Münchner Autor trifft Gesundheitsminister Bahr

Gemeinsamer Kampf gegen Parkinson

+
Gerhard Schumann überreicht Minister Daniel Bahr sein Parkinson-Buch.

München - Der Münchner Gerhard Schumann (45) hat seit drei Jahren Parkinson - und nun ein Buch darüber geschrieben. Er möchte die Krankheit bekannt machen und fand in Gesundheitsminister Bahr einen echten Mitstreiter.

Gerhard Schumann steht im schicken Hotel Königshof. Mühsam versucht er sein Buch zu greifen, doch er schafft es nicht. Seine rechte Hand zittert stark. Da kommt ihm Daniel Bahr zu Hilfe: Der deutsche Gesundheitsminister greift flink danach und lächelt das Missgeschick weg. Er weiß: Gerhard Schumann (45) hat seit drei Jahren Parkinson. Eine Krankheit, die auch Daniel Bahr gut kennt. „Ich habe einen Parkinsonfall in der Familie“, bekennt Bahr. „Vor der Diagnose haben wir uns immer gefragt, was ist los mit ihm. Als die Diagnose dann da war, waren wir erleichtert.“ Die Ärzte tappten bei Bahrs Verwandtem lange im Dunkeln. „Er hatte ein Herzleiden, deshalb hieß es erst, es seien die Nebenwirkungen der Herzmedikamente“, erzählt er.

Bei Schumann war es ähnlich. Lange hatte er ein Zittern im rechten Arm. Mediziner vermuteten erst einen Tennisarm. „Dann habe ich einen Bericht über den Schauspieler Michael J. Fox gelesen, der auch Parkinson hat“, erzählt Monika Schumann. „Ich dachte mir: Das ist genauso wie bei meinem Mann und bestand auf eine Untersuchung.“ Als sich ihre Befürchtungen bestätigten, war Gerhard Schumann schockiert. „Ich hab’ mich ins Auto gesetzt und geheult“, erinnert er sich.

Seine Frau war erleichtert. „Viele Leute haben mich vorher oft gefragt, ob Gerhard Alkoholiker ist“, sagt sie. „Dann war es endlich raus. Es ist ja keine Todesnachricht.“ Seitdem möchte Schumann die Krankheit bekannt machen. Über seine Erfahrung hat er ein Buch geschrieben (Parkinson. Leben mit der Pechkrankheit) und eine Fotoausstellung zum Thema Parki und ich (www.bildermann11.de) gestaltet.

Daniel Bahr möchte die Ausstellung nun für nächstes Jahr nach Berlin holen. Er ist Ehrenmitglied der Deutschen Parkinson Vereinigung. „Als mich Herr Schumann um ein Treffen gebeten hat, hat mich das an meine Familie erinnert“, sagt Bahr. „Seine Arbeit macht Mut.“

Auch sie leiden an der unheilbaren Krankheit

Fredl Fesl: Seine Lieder gingen ans Herz, haben Millionen Freude bereitet. Bis zum Jahr 2006 gab er Konzerte. Heute aber kann der beliebte Niederbayer kaum noch sprechen. Auch seine Bewegung ist stark eingeschränkt.  „Eine Hoffnung auf Heilung mache ich mir nicht“, sagt Fesl.

Otti Fischer: Offen und ehrlich geht er mit der Krankheit um. „Es passiert immer wieder, dass ich einfach einschlafe“, sagt Otti Fischer. Und: „Ich habe manchmal Angst, dass ich die nötigen Kräfte nicht noch einmal mobilisieren kann.“ Seine Kabarett-Auftritte werden immer weniger.

Muhammad Ali: Ein Mann wie ein Bär. Sein Wille: schier grenzenlos. Als Boxer war Muhammad Ali (70) der Größte, doch gegen Parkinson reicht auch seine Kraft nicht aus. Bereits drei Jahrzehnte lang kämpft Ali gegen Schüttellähmung und Muskelzittern. „Aber er ist deshalb nie deprimiert“, sagt sein Arzt.

Kurt Masur: Er war das Pultstar-Aushängeschild der DDR und leitete nach der Wende als Chef die New Yorker und Londoner Philharmonie-Orchester. Donnerstag hat der 85-jährige Maestro öffentlich bekannt gegeben, dass er seit Jahren an Parkinson leidet. Doch er will weiterdirigieren.

M. Hollenz

Auch interessant

Meistgelesen

Fasching in München war der nackte Wahnsinn
Fasching in München war der nackte Wahnsinn
Video: Tanz der Marktweiber am Viktualienmarkt 
Video: Tanz der Marktweiber am Viktualienmarkt 
A99 wird Dauerbaustelle: Das kommt auf die Autofahrer zu
A99 wird Dauerbaustelle: Das kommt auf die Autofahrer zu

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare