Generalstreik in München: Muss das sein?

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Beim ersten Warnstreik am 8. März waren 3000 Münchner Verdi-Mitglieder dabei.

München - Muss das sein? Die zweite große Streikwelle rollt auf die Landeshauptstadt zu - noch gewaltiger, noch heftiger als beim ersten Warnstreik vom 8. März. Zwei Frauen diskutieren das Für und Wider.

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Das erwartet Sie beim zweiten Warnstreik

Zweite Warnstreik-Runde im öffentlichen Dienst

5000 Beschäftigte des öffentlichen Dienstes legen ihre Arbeit nieder! Wieder bleiben Kindergärten und Kitas dicht, auch Beschäftigte der Straßenreinigung, Wertstoffhöfe, Stadtbibliotheken und städtischen Kliniken sind zum Streik aufgerufen.

Wir lassen zwei Betroffene zu Wort kommen und die Sinnhaftigkeit des Streiks diskutieren:

Pro: Erzieher sind wichtig für Gesellschaft

Sandra Israel.

Am Dienstag betreut Sandra Israel (39) gleich drei Kinder. Die Krippe ihrer Tochter Lucy (2) und der Kindergarten ihres 5-jährigen Sohnes werden bestreikt. Und sie bekommt auchnoch ein Gastkind: einen kleinen Buben aus der Krippe, dessen Mutter nicht freimachen kann. „Ich habe großes Glück, weil mein Arbeitgeber Verständnis hat und ich kurzfristig Urlaub nehmen kann“, sagt die Angestellte. Sie unterstützt die streikenden Erzieherinnen. „Jeder redet davon, dass Kinder unsere Zukunft sind. Erzieherinnen sind so wichtig für unsere Gesellschaft, aber sie genießen kein Ansehen. Wenn es um die Entlohnung geht, interessiert es keinen. Wenn ich da sehe, was der Staat beispielsweise für Wulff oder für Griechenland ausgibt, macht mich das schon stutzig.“ Nur eines stört die Mutter am Streik: „Die meisten Leidtragenden sind Mütter. Und die werden oft nicht ernstgenommen, da heißt es dann, das seien ja ,nur die Mütter‘.“ Sandra Israel hätte sich gewünscht, dass etwa auch der öffentliche Nahverkehr streikt. „Da wäre die Außenwirkung besser.“

Kontra: Der Streik stellt mich vor große Probleme

Susanne Kiesewetter.

Die Münchnerin Susanne Kiesewetter (34) kann den Streik beim besten Willen nicht gutheißen. „Ich bin selbstständig, meine Aufträge warten nicht. Meine Mutter wohnt 500 Kilometer entfernt, die Schwiegermutter ist berufstätig. Ein Streik stellt mich vor ein echtes Problem.“ Auch wenn sie in letzter Sekunde eine andere Mutter für die Betreuung ihres Sohnes Quinn (2) gewinnen konnte, macht sie sich Sorgen. „Er ist doch noch so klein. Für Krippen-Kinder ist ein Streik besonders schwer: Sie haben ja nicht umsonst eine lange Eingewöhnungszeit. Die Erzieherinnen sind ihre Bezugspersonen. Jetzt kurzfristig einen Babysitter oder eine andere fremde Person zu engagieren, ist nicht so einfach. Wer sagt, dass sie diese Person überhaupt akzeptieren?!“ Sie betont, dass sie Verständnis habe für die Forderung der Pädagogen nach mehr Geld. „Aber ich würde lieber in einen Fonds einzahlen, um ihnen zu helfen, als dass ich weiter unter Streiks leiden muss. Vielleicht gibt es auch andere Wege, Außenwirkung zu erzielen als einen Streik, zum Beispiel über gezielte Lobby-Arbeit.“

Streik! Hier geht nichts mehr:

Die Liste aller Betriebe und Dienststellen, die am Dienstag in den Arbeitsausstand treten

- Stadtwerke München (Versorgung, Zentralbereich, Bäder)

- Stadtwerke München (Ausbildungswerkstatt)

- Stadtentwässerung

- Abfallwirtschaftsbetrieb München, neben der Verwaltung auch der Müllsammeldienst

-Straßenreinigung der Stadt München

- Kinderbetreuungseinrichtungen der Stadt München (Krippen, Kindergärten, Tagesheime, Horte, Kooperationseinrichtungen)

- Öffentliche Verwaltung der Stadt München

- Straßenbeleuchtung und Verkehrsleittechnik der Stadt München

- Gartenbau der Stadt München

- Kreisverwaltungsreferat, Verkehrsüberwachung

- Sozialbürgerhaus

- Stadtjugendamt

- Auszubildende der Stadt München

- Stadtbibliotheken

- Kreisjugendring München-Stadt

- Städtisches Klinikum München GmbH (Bogenhausen, Neuperlach, Harlaching, Schwabing, Thalkirchner Straße und Facility Management)

- Teile der Arbeitsagentur und Jobcenter

- Altenheim Hans-Sieber-Haus von Münchenstift in Allach

- Pfennigparade, ambulante Dienste

- Bundeswehr, Fliegerhorst Erding

- Bundeswehr, Wehrbereichsverwaltung Süd

- Bundeswehr, Dienstleistungszentrum

- Deutsches Patent- und Markenamt

- Kammerspiele

- Verein für heilpädagogische Aufgaben

- Landratsamt Fürstenfeldbruck und Freising

- Kinderbetreuungseinrichtungen in Olching, Germering, Freising und Dachau

- Bau- und Betriebshöfe in Vaterstetten, Fürstenfeldbruck, Moosburg und Freising (Quelle: Verdi)

Weiterhin werden auch Augsburg, Ingolstadt, Kempten, Nürnberg, Niederbayern, Bayreuth, Bamberg, die Oberpfalz, Rosenheim, Schweinfurt und Würzburg/Aschaffenburg bestreikt.

N. Bautz / C. Schmelzer

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