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Geld-Regen für München? Weiterbetrieb von Isar 2 könnte Stadtwerken München 500 Millionen Euro einbringen

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Von: Sascha Karowski

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Das Atomkraftwerk Isar 2 in der Nähe von Landshut in Niederbayern
Das Atomkraftwerk Isar 2 hätte Ende des Jahres stillgelegt werden sollen. © IMAGO/Sven Simon

Das Atomkraftwerk Isar 2 könnte den Stadtwerken München einen Geldsegen bescheren. Experten gehen davon aus, dass ein Weiterbetrieb des Meilers bis Mai 2023 dem Energieversorger einen Gewinn von bis zu 500 Millionen Euro einbringen könnte.

München - Die Stadt sucht Alternativen zu russischem Gas. Dabei spielen nicht nur Solaranlagen, Windkraft oder Geothermie eine Rolle. Auch wird debattiert, das Atomkraftwerk Isar 2 nahe Landshut weiterlaufen zu lassen – zumindest vorübergehend. Dafür hatte sich zuletzt nicht nur OB Dieter Reiter (SPD) ausgesprochen, auch die Münchner Grünen waren von ihrer ursprünglichen Haltung abgewichen.

Energie für München: Isar 2 könnte Stadtwerken einen Gewinn von bis zu 500 Millionen Euro bescheren

Nun wurde bekannt: Solle das Atomkraftwerk Isar 2 doch länger laufen, könnten die Stadtwerke München (SWM) bis Sommer nächsten Jahres rund 500 Millionen Euro Gewinn erwirtschaften. Das geht aus einem Artikel der ZEIT hervor, in dem unter anderem die Energieökonomin Professorin Karen Pittel zu Wort kommt. Sie ist unter anderem VWL-Lehrstuhlinhaberin an der Ludwig-Maximilians-Universität, leitet das Zentrum für Energie, Klima und Ressourcen am dortigen Ifo-Institut und ist Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung.

Pittel rechnet vor, dass der Betreiber des Atomkraftwerks, PreussenElektra, im Falle eines Weiterbetriebs von Isar 2 einen Gewinn von 1,85 Milliarden Euro einfahren würde. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Lion Hirth von der Hertie School of Governance, der einen Gewinn „von knapp zwei Milliarden Euro“ für realistisch hält. Die Stadtwerke halten einen Anteil von 25 Prozent an dem Atomkraftwerk.

Isar 2: Das Kraftwerk hätte Ende des Jahres stillgelegt werden sollen - nun wird Weiterbetrieb geprüft

Grundlage für die Experten-Rechnung sind die Strompreise, die die Märkte derzeit für das erste Quartal 2023 antizipieren. Demnach bliebe – abzüglich der Kosten – ein Gewinn von etwa 370 Millionen Euro pro Monat für den Betreiber.

Das Kraftwerk hätte Ende des Jahres stillgelegt werden sollen, es wird aber debattiert, es zumindest in einem Streckbetrieb länger laufen zu lassen. Das würde bedeuten, dass der Meiler bis Mai lediglich die bereits genutzten Brennelemente weiterverwendet und somit bis zu fünf Terawattstunden Strom produzieren könnte. Der Stromverbrauch in München liegt bei rund sieben Terawattstunden im Jahr. Ob Isar 2 weiterlaufen muss, soll ein Stresstest zeigen, der die Energieversorgung im Winter vor dem Hintergrund untersucht, dass weniger oder gar kein Gas über Nordstream 1 ankommt.

Ob ein möglicher Gewinn der Stadtwerke auf die Verbraucherpreise umgelegt wird, wollte das Unternehmen zunächst nicht beantworten. Die SWM hatten die Energiepreise binnen eines halben Jahres gleich zweimal erhöht, zum Jahreswechsel um 25 Prozent, zuletzt um 36 Prozent. Gleichzeitig hatte der Energieversorger einen Fonds über 20 Millionen Euro für einkommensschwache Haushalte und eine Energiesparprämie in Aussicht gestellt. „Solange es noch keine Entscheidung über einen Streck- oder Weiterbetrieb von Isar 2 gibt, erübrigt sich auch eine Diskussion über etwaige Mehreinnahmen“, hieß es auf Anfrage.

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