In der Altstadt und Fürstenried

Ladensterben: Aus für zwei Buch-Institutionen

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„Die Nachfrage war ungemein groß“: Hilde Kindt mit dem Eröffnungsplakat ihres Ladens aus dem Jahr 1988.

Das Buchladen-Sterben geht weiter. Nicht nur, die Buchhandlung Geobuch am Viktualienmarkt muss aufgeben. Auch Fürstenried verliert mit dem Laden von Hilde Kindt eine Institution. 

München - Über die Hintergründe herrscht im Fall Geobuch Unklarheit. „Die Geschäftsführung war im vergangenen Jahr auf uns zugekommen, weil der Laden nicht mehr so gut lief und sie ein neues Konzept ausprobieren wollte“, sagt Michael Wagenmann, Chef der Imcon GmbH, der das Haus im Rosental gehört. Doch daraus wurde nichts, Ende 2016 bat die Geobuch-Geschäftsführung, schon vorzeitig aus dem laufenden Mietvertrag aussteigen zu dürfen. Chefin Julia Malchow schweigt sich über die Hintergründe aus.

51 Jahre ließ er Ausflügler träumen: der auf Reiseliteratur und Karten spezialisierte Laden Geobuch im Rosental.

Kindt hatten in den 80ern drei Läden

Hilde Kindt (68) dagegen steht in ihrem kleinen Laden in der Forstenrieder Allee 61 und kramt in alten Fotos. Vor 29 Jahren wurden diese Aufnahmen gemacht – am 15. Juni 1988. Darauf zu sehen sind viele Menschen vor vollen Bücherregalen. Heute sind die Regale leerer, an der Eingangstür prangt ein Schild: „Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe. Alles muss raus!“ Hilde Kindt muss schließen. „1984 und 1987 machte ich mit meinem Mann gemeinsam am Partnachplatz die ersten beiden ,Bücher Kindt‘ auf“, erzählt sie. „Vier Jahre später entschlossen wir uns dann, hier unseren dritten Laden zu eröffnen. Das war die goldene Zeit für den Buchhandel, damals war die Nachfrage ungemein groß.“

Ihr Mann Peter starb 1991, nur drei Jahre später, Kindt machte alleine weiter. Die Geschäfte florierten. „Bis der Euro kam“, sagt Hilde Kindt. Ab dann seien die Umsätze immer mehr zurückgegangen. Der kleine Taschenbuchladen am Partnachplatz wurde 2006 schon geschlossen. „Man konnte das nicht aufhalten“, sagt sie. „Online-Händler wie Amazon haben ihren Teil dazu beigetragen.“

Geobuch 2010 vor der Insolvenz gerettet

Im Rosental rettete Julia Malchow das Traditionsgeschäft Geobuch im Jahr 2010 vor der Pleite. Damals hatte der vorherige Besitzer Insolvenz anmelden müssen. „Letztendlich blieb es aber doch nur eine Rettung auf Zeit“, schreibt sie auf der Internetseite des Ladens. Wie berichtet, ist jetzt ist das Aus nach 51 Jahren besiegelt. „Wir kümmern uns schon um die Nachvermietung“, verrät Eigentümer Wagenmann. Noch ist nicht klar, wer in die Räume einziehen wird. „Wir bevorzugen ein ruhiges, stationäres Gewerbe.“ Klassischer Einzelhandel statt Gastronomie also – es werde aber wohl eher auf einen Filialisten hinauslaufen.

Selbst die ausgefallensten Karten findet man bei Geobuch. Bald wird man dafür auf Reisen gehen müssen.

51 Jahre hatte Geobuch Weltreisende und Wochenendausflügler träumen lassen. Ursprünglich gab es hier auf drei Etagen – einer Ladenfläche vergleichbar mit der des Hugendubel am Stachus – jede noch so ausgefallene Karte. „Bis zu den Anschlägen vom 11. September haben wir sogar militärische Karten der Amerikaner verkaufen dürfen“, erinnert sich ein Mitarbeiter. „Vergleichbare Buchhandlungen gibt es nur in Freiburg, Karlsruhe und Regensburg.“ Da wäre die Reise zum Buch ja schon fast eine Weltreise.

Hilde Kindt verkaufte ihr Geschäft am Partnachplatz bereits 2015. Jetzt lässt sie der neue Hausbesitzer an der Forstenrieder Allee auch nicht mehr weitermachen – mit 68 geht sie in Rente. Und trotz des Verlustes geht sie mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn für ihre zwei Mitarbeiter geht die Geschichte gut aus. Sie werden ab Juni die Buchhandlung Huth am Haderner Stern übernehmen. Und so das Erbe von „Bücher Kindt“ an anderer Stelle weitertragen.

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