Im Fischbrunnen am Marienplatz

Das steckt hinter dem Geldbeutelwaschen

München - Es hat Tradition in München, das Geldbeutelwaschen am Aschermittwoch. Warum die Münchner ihre Börsen in den Fischbrunnen am Marienplatz tauchen, erklärt OB Christian Ude im Video.

Ob sich ein gewaschener Geldbeutel leichter füllen lässt, ist umstritten. OB Christian Ude (SPD) glaubt daran – und liefert Beweise: „Schauen Sie sich doch das Ergebnis an. In meiner Amtszeit konnte München über 16 Milliarden Euro in Zukunftsinvestitionen stecken und hat heute trotzdem weniger Schulden als 1986“, sagte er und tauchte den Stadtsäckel in den Fischbrunnen.

Die Tradition des Geldbeutelwaschens am Aschermittwoch geht ins 15. Jahrhundert zurück. Die Dienstboten hatten ihren letzten Heller im Fasching auf den Kopf gehauen.

Tatsächlich hatte die Stadt 2013 zum ersten Mal seit 27 Jahren weniger als eine Milliarde Euro Schulden. Allein 2013 konnte sie 394 Millionen Euro tilgen. Der Rekordschuldenberg von 2005 (3,4 Milliarden Euro) ist auf 967 Millionen geschrumpft. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 660 Euro. Allein die Gewerbesteuer hat im vergangenen Jahr 2,3 Milliarden Euro in die Kassen gespült. Neuer Rekord!

Für was geben Sie Ihren letzten Cent?

Klaus Kullmann (r.), Theresia Seidler (2.v.r.) und Bärbel Mayerhofer (2.v.l.)

Bärbel Mayerhofer (60, 2.v.l), Steuergehilfin aus Anzing: "Meinen allerletzten Cent würde ich in den Fischbrunnen werfen und mir dafür Gesundheit wünschen. Die ist doch viel mehr wert als alles Geld der Welt." Theresia Seidler (72, 2.v.r.), Rentnerin aus München: "Ich werfe öfters eine Münze in den Fischbrunnen. Wenn ich nur noch einen Cent hätte, würde ich das auch tun und hoffen, dass mein Geldbeutel bald wieder voll ist." Klaus Kullmann (72, r.), Rentner aus München: "Von meinen letzten Geld würde ich mir eine Halbe Bier kaufen und zum Fischessen gehen. Das muss am Aschermittwoch immer noch drin sein."

Julia Nothaass (36), Assistentin aus München: "Den letzten Cent würde ich spenden. Ich selbst kann mir davon nichts mehr kaufen, aber wenn viele Leute einen Cent spenden, geht es vielleicht jemand anderem besser."

Toni Winklhofer (64), Wiesn-Wirt: "Leberkässemmeln sind mein Leibgericht. Deswegen würde ich mir von meinem letzten Cent so eine kaufen – natürlich im Lokal von meinen Sohn."

Ernst Wolowicz (60), Kämmerer (3.v.l.): "Von meinem letzten Cent würde ich mir eine gute Mass Münchner Bier gönnen. Wenn man schon arm ist, sollte man wenigstens noch ein bisschen was genießen können."

OB Christian Ude (66): "Im Sommer würde ich mir ein Eis kaufen. Das habe ich in meiner Kindheit schon gemacht. Auch wenn nur noch wenig Geld in der Hosentasche war – für ein Eis hat es immer gereicht."

tz

Rubriklistenbild: © Reinhard Kurzendörfer

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