Anwohner finden Kinder zu laut / Morgen Urteil beim Verwaltungsgericht

Gemeinde kämpft für einen Bolzplatz

Hallbergmoos - Ist der Lärm von Kindern, die Fußball spielen, eine Belastung für Anwohner oder eine Selbstverständlichkeit in einer familienfreundlichen Gemeinde?

Am Dinestag fällt das Bayerische Verwaltungsgericht ein Urteil über die Fußballwiese in Hallbergmoos (Kreis Freising), das diese Frage endgültig regeln könnt

Mit dem Tauziehen um den Platz beschäftigt sich Herbert Kestler, leitender Beamter der Gemeinde, seit mehr als einem Jahr. Acht bis elf Jahre alte Freizeitkicker spielen dort fast jeden Nachmittag – für den Geschmack der Anwohner allerdings zu laut. Der Gemeinde flatterten Beschwerden ins Haus. Doch anstatt den Kindern zu verbieten, weiter auf der gemeindeeigenen Wiese zu spielen, entschied Bürgermeister Klaus Stallmeister: „Wir gehören zu den wirklich jungen Gemeinden und müssen unseren Kindern etwas bieten.“ Man stellte beim Landratsamt einen Antrag, um die Kickerwiese zu einem offiziellen Bolzplatz zu machen.

2003 hatte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden, dass ein Bolzplatz in einem Wohngebiet durchaus zumutbar ist. Die Richter lehnten damals die Klage von drei Anwohnern in Ottobrunn ab. Die Hallbergmooser fühlten sich in ihrer Pro-Bolzplatz-Haltung bestätigt.

Doch dann kam der Dämpfer aus dem Landratsamt: Mit Verweis auf bundesimmissionsschutzrechtliche Vorgaben forderte die Behörde die Gemeinde auf, den Antrag zurückzuziehen. Denn das Urteil über den Ottobrunner Fall sei nicht auf den Hallbergmooser anwendbar, begründete eine Umweltingenieurin – weil die Häuser einige Meter näher an der Wiese stehen als in Ottobrunn. Außerdem legte das Landratsamt seiner Entscheidung nicht die Spielplatzverordnung, sondern die Sportplatzverordnung zu Grunde, die wesentlich strenger ist. Eine Verordnung für Bolzplätze gibt es nicht.

Die Reaktion des Gemeinderats: „Jetzt erst recht!“ Der Antrag wurde nicht zurück gezogen – und vom Landratsamt tatsächlich abgelehnt. Einstimmig beschloss der Gemeinderat daraufhin, gegen den Bescheid zu klagen. „Wir hoffen, dass im Sinne der Kinder entschieden wird“, sagt Kestler. Es sei schließlich nicht nachvollziehbar, dass von Ministerien Aktionen gestartet werden, um Kinder zum Sport zu motivieren, und dann würden „so kinderfeindliche Dinge bestimmt“.

Quelle: tz

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