. sich aufrappelt und flüchtet, liegt Peter K. verletzt am Boden, Trümmerbruch im Schlüsselbein, Bänderabriss am Daumen, Schürfwunden entlang der ganzen rechten Körperseite.

Der Geisterradler hat die Flucht und das Fahren auf der falschen Seite zugegeben – und dennoch gleichzeitig dafür gesorgt, dass Peter K. eine Strafe von 500 Euro zahlen soll – wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“. Das sieht er nicht ein und muss vor Gericht. „Ich verstehe nicht, warum ich der Angeklagte bin, obwohl jemand anderer Schuld an meinem Unfall hat.“

Radl-Horror in München

Fahren auf der falschen Seite, mit Vollgas durch die Fußgängerzone, Rambo-Manieren auf zwei Rädern – das alles gehört in München praktisch schon zum Straßenbild. Erst vor wenigen Wochen hatte ein Geister-Radler einen ­Rentner in der Hansastraße ins Koma gefahren (ohne Licht). Und das Planungsreferat hat festgestellt, dass allein in der Diener- und Residenzstraße täglich bis zu 750 Radler mit gefährlichem Verhalten auffallen.

Antonia Trützschler

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