Umsonst ist gar nix …

Gema will Geld für Klavier-Aktion

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Ein Münchner in Aktion auf dem Königsplatz

München - Zwei Wochen lang konnte man im Mai auf verschiedenen öffentlichen Plätzen Klavier spielen. Jetzt will die Gema Geld für diese Aktion sehen.

Play me, I’m yours („Spiel auf mir, ich gehöre Dir“) hieß dieses heitere Happening des Münchner Organisators Andreas Wagner, der insgesamt 14 Klaviere aufstellen ließ, bunt bemalt von verschiedenen Künstlern. Und jeder konnte drauflos klimpern. Die gute Note im Frühling, sozusagen.

Andreas Wagner, Organisator von "Play me, I’m yours"

Aber zu den Harmonien gesellt sich nun der grelle Ruf des Amtsschimmels: Die Gema will Geld für die Aktion. Hintergrund: Sie wahrt die Urheberrechte der Komponisten. Nun kann zwar niemand was sagen, wenn jemand Mozart, Chopin oder Joplins Entertainer draufhat – nach 70 Jahren erlischt das Urheberrecht. Aber es kann ja sein, dass jemand Filmmusik spielt oder die Toten Hosen.

Und dann muss man für die Noten Banknoten berappen. In diesem Fall fast 5000 Euro, zusammengesetzt aus der Anzahl an Tagen wie diesen, an denen wetterbedingt Klavier gespielt werden konnte, und der Anzahl an Instrumenten (14). Wagner hatte bei der Gema angefragt, fiel aber dennoch aus allen Wolken, als er den Preis hörte. „Schließlich machen wir ja keinen Gewinn damit.“ Jetzt wird verhandelt, derzeit ist man mit Vergünstigungen bei 2300 Euro. Wenn er auf dem Geld sitzenbleibt, werden die Klaviere versteigert – eigentlich sollten die meisten an Schulen etc. gespendet werden.

Gema-Sprecherin Ursula Goebel

UrsulaGoebel (37) ist die Kommunikations-Direktorin der Gema: „Ich dachte zunächst: Das ist eine Straßenmusik-Aktion, also nicht vergütungspflichtig, da es hierfür mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter eine Vereinbarung gibt. Aber da hängt viel dran, das berücksichtigt sein will. Das schreibt der Gesetzgeber vor.“

Dabei geht es nicht nur um die Wahrung der Komponistenrechte, sondern auch um den Konzertcharakter – denn man konnte sich online in einen Kalender eintragen. Das kostet. Auch wenn es Goebel leid tut, da sie selbst die Aktion „großartig“ fand.

Eines allerdings steht fest: „Das im Vergleich zu anderen Ländern starke Urherberrecht in Deutschland behindert auf europäischer Ebene einen fairen Wettbewerb – und die Möglichkeit, auf neue Marktmodelle flexibel zu reagieren. Da muss auf europäischer Ebene was getan werden.“ Bleibt zu hoffen, dass die Banknoten nicht die wahren Noten kaputt machen. Und nächstes Jahr wieder aufgspuit wird.

M. Bieber

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