Zu Besuch beim ehemaligen SPD-Fraktionschef

So genießt Franz Maget den Ruhestand

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Franz Maget.

München - Seit genau einem Jahr ist Franz Maget im politischen Ruhestand. Wir haben den ehemaligen Fraktionschef der SPD sowie Vize-Präsidenten des TSV 1860 München besucht.

Natürlich, die wichtigste Frage gleich zu Anfang, die Frage, ob er die Politik vermisst. Ob er sich nicht zurücksehnt, die Streitgespräche im Landtag, die Parlamentsdebatten, die Wahlkampfveranstaltungen. Franz Maget sitzt in seinem Lieblingsbiergarten, blickt hinaus auf den Lerchenauer See, er schüttelt den Kopf und sagt: „Nein. Ich hab’ meinen Abschied noch in keiner Sekunde bereut. Mir geht es ausgezeichnet. Ich bin sehr glücklich mit meinem Leben.“

Das Leben als Politiker war vor genau einem Jahr vorbei. Bei der Landtagswahl im Oktober 2013, kurz vor seinem 60. Geburtstag, war Franz Maget nicht mehr angetreten, nach 23 Jahren im Maximilianeum, neun davon als Oppositionsführer, als Fraktionschef der SPD. Es gibt andere Politiker, die schaffen es nicht, loszulassen von der Macht. Franz Maget sagt: „Mir ist es leichtgefallen. Mein Loslassen hatte ich auch lange geplant.“

Zweimal, 2003 und 2008, hatte er die SPD in die Wahl geführt und beide Male ein Debakel erlitten, mit 19,6 und 18,6 Prozent. Nach der zweiten Niederlage sei ihm klar gewesen, ein drittes Mal Spitzenkandidat, das geht gar nicht. Ganz langsam zog er sich zurück, aus dem Vorsitz der München-SPD, aus dem Präsidium der Bundespartei. Oft, sagt Maget, sei er abends daheim gesessen, vor ihm auf dem Schreibtisch ein Zettel mit einer Plus-Spalte und einer Minus-Spalte. „Ich habe mir notiert, was für einen Abschied aus der Politik spricht und was dagegen.“ Freilich, die Anerkennung, die öffentliche Wahrnehmung, Maget sagt, er schätzte das sehr, Einladungen zu Abendveranstaltungen mit einem reservierten Stuhl in der ersten Reihe und freundlich begrüßt zu werden. Doch mit der Zeit wurde die Liste mit den Pro-Argumenten für einen Rücktritt immer länger.

Das größte Plus war für Maget die Freiheit. Nicht mehr eingezwängt zu sein, vollgepackt mit Dienstterminen. Kürzlich ließ er sich überreden, an einer Podiumsdiskussion in einer Kirche teilzunehmen. Die Bause war da von den Grünen, der Spaenle von den Schwarzen, und der Pfarrer brauchte noch einen Sozi, also rief er bei Maget an. Maget sagt: „Es war grausam. Furchtbar. Ich habe mich zweieinhalb Stunden gelangweilt.“ Spannender sind jetzt seine Unternehmungen. Am Instituto Cervantes besuchte er einen Spanisch-Intensivkurs, flog mit seiner Frau Dorothea für einige Wochen nach Kolumbien. Nahm am München-Triathlon teil, 400 Meter schwimmen, 20 Kilometer radfahren, fünf Kilometer laufen, Platz 785 von 1400 Teilnehmern. Und fand endlich wieder die Muse, Bücher zu lesen. „Wälzer, die ich früher nie angefasst hätte, weil mir die Zeit fehlte“, sagt er. Jetzt las er gerade Robert Musil. Der Mann ohne Eigenschaften.

Franz Maget ist ein Mann mit vielen Eigenschaften, nur als Politiker, da sagte man ihm oft nach, habe er eine falsche Eigenschaft mitgebracht, weil er zu weich gewesen sei. Der Kabarettist Ottfried Fischer meinte einmal, Franz Maget sei der einzige Politiker, dem er einen Gebrauchtwagen abkaufen würde, aber dass er für die bayerische Politik viel zu ehrlich sei.

So um die Jahrtausendwende, sagt Maget, habe ihm auch Alt-OB Georg Kronawitter mal gesagt: „Franz, du musst rücksichtsloser werden.“ Maget aber fragt sich heute noch, wieso er das hätte werden sollen. „Rücksichtslosigkeit, gar Unanständigkeit, damit konnte ich nie etwas anfangen. So wollte ich nie sein.“ War er auch nicht.

Franz Maget war streitbar, aber immer fair, nie persönlich verletzend. Das brachte ihm großen Respekt ein, auch beim Gegner. „Horst Seehofer“, sagt er, „hat mich immer besser behandelt als seine eigenen Minister. So abfällig wie mit dem Söder hat er mit mir nie gesprochen.“

Franz Maget musste aber eben erkennen, dass der Kampf gegen die CSU ein fast aussichtsloser ist, das liegt schon am Grundgefühl. „Bayern ist so ein narrisch schönes Land. Wenn die Leute aus dem Fenster schauen, fragen sie sich natürlich, warum sie etwas anders haben sollten, und da gehören die politischen Verhältnisse eben auch dazu.“

Das narrisch schöne Land will der ehemalige Vize-Präsident des TSV 1860 München nicht mehr verlassen, außer bei noch vielen anstehenden Reisen mit seiner Dorle. Er ist glücklich, die Plätze getauscht zu haben. Den Stuhl in der ersten Reihe gegen den Biertisch am Lerchenauer See.

Mein München-Platz

Am wohlsten fühle ich mich in Schwabing, das war mein Wahlkreis, hier hatte ich mein Bürgerbüro, hier kenne ich jeden Winkel. Dann wäre da natürlich noch der Englische Garten, mein Lieblingsort in der Stadt, und der Odeonsplatz, für mich architektonisch der schönste.

Mein München-Lokal

Gerne bin ich bei meinem Freund Andrea Boscagli in seinem toskanischen Imbiss Vini e Panini, Nordendstraße 45 (Foto). Oder das griechische Restaurant Elia in der Herzogstraße. Und im Sommer lockt direkt vor meiner Haustür der Biergarten am Lerchenauer See des neuen Wiesnwirtes Sigi Able.

Mein München-Gericht

Die Grießnockerlsuppe meiner leider schon lange verstorbenen Mutter. Überhaupt liebe ich Suppen: Hühnerbrühe mit Nudeln oder Pfannkuchen sind das ideale Gericht für kalte Tage, gehen aber eigentlich immer.

Mein Münchner

Meister Eder und sein Pumuckl (Foto aus der TV-Serie mit Gustl Bayrhammer). Etwas schräg, aber liebenswert.

München - und sonst?

In Deutschland bliebe bestenfalls noch Hamburg. Ansonsten Barcelona oder Rom.

Florian Kinast

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