GEMA: Club-Betreiber fürchten um ihre Existenz

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„Haarsträubend“ findet Dierk Beyer die geplante Vergütungsnovelle der GEMA. 300 bis 1000 Prozent mehr müssten die Club-Betreiber dann bezahlen, sagt er.

München - Der Verein der Münchner Kulturveranstalter schlägt Alarm: Die geplante neue Gebührenordnung der GEMA wird viele in den Ruin treiben.

Münchens Club-Betreiber fürchten um ihre Existenz. Der Grund: Die GEMA als Verwertungsgesellschaft der Musikschaffenden hat eine Tarifänderung zum 1. Januar 2013 vorgestellt, die nach eigenen Angaben die Abrechnung vereinfachen und gerechter machen soll.

Statt dem bisherigen Tarifdschungel mit elf soll es künftig nur mehr zwei Tarife geben, nach denen die Club-Chefs für das öffentliche Abspielen von Musik bezahlen müssen, berichtet die tz. „Das ist nicht gerechter, sondern schlicht existenzbedrohend“ sagt dazu Dierk Beyer, einer der Wirte von Münchens XXL-Diskothek „Neuraum“ und der etwas kleineren „Nachtgalerie“ an der Landsberger Straße. „Bisher zahlen wir eine Pauschale von 20 000 Euro pro Jahr, nach der neuen Regelung sind es Minimum 200 000 Euro, das ist nicht tragbar, dann können wir dicht machen“.

Beyer ist Mitglied im Verein der Münchner Kulturveranstalter (VdMK) und hat in dieser Eigenschaft Kollegen angeschrieben mit der Bitte, ihre jetzigen Abgaben mit den künftig zu erwartenden zu vergleichen. „Das Ergebnis ist haarsträubend. Wir haben zwar erst ein Dutzend Rückläufer, aber die Teuerung geht von mindestens 300 Prozent bis zu 1000 Prozent.“

So wirkt Musik auf unseren Körper

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Denn laut Beyer sind nicht nur die Großraumclubs von der neuen Regelung betroffen, „sondern vor allem die kleinen, die ambitioniertes Musikprogramm machen und auch unter der Woche geöffnet haben, wie die Rote Sonne oder die Milchbar“. Da sei die Auslastung selten bei hundert Prozent, die Abgaben richteten sich jedoch nicht nach der Besucherzahl, sondern nur nach Quadratmetern und Eintrittspreis. Faustregel: je höher der Eintritt, desto höher die Abgaben. „Da ist es völlig egal, ob der Laden leer oder proppevoll ist“ meint der Szene-Gastronom.

Beyer befürchtet erhebliche Auswirkungen auf das Münchner Nachtleben. „Wir müssten den Eintritt empfindlich anheben, um die Mehrkosten von fast 200 000 Euro zu kompensieren. Aber es ist ein Teufelskreis. Denn je mehr wir verlangen, desto mehr müssen wir zahlen.“

Dazu kommt ein Mehr an Verwaltung, denn abgerechnet wird nicht mehr pauschal, sondern für jede Veranstaltung. Das sind bei Diskotheken wie der Milchbar bis zu 250 Partys im Jahr. Beyer befürchtet ein massives Club-Sterben. „Da werden einige Kollegen nicht mithalten können, es wird zur Bereinigung kommen.“

Wie er und seine Kollegen der „Craft AG“ die das Neuraum und die Nachtgalerie betreiben, mit der neuen Situation umgehen, weiß Beyer nicht: „Keine Ahnung, vielleicht zusperren und auswandern.“ Zuvor will er aber mit dem VdMK alle Hebel in Bewegung setzen, um die neue Vergütungsordnung zu kippen. Denn noch ist sie nicht gesetzt, steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Deutschen Patent- und Markenamts.

Thomas Osswald

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