Ehrlicher Finder sucht glücklichen Verlierer

So bedankt sich der Geldbeutel-Besitzer 

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Hakan Kaynakci (rechts.) verlor einen Geldbeutel mit 3500 Euro Inhalt. Zum Glück gab es Hans Schadel (mit Ehefrau Doris), der nicht locker ließ, bis Kaynakci das Geld wieder hatte.

München - Zuerst der Fund und dann die Suche. Als Hans Schadel in der Flughafen-S-Bahn eine Geldbörse mit 3500 Euro entdeckte und im Fundamt abgab, konnte er nicht ahnen, dass die Suche erst begann - und eine Überraschung auf ihn wartet.

Ehrlicher Finder, glücklicher Verlierer, schnelles Glück – so einfach ist die Geschichte nicht, wenn offizielle Stellen mitmischen. Hakan Kaynakci hätte seine Papiere, die Kreditkarten und die rund 3500 Euro in bar wohl heute noch nicht, wenn es rein nach den Regeln und Vorschriften gegangen wäre, an die sich das Fundbüro am Flughafen hält. Dabei war dem 38-Jährigen aus Antalya das Malheur bereits am 19. November passiert.

Der Mann, der für eine Luxushotelkette tätig ist, war geschäftlich in München und hatte 3500 Euro bei sich, um „auf meinem Reiseweg diverse Auslagen bar bezahlen zu können“. Auf dem Weg vom Flughafen zum Bahnhof muss ihm die Geldbörse aus der Tasche in den Klappsitz gerutscht sein. „Ich habe bei der Polizei sofort den Verlust angemeldet“, erzählt Kaynakci. Von offizieller Seite hörte er seitdem nichts mehr. Er und seine Firma hatten das Geld schon abgeschrieben.

Dabei hatte noch am gleichen Tag Hans Schadel das Portemonnaie gefunden. Der 61-jährige Lehrer aus dem Landkreis Biberach war mit seiner Ehefrau gerade auf dem Weg zum Urlaubsflieger nach Zypern. „Ich habe da kurz reingeblickt, aber nicht das Geld gezählt“, sagt er. Für ihn sei es eine Selbstverständlichkeit gewesen, den Fund abzugeben. Das Problem: Niemand wollte ihn haben. „Bei der Flughafeninfo waren die Damen froh, dass sie uns an den Bahn-Schalter schicken konnten. Aber dort konnte uns auch keiner helfen“, erzählt der Hauptschullehrer in Altersteilzeit. „Dabei mussten wir doch zu unserem Flieger.“ Schließlich sprach er eine Streife der Bundespolizei an, die sich der Sache annahmen.

Nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub erkundigte sich Schadel nach seinem Fund. Zu seiner Überraschung bekam er erklärt, dass zwar die türkische Botschaft informiert worden war, nicht aber der Verlierer selbst. „Der Mann hätte doch nie im Fundbüro angerufen“, war sich Schadel sicher. Und als er dort gesagt bekam, dass das Geld einbehalten werde, sollte sich binnen eines halben Jahres niemand melden, fing der ehrliche Finder zu recherchieren an. Landes- und Bundespolizei, DB-Fundbüro in Berlin – der Schwabe hatte eine Odyssee hinter sich, als ihm ein Allgäuer in der Münchner Bahnzentrale endlich die Telefonnummer gab.

„Herr Kaynakci war überglücklich, als ich ihn anrief.“ Das war am 4. Dezember. Deshalb mischt sich in die Erleichterung des Türken auch die Verärgerung über Polizei und Fundamt. „Ich hatte bei meiner Anzeige alle Daten angegeben. Außerdem waren im Portemonnaie Visitenkarten mit Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Ich wäre immer erreichbar gewesen – auch als ich in Dubai war.“

Josef Rankl, Chef des Fundbüros am Airport, wehrt sich. „Wir haben den Fund beim Türkischen Konsulat angezeigt“, womit schon einmal der „unterschwellig gemachte“ Vorwurf widerlegt sei, der Flughafen würde das Geld für sich einbehalten. Er wisse nicht, ob sein Kollege im konkreten Fall sofort bei Kaynakci angerufen habe, „auch nicht, ob da überhaupt Visitenkarten vorhanden waren“. Es käme schon vor, dass das Fundamt sofort die Leute kontaktiere. Grundsätzlich aber entscheide sich das Amt für den Weg über die zuständige Behörde.

Im vorliegenden Fall habe der Mann keinen Wohnsitz in Deutschland. „Wenn da etwas mit dem Bargeld schief läuft, dann würde es uns angekreidet.“ Gestern durfte Kaynakci nun seine Geldbörse abholen. Rein rechtlich steht Schadel laut Rankl ein Finderlohn in Höhe knapp 60 Euro zu. „Das Gefühl, einem Menschen geholfen zu haben, ist aber sowieso wertvoller“, sagt Schadel. Und Kaynakci hat sich bereits eine Überraschung ausgedacht: Schadel darf eine Woche Urlaub in einem Luxus-Hotel in Dubai machen.

Dieter Priglmeir

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